
Der ASCOD ist ein Schützenpanzer, den Österreich und Spanien Ende der 1980er Jahre gemeinsam entwickelten. Der Name steht für Austrian Spanish Cooperation Development und bezeichnet damit ein Konstruktionsprogramm, nicht ein einzelnes Fahrzeug. Aus ihm gingen zwei eigenständig benannte Landesversionen hervor: der österreichische Ulan und der spanische Pizarro. Dazu kommen die Weiterentwicklung ASCOD 2 und der britische Ajax, ein auf gemeinsamer Grundlage entstandenes, aber eigenständiges und deutlich schwereres Fahrzeug. Beschrieben wird hier ausschließlich der Ulan, die Version des österreichischen Bundesheers. Das Bundesheer beschaffte 112 Fahrzeuge dieses Typs als Nachfolger des in den 1960er Jahren eingeführten Schützenpanzers Saurer aus der 4K-4FA-Familie. Kennzeichnend am ASCOD ist die modulare Bauweise: Wanne und Panzerung ließen sich unabhängig von der Bewaffnung anpassen, was die parallele Entwicklung mehrerer Länderversionen auf gemeinsamer Basis erst ermöglichte.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schützenpanzer (Infanterie-Kampffahrzeug) |
| Herkunftsland | Österreich |
| Hersteller | Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug AG (SSF) |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | 112 |
| Gefechtsgewicht | 28 t |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | 3,15 m |
| Höhe | 2,65 m |
| Motor | keine Angabe |
| Leistung | 720 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 70 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 11 |
| Hauptbewaffnung | 30-mm-Maschinenkanone MK 30-2 |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Die Werte für Breite, Höhe und Höchstgeschwindigkeit gelten ausdrücklich für den Ulan. Die englischsprachige Wikipedia führt in ihrer Infobox teils ungetrennte Sammelwerte für Pizarro und Ulan gemeinsam, unter anderem eine Breite von 3,64 Metern. Diese Sammelwerte weichen erkennbar von den österreichischen Angaben ab und wurden nicht verwendet.
Entwicklungsgeschichte
Das österreichische Bundesheer suchte in den 1980er Jahren einen Nachfolger für den Schützenpanzer Saurer, der zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahrzehnte im Dienst stand und den gestiegenen Anforderungen an Schutz und Beweglichkeit nicht mehr genügte. Zur selben Zeit stand die spanische Armee vor einer vergleichbaren Beschaffungsentscheidung. Beide Länder einigten sich auf eine gemeinsame Entwicklung, an der auf österreichischer Seite Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug AG (SSF) und auf spanischer Seite Santa Bárbara Sistemas beteiligt waren. Aus diesem Programm entstand die Fahrzeugfamilie ASCOD, aus der jedes Land eine eigene, an seine Anforderungen angepasste Version ableitete.
Für Österreich fiel die Beschaffungsentscheidung mit einem Vertrag vom 7. Mai 1999 über 112 Fahrzeuge. Das Bundesheer führte seine Version unter der eigenen Bezeichnung Ulan. Gefertigt wurden die Fahrzeuge bei SSF, dem heutigen GDELS-Steyr.
Zum Zeitraum der Auslieferung an die Truppe weichen die Quellen voneinander ab. Das Bundesministerium für Landesverteidigung sowie mehrere Fachmedien nennen übereinstimmend die Jahre 2002 bis 2004. Die deutschsprachige Wikipedia und das Austria-Forum nennen dagegen einen Zeitraum von 2001 bis 2005. Woher die Differenz stammt, lässt sich aus den verfügbaren Angaben nicht klären, denkbar wäre ein unterschiedlicher Bezug auf Vertragsbeginn, erste Truppenübergabe oder vollständigen Abschluss der Lieferung. Das Datenblatt zeigt deshalb für die Bauzeit keine Angabe, im Text bleibt die Spanne dokumentiert.
Mit dem Ulan ersetzte das Bundesheer ein Fahrzeug, das in Schutz und Beweglichkeit nicht mehr mit zeitgemäßen Schützenpanzern mithalten konnte, durch eine Konstruktion mit stärkerer Panzerung und höherer Beweglichkeit im Gelände.
Technik im Detail
Der Ulan läuft auf einem Kettenlaufwerk mit mehreren Laufrollen je Seite, einem hinten liegenden Treibrad und einer Gleiskette aus Stahlgliedern. Die Laufrollen sind einzeln über eine Drehstabfederung aufgehängt, die Stöße aus dem Gelände über tordierte Stahlstäbe im Wanneninneren aufnimmt, statt außenliegende Federelemente zu benötigen. Das ergibt einen ruhigeren Lauf im unwegsamen Gelände als bei Konstruktionen mit einfacherer Federung.
