
Der Centurion ist ein britischer Kampfpanzer, der zwischen 1947 und 1956 in Serie gebaut wurde. Die Angaben auf dieser Seite beziehen sich, sofern nicht anders vermerkt, auf den Mark 3 (FV4007) mit der 20-Pfünder-Kanone (83,4 mm), der ab 1947/48 gebaut wurde. Das ist wichtig, denn der Centurion entstand in insgesamt 13 Marks mit drei unterschiedlichen Kanonentypen, und Gewicht, Maße und Bewaffnung unterscheiden sich zwischen den Ausführungen teils deutlich. Mit 2.833 gebauten Fahrzeugen zählt der Centurion zu den meistgebauten westlichen Kampfpanzern der Nachkriegszeit und diente als technische Grundlage für spätere britische Konstruktionen bis hin zum Challenger 3. In Deutschland steht aktuell kein Centurion zum Selbstfahren zur Verfügung.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Kampfpanzer |
| Herkunftsland | Vereinigtes Königreich |
| Hersteller | Leyland Motors, Royal Ordnance Factory Leeds, Royal Ordnance Factory Woolwich, Vickers-Armstrongs (Elswick) |
| Bauzeit | 1947 bis 1956 |
| Stückzahl | 2.833 |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | 3,39 m |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | Rolls-Royce Meteor Mk IVB (V12, wassergekühlt, Ottomotor) |
| Leistung | 650 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 34,6 km/h |
| Reichweite | 190 km |
| Besatzung | 4 |
| Hauptbewaffnung | 83,4-mm-Zugrohrkanone (20-Pfünder Mk I) |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Vier Werte fehlen in der Tabelle, weil sich die Quellen widersprechen. Beim Gefechtsgewicht schwanken die Angaben je nach Quelle zwischen rund 49,5 und 51,8 Tonnen, ein einheitlicher Grund für die Abweichung lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten. Bei der Länge liegt der Grund dagegen auf der Hand: Ein Teil der Quellen nennt nur die Wannenlänge (rund 7,55 bis 7,82 m), ein anderer Teil die Gesamtlänge mit der Kanone nach vorn (rund 9,83 bis 9,85 m). Bei der Höhe reicht die Spanne von 2,94 bis rund 3,01 m, ohne erkennbaren Grund für die Differenz. Bei der Panzerung schließlich dürfte die Streuung damit zusammenhängen, dass unterschiedliche Stellen des Fahrzeugs gemeint sind: Eine Quelle nennt für die Wannenfront (Glacis) einen Wert von bis zu 152 mm bei einer Spanne von 17 mm an anderen Stellen, eine zweite Quelle nennt für dieselbe Front rund 152 mm, eine dritte pauschal 118 mm.
Entwicklungsgeschichte
Der Centurion geht auf einen britischen Entwicklungsauftrag von 1943 zurück, der unter der Bezeichnung A41 lief. Hintergrund waren die Panzergefechte des Zweiten Weltkriegs: Die britische Armee suchte einen einzelnen Fahrzeugtyp, der sowohl gegen feindliche Infanterie und Artillerie als auch gegen andere Panzer bestehen konnte, statt wie bisher auf getrennte Infanterie- und Kreuzerpanzer zu setzen. Das verlangte eine Kombination aus wirksamer Bewaffnung, ausreichender Panzerung und genug Beweglichkeit, ein Kompromiss, an dem frühere britische Konstruktionen gescheitert waren.
Die ersten Prototypen entstanden noch vor Kriegsende. Ein frühes Fahrzeug wurde im Juni 1945 nach Deutschland verlegt, kam dort aber nicht mehr zum Gefechtseinsatz. Die Serienfertigung begann danach mit den Ausführungen Mark 1 und Mark 2, die zunächst noch die 17-Pfünder-Kanone aus dem Zweiten Weltkrieg trugen. Mit dem Mark 3 erhielt der Centurion ab 1947/48 die neu entwickelte 20-Pfünder-Kanone, ein deutlicher Sprung in der Feuerkraft gegenüber den ersten Serienfahrzeugen.
Gebaut wurde der Centurion nicht bei einem einzelnen Hersteller, sondern verteilt auf mehrere Werke: Leyland Motors, die Royal Ordnance Factories in Leeds und Woolwich sowie das Vickers-Armstrongs-Werk in Elswick fertigten parallel. Diese Streuung der Produktion auf mehrere Standorte war in der britischen Rüstungsindustrie der Nachkriegszeit üblich und diente auch dazu, die Fertigungskapazität schnell hochzufahren. Die Bauzeit erstreckte sich insgesamt von 1947 bis 1956.
