MARS II

MARS II Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: Ryan Barnes, Lizenz Public domain, via Wikimedia Commons

Der MARS II ist ein Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das als Trägerfahrzeug für ein Mehrfachraketensystem dient. MARS steht für Mittleres Artillerieraketensystem, die Bezeichnung II markiert die kampfwertgesteigerte Ausführung gegenüber der ursprünglichen Basisversion. Das Fahrgestell ist eine gestreckte Ausführung des Kettenfahrgestells vom Schützenpanzer M2 Bradley und geht damit auf dieselbe technische Basis wie das US-amerikanische M270 Multiple Launch Rocket System zurück. Krauss-Maffei Wegmann, heute Teil von KNDS Deutschland, rüstete die ältere Basisversion MARS zum MARS II um. Das Fahrzeug steht in Deutschland derzeit nicht für Selbstfahrangebote zur Verfügung.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Kettenfahrzeug (Selbstfahrlafette, Trägerfahrzeug für Mehrfachraketenwerfer)
Herkunftsland USA (Kettenfahrgestell abgeleitet vom Schützenpanzer M2 Bradley), Umrüstung zum MARS II in Deutschland
Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW), heute KNDS Deutschland
Motor Cummins VTA-903T (aufgeladener 8-Zylinder-Dieselmotor mit Direkteinspritzung)
Leistung 500 PS
Reichweite 400 km (Fahrreichweite)
Besatzung 3
Hauptbewaffnung Raketenstartgerät mit zwei Startbehältern für je sechs Raketen, Kaliber 227/237 mm

Zu Bauzeit, Stückzahl, Gefechtsgewicht, Länge, Breite, Höhe, Höchstgeschwindigkeit, Panzerung und Watfähigkeit liegt kein einheitlicher Wert vor, Einzelheiten dazu im Text unten.

Bei mehreren Werten weichen die Quellen deutlich voneinander ab. Die amtliche Bundeswehr-Übersicht (BMVg) und die Seite bundeswehr.de nennen übereinstimmend 50 km/h Höchstgeschwindigkeit, eine Wikipedia-Quelle nennt dagegen 65 km/h als mechanisch abgeregelten Wert für die deutsche Ausführung. Beim Gefechtsgewicht führt schon die BMVg-Übersicht selbst zwei Werte auf, 21,2 Tonnen ohne Munition und Bordausstattung sowie 25,5 Tonnen mit Munition und Panzerabwehrminen, während die KNDS-Produktseite 26,6 Tonnen nennt. Bei Länge, Breite und Höhe weichen die BMVg-Werte (7,07 m, 3,1 m, 2,87 m) ebenfalls von den KNDS-Werten (6,97 m, 2,94 m, 2,59 m) ab. Die Bundeswehr-Zahlen stammen aus der amtlichen Waffensystemübersicht, die KNDS-Zahlen von der Herstellerseite zur Weiterentwicklung MARS II / MLRS Evolution. Vermutlich beziehen sich beide auf unterschiedliche Beladungs- oder Ausrüstungskonfigurationen, eine ausdrückliche Bestätigung dafür liegt aber nicht vor.

Entwicklungsgeschichte

Die Bundeswehr führte die Basisversion MARS 1990 ein, abgeleitet vom US-amerikanischen M270 Multiple Launch Rocket System. Das M270-Programm entstand in den USA als Vorhaben mehrerer NATO-Partner für ein bodengebundenes Mehrfachraketensystem, das auf einem geschützten, geländegängigen Kettenfahrgestell fährt statt auf einem Lastwagen. Als Basis diente ein gestrecktes Chassis des Schützenpanzers M2 Bradley, wodurch das System dieselbe Antriebstechnik und Grundkonstruktion wie ein bereits eingeführtes Kettenfahrzeug nutzen konnte, statt eine vollständig neue Fahrzeugplattform zu entwickeln.

Mit den Jahren entstand Bedarf, die ältere MARS-Ausführung technisch zu modernisieren. Krauss-Maffei Wegmann, heute KNDS Deutschland, übernahm die Umrüstung zum MARS II. Nach den vorliegenden Angaben begann diese Modernisierung mit einem Vorserienvertrag im Jahr 2008, eine erste Charge von 22 Systemen war bis 2013 abgeschlossen. Eine zweite Charge von 18 Systemen beauftragte das Beschaffungsamt BAAINBw im Jahr 2018, abgeschlossen 2022. Diese Einzeldaten stammen aus unterschiedlichen Ankündigungen zu den jeweiligen Verträgen. Eine zusammenhängende Angabe zum gesamten Umrüstzeitraum gibt es nicht, obwohl die einzelnen Etappen dokumentiert sind.