Zum Antrieb liegt nur eine Quelle vor: Sie nennt einen MTU 8V199 TE22, einen V8-Dieselmotor, als Triebwerk des Ulan. Die Leistung von 720 PS ist dagegen breiter belegt und steht deshalb im Datenblatt. Eine zweite, unabhängige Quelle zum genauen Motortyp liegt nicht vor, weshalb das Feld Motor als keine Angabe geführt wird.
Bei der Panzerung verhält es sich ähnlich. Eine Quelle beschreibt eine Kombination aus konventionellem Panzerstahl und einer modular ansetzbaren Verbundpanzerung des Typs MEXAS. Modular bedeutet hier, dass sich einzelne Panzerungspakete je nach Einsatzanforderung ergänzen oder austauschen lassen, ohne die Grundwanne selbst zu verändern. Auch dazu fehlt eine zweite unabhängige Bestätigung, weshalb das Datenblatt hier keine Angabe zeigt.
Die Hauptbewaffnung besteht aus einer 30-mm-Maschinenkanone des Typs MK 30-2 in einem drehbaren Turm, der über der Wanne mittig versetzt angeordnet ist. Dahinter liegt der Mannschaftsraum für die abgesessen kämpfende Infanteriegruppe. Insgesamt bietet der Ulan Platz für eine Besatzung von 11 Personen, verteilt auf Fahrzeugbesatzung und mitgeführte Infanterie.
Varianten
Aus dem gemeinsamen ASCOD-Programm gingen mehrere eigenständige Versionen hervor:
- Ulan: die österreichische Version, 112 Fahrzeuge für das Bundesheer, gefertigt bei SSF beziehungsweise dem heutigen GDELS-Steyr.
- Pizarro: die spanische Version, gefertigt von Santa Bárbara Sistemas. Eine Quelle nennt für den Pizarro ein Gefechtsgewicht von 26,3 Tonnen und liegt damit unter dem Wert des Ulan.
- ASCOD 2: eine Weiterentwicklung mit stärkerem Triebwerk. Eine Quelle nennt dafür ein Aggregat vom Typ MTU 8V-199-TE21 mit 600 Kilowatt beziehungsweise 816 PS. Diese Version wurde vor allem für den Export angeboten und diente mehreren Nutzerstaaten als Grundlage für spätere Kampfwertsteigerungen.
- Ajax: die britische Version, auf gemeinsamer Grundlage mit dem ASCOD-Programm entwickelt, aber ein eigenständiges, deutlich schwereres Fahrzeug mit eigenem Namen und eigenem Beschaffungsprogramm.
Innerhalb des Bundesheers selbst sind keine unterschiedlichen Ulan-Baulose oder Kampfwertsteigerungen mit eigenem Namen dokumentiert. Die 112 beschafften Fahrzeuge bilden eine einheitliche Flotte.
Einsatz und Verbreitung
Einziger dokumentierter Nutzer des Ulan ist das österreichische Bundesheer. Der Beschaffungsvertrag über 112 Fahrzeuge datiert vom 7. Mai 1999, die Auslieferung an die Truppe erfolgte je nach Quelle zwischen 2002 und 2004 oder zwischen 2001 und 2005.
Der Ulan ersetzte im Bundesheer den Schützenpanzer Saurer der 4K-4FA-Familie, der zuvor über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der österreichischen Jägertruppe gewesen war. Als Schützenpanzer transportiert der Ulan eine abgesessen kämpfende Infanteriegruppe zusammen mit seiner Fahrzeugbesatzung und unterstützt sie dabei mit der turmgestützten Maschinenkanone.
Zu Auslandseinsätzen des Ulan liegen keine belastbaren Angaben vor. Ebenso liegen keine verlässlichen Zahlen zu Export oder Weiterverkauf von Bundesheer-Fahrzeugen vor.
Die spanische Schwesterversion Pizarro und die britische Weiterentwicklung Ajax stehen bei ihren jeweiligen Streitkräften im Dienst, sind aber technisch und organisatorisch von der österreichischen Beschaffung getrennt zu betrachten. Sie teilen mit dem Ulan die gemeinsame Konstruktionsbasis, nicht aber Stückzahlen, Ausstattung oder Beschaffungsgeschichte.
Verbleib heute
Der Ulan steht weiterhin im aktiven Dienst des österreichischen Bundesheers. Zu einer Ausmusterung oder einem konkreten Nachfolgeprojekt liegen keine Angaben vor.