Technik im Detail
Der Centurion Mark 3 wird von einem Rolls-Royce Meteor Mk IVB angetrieben, einem wassergekühlten Zwölfzylinder-Ottomotor mit 650 PS. Der Motor treibt über ein mechanisches Getriebe die vorn liegenden Treibräder an, eine für britische Konstruktionen dieser Zeit typische Anordnung mit Frontantrieb.
Das Laufwerk folgt dem klassischen Kettenlaufwerk-Prinzip mit mehreren Laufrollen je Seite, die die Gleisketten führen und das Fahrzeuggewicht auf den Untergrund verteilen. Gefedert sind die Laufrollen einzeln über eine Drehstabfederung, bei der ein im Wannenboden quer verlaufender Torsionsstab die Stoßenergie aufnimmt und dabei deutlich weniger Bauraum beansprucht als ältere Blattfeder- oder Schraubenfederkonstruktionen. Diese Bauweise war beim Centurion keine Neuheit mehr, saß aber solide und erwies sich als wartungsarm im Feldbetrieb.
Konstruktiv fällt beim Centurion die für seine Zeit ungewöhnlich ausgewogene Kombination aus Beweglichkeit, Feuerkraft und Panzerschutz auf, die ihn von den stärker spezialisierten Kriegskonstruktionen unterschied. Die Wanne und der Turm waren aus gewalzten Stahlplatten geschweißt beziehungsweise gegossen, eine Bauweise, die sich gegenüber genieteten Konstruktionen der Vorkriegszeit durchgesetzt hatte. Die Besatzung von vier Personen teilte sich auf Fahrer, Richtschütze, Ladeschütze und Kommandant auf.
Varianten
Der Centurion wurde über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren immer wieder überarbeitet und lief am Ende in 13 Marks vom Band. Die wichtigste Entwicklungslinie betrifft die Hauptbewaffnung:
- Mark 1 und Mark 2: 17-Pfünder-Kanone, die noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammte.
- Mark 3 und Mark 4: 20-Pfünder-Kanone (83,4 mm), die deutlich verbesserte Feuerkraft bot.
- Ab Mark 5/2: 105-mm-Kanone L7, die bewaffnungsseitig den größten Sprung der gesamten Baureihe markierte und später auch in andere NATO-Panzer übernommen wurde.
Neben den Kampfversionen entstanden zahlreiche Spezialfahrzeuge auf dem Centurion-Fahrgestell, darunter Bergepanzer sowie Brücken- und Räumfahrzeuge. Diese Weiterentwicklungen über die gesamte Bauzeit hinweg gelten als frühes Beispiel für eine systematische Kampfwertsteigerung einer laufenden Fahrzeugbaureihe, statt jede Verbesserung in eine komplette Neukonstruktion zu stecken. Als Vorgänger im britischen Kreuzerpanzer-Programm nennt eine Quelle den Cromwell, eine gesicherte Herkunftslinie lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Einsatz und Verbreitung
Der Centurion diente zunächst bei der britischen Armee, wurde aber rasch auch von anderen Streitkräften übernommen. Ab Februar 1952 erhielt Australien erste Fahrzeuge, die beim 1st Armoured Regiment eingeführt wurden. Von dort aus kamen australische Centurions ab 1968 im Vietnamkrieg zum Einsatz, unter anderem in der Provinz Phuoc Tuy; bis 1971 waren dort zeitweise alle drei Panzerschwadronen des Regiments stationiert.
Über die genannten Länder hinaus wurde der Centurion nach vorliegenden Angaben unter anderem auch von Kanada, Dänemark, Indien, Israel, Jordanien, den Niederlanden, Neuseeland, Schweden, der Schweiz und Südafrika genutzt, mit unterschiedlichen Ausrüstungsständen und über stark unterschiedliche Zeiträume. Eine Quelle ordnet den Centurion insgesamt der Epoche des Kalten Krieges zu, in der ein Großteil dieser Exportgeschäfte stattfand.
In der britischen Armee wurde der Centurion ab Mitte der 1960er-Jahre schrittweise vom Chieftain als Nachfolger abgelöst. Der genaue Zeitpunkt der Außerdienststellung unterschied sich von Staat zu Staat erheblich, in einigen Streitkräften blieb der Centurion, teils in modifizierter Form, noch deutlich länger im Dienst.
