Die Feuerleitanlage ist das elektronische Teilsystem eines Kampfpanzers, das Sensorik, Rechner, Stabilisierung und Anzeigegeräte zu einer Einheit verbindet und Rohrwaffe sowie Sichtlinie unabhängig von der Fahrzeugbewegung ausgerichtet hält. Sie besteht aus mindestens einem Entfernungsmesser, einem Rechner zur Verarbeitung der Sensordaten, einer Stabilisierungseinheit für Turm und Rohr sowie getrennten Sichtgeräten für Kommandant und Richtschütze.
Feuerleitanlage im Detail
Erste Stabilisierungssysteme für Panzerbewaffnung entstanden in den 1950er-Jahren. Die Sowjetunion rüstete den T-54 mit je zwei Kreiseln für Seiten- und Höhenrichtung aus, die Winkelabweichung und Winkelgeschwindigkeit maßen und über Drehmelder in elektrische Signale umsetzten. In den USA ergänzten die Firmen Honeywell und Cadillac Gage ab 1964 vorhandene Fahrzeuge mit räumlich getrennten Kreiseln in Turm und Wanne. Vom T-64 an trennte die sowjetische Konstruktion die Stabilisierung von Sichtlinie und Rohr, was die Bauteilzahl der Anlage deutlich erhöhte.
Mit dem Leopard 2 erreichte die Feuerleitanlage Anfang der 1980er-Jahre einen technischen Meilenstein. Rheinmetall Electronics lieferte als Originalausrüster Sensorik und Teile der Elektronik, ergänzt um Sichtgeräte für Kommandant (Rundblickperiskop) und Richtschütze (Hauptzielfernrohr). Frühe Rechner arbeiteten analog mit Halbleiterbauteilen, moderne Anlagen digital. Zur Sensorik zählen heute Laserentfernungsmesser, Wettersensoren und Wärmebildgeräte für die Beobachtung bei Tag und Nacht; sie ersetzen ältere rein optische Zielfernrohre. Mechanische Kreisel weichen zunehmend Laserkreiseln ohne bewegte Teile, die sofort einsatzbereit sind.
Der Bauaufwand einer Feuerleitanlage ist bei modernen Kampfpanzern deutlich höher als bei frühen Nachkriegsmodellen. Aus wenigen mechanischen Baugruppen wurde eine vernetzte Anlage aus mehreren Sensoren, einem digitalen Rechner und getrennten Anzeigesystemen für Kommandant und Richtschütze. Das zeigt sich auch bei Modernisierungsprogrammen: Für die spanischen Leopard-2E-Fahrzeuge kündigten Rheinmetall Electronics und der Partner Indra 2025 eine Erneuerung von Feuerleitanlage und Gefechtsführungssystem an, auf Basis des deutschen IFIS-Systems und des schwedischen TCCS, während Wanne und Antrieb unverändert bleiben. Wanne und Antrieb eines Kampfpanzers ändern sich über Jahrzehnte kaum, die Feuerleitanlage wird dagegen im Abstand weniger Jahre an neue Elektronik angepasst. Sie zählt damit zu den Baugruppen mit dem höchsten Modernisierungsaufwand am Fahrzeug.
Eine genaue Zahl zum Kostenanteil der Feuerleitanlage am Gesamtfahrzeug lässt sich nicht belastbar belegen, dafür schwanken die Angaben je nach Quelle zu stark. Die Richtung ist dagegen eindeutig: Der Kostenanteil der Elektronik ist von den mechanischen Stabilisatoren der 1950er-Jahre bis zu den vernetzten Anlagen der Gegenwart gestiegen, während der Anteil von Wanne und Antrieb am Gesamtpreis relativ gesunken ist.
Bedeutung beim Panzerfahren
Auf Erlebnisgeländen in Deutschland sind die Fahrzeuge entmilitarisiert. Die Feuerleitanlage ist bei den meisten Modellen ausgebaut oder stillgelegt, vorhandene Sichtgeräte im Turm sind funktionslose Reste der ursprünglichen Ausstattung. Wer einen Kettenpanzer fährt, sitzt an Lenkung und Kette, nicht an der Feuerleitanlage. Sichtbar bleibt oft nur der leere Einbauplatz im Turm oder die Halterung für das ehemalige Zielfernrohr.
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