Technisch ist der MARS II von seinen US-amerikanischen Verwandten, dem M270 und der weiterentwickelten Version M270A1, zu unterscheiden. Alle drei Fahrzeuge teilen den Ursprung im MLRS-Programm und das vom Bradley abgeleitete Kettenfahrgestell. Die deutsche Ausführung durchlief aber eine eigenständige Modernisierungslinie über MARS und MARS II, unabhängig von der amerikanischen A1-Kampfwertsteigerung. Beschrieben wird hier ausschließlich das Kettenfahrgestell der deutschen MARS-II-Ausführung.

Technik im Detail

Angetrieben wird der MARS II von einem Cummins VTA-903T, einem aufgeladenen 8-Zylinder-Dieselmotor mit Direkteinspritzung und Ladeluftkühlung. Er leistet 500 PS und ist derselbe Motorentyp, der auch im Schützenpanzer M2 Bradley verbaut ist, dessen Fahrgestell dem MARS II als Basis dient. Die Reichweite von 400 Kilometern bezeichnet ausschließlich die Fahrreichweite des Kettenfahrzeugs auf der Straße, nicht die Schussentfernung der mitgeführten Raketen. Beschrieben wird hier allein die Fahrzeugtechnik, keine Reichweiten, Munitionstypen oder Wirkung des Raketensystems selbst.

Das Kettenlaufwerk übernimmt den für das Bradley-Fahrgestell typischen Aufbau. Die Laufrollen sind über eine Drehstabfederung aufgehängt, die Bodenunebenheiten im Gelände ausgleicht. Über das Treibrad wird die Gleiskette angetrieben, die auch abseits befestigter Straßen Geländegängigkeit sicherstellt. Weil das Fahrgestell vom Bradley abgeleitet ist, ähnelt das Fahrverhalten dem des Schützenpanzers, trotz der aufgesetzten Raketenstartanlage anstelle eines Turms.

Zur Panzerung nennt eine Quelle eine geschweißte Aluminiumkonstruktion mit gepanzerten Verbundglasscheiben im Bereich des Fahrerhauses. Diese Angabe ist nur einfach belegt und steht deshalb nicht im Datenblatt.

Die Hauptbewaffnung besteht aus einem Raketenstartgerät mit zwei Startbehältern für je sechs Raketen, Kaliber 227 oder 237 Millimeter. Diese Angabe beschreibt ausschließlich Bauform und Kaliber des Werfers als reine Typbezeichnung. Reichweite, Streubreite, Wirkung im Ziel und Feuerleitverfahren der Raketen sind kein Gegenstand dieser Seite, sie betreffen das Waffensystem, nicht das Trägerfahrzeug.

Varianten

Der MARS II ist selbst das Ergebnis einer Kampfwertsteigerung: Krauss-Maffei Wegmann rüstete die seit 1990 eingeführte Basisversion MARS in zwei Chargen zum MARS II um. Die Bundeswehr führt beide Bezeichnungen als eigenständige Ausführungen desselben Grundsystems.

International bildet der MARS II eine eigene Linie neben dem amerikanischen M270 und dessen Weiterentwicklung M270A1. Alle drei Fahrzeuge gehen auf dasselbe MLRS-Programm und dasselbe Bradley-abgeleitete Kettenfahrgestell zurück, die deutsche und die amerikanische Modernisierung liefen aber getrennt voneinander. Werte und Ausstattung des M270 und des M270A1 sind auf dieser Seite nicht erfasst, sie gelten ausschließlich für den deutschen MARS II.

Als Nachfolger im Bestand der Bundeswehr ist das PULS-System vorgesehen (Precise and Universal Launching System). PULS baut nicht mehr auf einem Kettenfahrgestell auf, sondern auf einem Radfahrzeug, und markiert damit einen Wechsel des Fahrzeugkonzepts gegenüber dem MARS II.

Einsatz und Verbreitung

Der MARS II steht im Bestand der Bundeswehr und ergänzt dort die Artillerietruppe um ein bodengebundenes System mit eigenem Kettenfahrgestell. Der Bundeswehr zufolge wird das Fahrzeug von einer dreiköpfigen Besatzung bedient. Der zweite Umrüstungsvertrag zur Modernisierung auf den MARS-II-Stand wurde nach Angaben der Bundeswehr vom Beschaffungsamt BAAINBw unterzeichnet und umfasste eine weitere Charge von 18 Systemen.