Verbleib heute
Im aktiven Truppendienst westlicher Streitkräfte steht der Centurion nicht mehr. Erhalten sind zahlreiche Exemplare in Museen. Das britische Tank Museum in Bovington zeigt mehrere Ausführungen, darunter Mark 1, Mark 3, Mark 12 und Mark 13 sowie ein aufgeschnittenes Fahrzeug für Schulungszwecke. Auch das Deutsche Panzermuseum in Munster führt einen Centurion in seiner Sammlung, dort im Vergleich zu deutschen und anderen internationalen Nachkriegskonstruktionen.
Einzelne umgebaute Fahrzeuge, etwa Bergepanzer- und Brückenlegervarianten auf Centurion-Basis, blieben in einigen Streitkräften noch länger im technischen Dienst als die reinen Kampfversionen.
Kann man einen Centurion selbst fahren?
Nein, ein Centurion steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Einen Überblick über die Modelle, die aktuell auf deutschen Strecken befahren werden können, bietet die Fahrzeugübersicht. Dort lässt sich prüfen, welche Nachkriegskonstruktionen mit vergleichbarer Technik, etwa ähnlichem Laufwerk oder ähnlicher Motorisierung, derzeit fahrbar sind.
Verwandte Fahrzeuge
Technisch und historisch am engsten verwandt ist der Challenger 3, der über mehrere Zwischenschritte auf die britische Kampfpanzerlinie zurückgeht, die mit dem Centurion begann. Als direkter Nachfolger in der britischen Armee gilt der Chieftain, für den auf dieser Seite jedoch kein eigener Eintrag verlinkt werden kann.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Centurion?
Für den Centurion Mark 3 liegt kein gesicherter Einzelwert vor. Die Angaben zum Gefechtsgewicht schwanken je nach Quelle zwischen rund 49,5 und 51,8 Tonnen. Ein eindeutiger Grund für diese Spanne, etwa unterschiedliche Beladungszustände, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten.
Wie schnell fährt ein Centurion?
Der Centurion Mark 3 erreicht laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 34,6 km/h auf der Straße. Angetrieben wird er von einem Rolls-Royce Meteor Mk IVB mit 650 PS, einem wassergekühlten Zwölfzylinder-Ottomotor. Die Reichweite liegt bei 190 km, bevor nachgetankt werden muss.
Wie viele Centurion wurden gebaut?
Zwischen 1947 und 1956 entstanden insgesamt 2.833 Fahrzeuge. Gebaut wurde bei mehreren Herstellern parallel, darunter Leyland Motors, die Royal Ordnance Factories in Leeds und Woolwich sowie das Vickers-Armstrongs-Werk in Elswick. Diese Verteilung auf mehrere Werke war für die britische Rüstungsindustrie der Nachkriegszeit typisch.
Welche Kanone hatte der Centurion Mark 3?
Der Mark 3 trug eine 83,4-mm-Zugrohrkanone, bekannt als 20-Pfünder Mk I. Spätere Marks erhielten teils andere Kanonen: Die frühen Mark 1 und 2 hatten noch die 17-Pfünder-Kanone, ab Mark 5/2 kam die 105-mm-Kanone L7 zum Einsatz.
Kann man einen Centurion selbst fahren?
Nein, in Deutschland steht aktuell kein Centurion zum Selbstfahren zur Verfügung. Eine Übersicht der derzeit fahrbaren Modelle findet sich in der Fahrzeugübersicht, dort lassen sich auch Nachkriegskonstruktionen mit vergleichbarem Laufwerk oder ähnlicher Motorisierung nachschlagen, bevor eine Fahrt gebucht wird.
Wo steht heute ein Centurion?
Erhaltene Fahrzeuge stehen unter anderem im Tank Museum im britischen Bovington, wo mehrere Marks gezeigt werden, sowie im Deutschen Panzermuseum in Munster. Beide Häuser zeigen den Centurion im Zusammenhang mit weiteren Nachkriegskonstruktionen aus unterschiedlichen Ländern und Epochen der Panzerentwicklung.
Wer war der Nachfolger des Centurion?
In der britischen Armee löste der Chieftain den Centurion ab Mitte der 1960er-Jahre schrittweise ab. In einigen anderen Streitkräften blieb der Centurion dagegen, teils in modifizierter Form, noch deutlich länger im Dienst als in Großbritannien selbst, teilweise über Jahrzehnte hinweg.