Zu Museumsexemplaren oder bereits ausgemusterten Einzelfahrzeugen des Ulan liegen keine belegten Standortangaben vor. Genannt werden deshalb bewusst keine konkreten Museen oder Sammlungen, um keine unbelegte Angabe zu verbreiten. Eine Übersicht der in dieser Datenbank geführten Schützenpanzer und Kampfpanzer bietet die Fahrzeugübersicht.
Kann man einen ASCOD selbst fahren?
Nein, der Ulan steht in Deutschland nach aktuellem Stand nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als aktives Wehrmaterial des österreichischen Bundesheers ist er für den zivilen Fahrbetrieb nicht freigegeben, anders als ausgemusterte historische Kettenfahrzeuge, die bei einigen Anbietern zum Selbstfahren stehen. Wer ein modernes Kettenfahrzeug mit vergleichbarem Laufwerk fahren möchte, findet eine Übersicht der tatsächlich fahrbaren Modelle im Fahrzeugkatalog.
Verwandte Fahrzeuge
Technisch und historisch mit dem Ulan verbunden sind vor allem seine beiden Schwesterversionen aus demselben Entwicklungsprogramm, der spanische Pizarro und die Weiterentwicklung ASCOD 2, sowie der britische Ajax, der auf gemeinsamer Grundlage entstand, aber ein eigenständiges Fahrzeug ist. Im Bundesheer selbst löste der Ulan den Schützenpanzer Saurer der 4K-4FA-Familie ab. Eine vollständige Übersicht aller in dieser Datenbank geführten Fahrzeuge bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein ASCOD (Ulan)?
Das Gefechtsgewicht des österreichischen Ulan liegt bei 28 Tonnen. Dieser Wert gilt ausdrücklich für die Bundesheer-Version. Andere Länderversionen des ASCOD-Programms weichen davon ab: Eine Quelle nennt für den spanischen Pizarro ein geringeres Gefechtsgewicht von 26,3 Tonnen, weil beide Länder ihre Version unterschiedlich ausstatteten.
Wie schnell fährt der Ulan?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Datenblatt bei 70 km/h. Dieser Wert stammt aus einer Quelle, die ihn ausdrücklich der österreichischen Ulan-Version zuordnet. Bei anderen Werten wie Länge, Breite und Höhe vermischen manche Quellen Angaben verschiedener ASCOD-Länderversionen, ohne das kenntlich zu machen, deshalb wurden dort nur eindeutig zugeordnete Werte übernommen.
Wie viele Ulan wurden gebaut?
Das österreichische Bundesheer beschaffte 112 Fahrzeuge dieses Typs, festgelegt in einem Vertrag vom 7. Mai 1999. Die Zahl bezieht sich ausschließlich auf die Ulan-Version für Österreich, nicht auf die Gesamtstückzahl aller ASCOD-Länderversionen einschließlich Pizarro, ASCOD 2 und Ajax zusammengerechnet.
Kann man einen ASCOD selbst fahren?
Nein. Der Ulan ist aktives Wehrmaterial des österreichischen Bundesheers und für den zivilen Fahrbetrieb nicht freigegeben. Das unterscheidet ihn von ausgemusterten historischen Kettenfahrzeugen, die bei manchen Anbietern selbst gefahren werden können. Eine Übersicht der tatsächlich fahrbaren Modelle steht im Fahrzeugkatalog dieser Seite.
Was bedeutet die Bezeichnung ASCOD?
ASCOD steht für Austrian Spanish Cooperation Development und bezeichnet ein gemeinsames österreichisch-spanisches Entwicklungsprogramm, nicht ein einzelnes Fahrzeug. Aus ihm gingen der österreichische Ulan, der spanische Pizarro und die Weiterentwicklung ASCOD 2 hervor. Der britische Ajax nutzt dieselbe Grundlage, ist aber ein eigenständiges Fahrzeug mit eigenem Namen.
Wie ist der Ulan bewaffnet?
Die Hauptbewaffnung des Ulan ist eine 30-mm-Maschinenkanone des Typs MK 30-2, montiert in einem drehbaren Turm über der Wanne. Die Bewaffnung wird hier nur als Typangabe beschrieben. Angaben zu Munitionswirkung, Zielverfahren oder Durchschlagsleistung sind nicht Gegenstand dieser Darstellung.
Welche Besatzung hat der Ulan?
Der Ulan bietet Platz für insgesamt 11 Personen. Dazu zählen die Fahrzeugbesatzung im Turm und in der Wanne sowie die mitgeführte, abgesessen kämpfende Infanteriegruppe. Eine genaue Aufteilung zwischen Fahrzeugbesatzung und Infanteriegruppe ist nicht bekannt, das bleibt hier offen.
Angaben laut bundesheer.at und dem Bundesministerium für Landesverteidigung.