Zur Stückzahl schwanken die Angaben. Eine Fachpublikation nennt für Juli 2022 38 Systeme im Bestand, vor einer Abgabe an die Ukraine. Eine andere Quelle nennt 40 Systeme im Dienst, davon 5 an die Ukraine übergeben. Die Differenz lässt sich am ehesten mit unterschiedlichen Zeitpunkten und Zählweisen rund um die Abgabe erklären. Ein Widerspruch, der sich aus den vorliegenden Quellen abschließend auflösen lässt, besteht nicht, deshalb wird hier keine einzelne Stückzahl genannt. Über den Verbleib der an die Ukraine abgegebenen Systeme oder deren dortigen Einsatz liegen keine belastbaren Angaben vor, im Mittelpunkt steht das Trägerfahrzeug im deutschen Bestand.

Verbleib heute

Der MARS II befindet sich weiterhin im aktiven Bestand der Bundeswehr. Mit dem PULS-System ist ein Nachfolger bereits in der Einführung, der das Kettenfahrgestell durch ein Radfahrzeug ersetzt. Da der MARS II ausschließlich bei der Bundeswehr im Einsatz steht, hängt sein weiterer Bestand unmittelbar am Beschaffungsfortschritt bei PULS. Ein konkretes Enddatum für den MARS-II-Betrieb liegt nicht vor.

Zu Museumsstandorten oder erhaltenen Einzelfahrzeugen außerhalb des aktiven Dienstes liegen keine belastbaren Angaben vor.

Kann man einen MARS II selbst fahren?

Nein, der MARS II steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als aktives System der Bundeswehr ist er nicht Teil ziviler Fahrangebote. Einen Überblick über alle Modelle, die sich in Deutschland selbst fahren lassen, bietet die Fahrzeugübersicht.

Verwandte Fahrzeuge

Der MARS II löste keine eigene Fahrzeugreihe ab, sondern ist selbst die kampfwertgesteigerte Ausführung der Basisversion MARS, die seit 1990 bei der Bundeswehr im Dienst steht. Als Nachfolger ist das radbasierte PULS-System vorgesehen. International verwandt sind der amerikanische M270 und dessen Weiterentwicklung M270A1, beide mit demselben Bradley-abgeleiteten Kettenfahrgestell. Keines dieser Fahrzeuge ist hier derzeit als eigene Seite verfügbar. Einen Überblick über alle erfassten Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein MARS II?

Die Angaben schwanken. Die amtliche Bundeswehr-Übersicht nennt 21,2 Tonnen ohne Munition und Bordausstattung beziehungsweise 25,5 Tonnen mit Munition und Panzerabwehrminen, die KNDS-Produktseite nennt 26,6 Tonnen. Ein gesicherter Einzelwert lässt sich daraus nicht ableiten, deshalb steht im Datenblatt keine Angabe.

Wie schnell fährt ein MARS II?

Auch hier weichen die Quellen voneinander ab. BMVg und bundeswehr.de nennen übereinstimmend 50 km/h, eine Wikipedia-Quelle nennt 65 km/h als mechanisch abgeregelten Wert für die deutsche Ausführung. Im Datenblatt steht deshalb keine Angabe.

Wie weit kommt ein MARS II?

Die Fahrreichweite des Kettenfahrzeugs liegt bei 400 Kilometern. Dieser Wert bezeichnet ausschließlich die Straßenreichweite des Trägerfahrzeugs, nicht die Schussentfernung der mitgeführten Raketen, die auf dieser Seite bewusst nicht behandelt wird.

Wie viele MARS II gibt es?

Die Angaben schwanken zwischen 38 Systemen (Stand Juli 2022, vor einer Abgabe an die Ukraine) und 40 Systemen im Dienst, davon 5 an die Ukraine übergeben. Ein exakter, aktueller Bestand lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht sicher ableiten.

Kann man einen MARS II in Deutschland selbst fahren?

Nein. Der MARS II ist ein aktives System der Bundeswehr und nicht Teil ziviler Fahrangebote. Die Fahrzeugübersicht zeigt, welche anderen Modelle sich in Deutschland selbst fahren lassen.

Wer stellte den MARS II her?

Krauss-Maffei Wegmann, heute Teil von KNDS Deutschland, rüstete die Basisversion MARS zum MARS II um. Das Kettenfahrgestell selbst geht auf den US-amerikanischen Schützenpanzer M2 Bradley zurück.

Was unterscheidet den MARS II vom amerikanischen M270?

Beide Fahrzeuge teilen den Ursprung im MLRS-Programm und das Bradley-abgeleitete Kettenfahrgestell. Der MARS II durchlief aber eine eigenständige deutsche Modernisierungslinie über die Basisversion MARS, unabhängig von der amerikanischen Weiterentwicklung M270A1. Werte des M270 und des M270A1 gelten nicht für den MARS II.