
Der Stryker M1126 ist ein Schützenpanzer der US-Armee auf Radfahrgestell, gebaut seit 2002 von General Dynamics Land Systems. Anders als die meisten Kampffahrzeuge dieses Portals läuft er nicht auf Ketten, sondern auf acht angetriebenen Rädern. Er geht auf das kanadische Radfahrzeug LAV III zurück, das seinerseits vom Schweizer Mowag Piranha abstammt. Als Truppentransporter bildet das M1126 die Grundausführung einer Fahrzeugfamilie, die von der Aufklärung bis zur Sanitätsversorgung reicht. In Deutschland lässt sich der Stryker aktuell nicht selbst fahren, Details dazu weiter unten.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schützenpanzer / gepanzertes Truppentransportfahrzeug (Radfahrzeug, 8×8) |
| Herkunftsland | USA/Kanada |
| Hersteller | General Dynamics Land Systems |
| Bauzeit | 2002 bis heute |
| Stückzahl | keine Angabe |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | Caterpillar C7, Dieselmotor |
| Leistung | 350 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 100 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 2 |
| Hauptbewaffnung | Ferngesteuerte Waffenstation Kongsberg Protector M151 (12,7-mm-Maschinengewehr M2 oder 40-mm-Granatmaschinenwaffe Mk 19) |
| Panzerung | Stahlwanne mit angeschraubten Keramik-Zusatzplatten (MEXAS-Verbundpanzerung) |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Diese Tabelle gilt ausdrücklich nur für die Grundausführung M1126. Der Stryker reicht in seinen Varianten von M1126 bis M1135, und Gewicht wie Aufbau weichen zwischen diesen Ausführungen erheblich voneinander ab. Die deutschsprachige Wikipedia führt ihre Maßangaben ausdrücklich als Werte für die gesamte Fahrzeugfamilie, nicht nur für das M1126. Länge, Breite und Höhe wurden deshalb hier nicht übernommen.
Auch beim Gefechtsgewicht schwanken die Quellen deutlich, zwischen 16,47 und 19 Tonnen. Zwei Quellen (ein Museumsdatenblatt und ein Ausrüstungsportal) nennen unabhängig voneinander 19 Tonnen, die englischsprachige Wikipedia 16,47 Tonnen, eine militärtechnische Datenbank 18,51 Tonnen. Ob sich der niedrigste Wert auf ein leeres statt ein gefechtsbereites Fahrzeug bezieht, lässt sich aus den Quellen nicht klären. Ähnlich uneinheitlich ist die Reichweite: Sie wird zwischen 180 und 531 Kilometern angegeben, wobei der niedrigste Wert aus einer M1126-spezifischen Quelle stammt und ein oft zitierter Wert von 500 Kilometern erneut aus der Infobox für die gesamte Fahrzeugfamilie kommt. Zur Watfähigkeit nennt lediglich eine Quelle einen konkreten Wert von 1,35 Metern ohne Vorbereitung, eine andere führt das Fahrzeug dagegen als nicht schwimmfähig. Beide Angaben stehen deshalb nicht im Datenblatt.
Entwicklungsgeschichte
Ende der 1990er-Jahre suchte die US-Armee ein Fahrzeug für eine neue Truppengattung: die Stryker Brigade Combat Teams. Diese sollten eine Lücke schließen zwischen schweren, kettengebundenen Panzerbrigaden und leichter Infanterie ohne nennenswerten eigenen Schutz. Gefordert war ein Fahrzeug, das per Transportflugzeug schnell verlegbar ist und trotzdem mehr Schutz bietet als ein ungepanzerter Lastwagen.
Im Rahmen des sogenannten Interim-Armored-Vehicle-Programms wählte die Armee im Jahr 2000 den Entwurf von General Dynamics Land Systems und General Motors Defense aus. Grundlage war das kanadische Radfahrzeug LAV III, das bei GDLS Canada in London, Ontario, gefertigt wird. Die LAV-III-Familie geht ihrerseits auf den Schweizer Mowag Piranha zurück, ein Achtrad-Konzept, das seit den 1970er-Jahren in zahlreichen Ländern in Lizenz und Weiterentwicklung gebaut wird.
Im Februar 2002 gab die Armee dem neuen Fahrzeug seinen Namen: Stryker, zu Ehren zweier Träger der Medal of Honor, die nicht miteinander verwandt waren. Private First Class Stuart S. Stryker fiel im Zweiten Weltkrieg, Specialist Robert F. Stryker im Vietnamkrieg. Beide wurden posthum ausgezeichnet.
Die ersten Fahrzeuge erreichten die Truppe kurz darauf, und bereits im November 2003 setzte die Armee die ersten Stryker-Verbände im Irak ein. Damit war die Zeitspanne zwischen Auswahlentscheidung und erstem Kampfeinsatz für ein Fahrzeugprogramm dieser Größenordnung ungewöhnlich kurz. Produktion und Weiterentwicklung laufen bei General Dynamics Land Systems bis heute, unter anderem mit dem sogenannten Double-V-Hull-Rumpf für erhöhten Minenschutz.
Technik im Detail
Der auffälligste konstruktive Unterschied zu den meisten anderen Fahrzeugen dieses Portals liegt im Fahrwerk. Kettenbetriebene Kampffahrzeuge setzen üblicherweise auf ein Kettenlaufwerk mit mehreren Laufrollen je Seite, einem Treibrad zum Antrieb der umlaufenden Gleiskette und häufig einer Drehstabfederung an jeder Radstation. Der Stryker verzichtet auf all das. Acht einzeln angetriebene Räder übertragen die Kraft des Motors über Achsen und Verteilergetriebe direkt auf die Straße oder ins Gelände.
Angetrieben wird das Fahrzeug von einem Caterpillar C7, einem Sechszylinder-Dieselmotor mit 350 PS. Damit erreicht das M1126 eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf befestigter Straße, ein für ein gepanzertes Fahrzeug hoher Wert, der auf dem geringeren Rollwiderstand von Rädern gegenüber Ketten beruht. Das Radkonzept erlaubt zudem eine höhere Reisegeschwindigkeit über lange Strecken bei geringerem Verschleiß und niedrigerem Kraftstoffverbrauch als ein vergleichbar schweres Kettenfahrzeug.
Beim Schutz setzt der Stryker auf eine Grundwanne aus hochfestem Stahl, die sich mit angeschraubten Keramik-Zusatzplatten des Typs MEXAS zu einer Verbundpanzerung ergänzen lässt. Diese Bauweise erlaubt es, den Schutzgrad je nach Einsatzszenario anzupassen, ohne die Grundkonstruktion zu verändern. Bewaffnet ist die Standardausführung mit einer ferngesteuerten Waffenstation des Typs Kongsberg Protector M151, die von der Besatzung aus dem geschützten Fahrzeuginneren bedient wird, ohne dass jemand die Wanne verlassen muss.
Varianten
Aus dem M1126 als Truppentransporter entwickelte General Dynamics Land Systems eine ganze Fahrzeugfamilie mit gemeinsamem Fahrgestell:
- M1127: Aufklärungsfahrzeug mit erweiterter Sensorik
- M1128: Fahrzeug mit einer Kanone zur direkten Feuerunterstützung
- M1129: Träger für einen Mörser
- M1130: Führungs- und Kommandofahrzeug
- M1131: Fahrzeug zur Koordination indirekten Feuers
- M1132: Pionierfahrzeug
- M1133: Sanitätsfahrzeug
- M1134: Fahrzeug zur Panzerabwehr
- M1135: Aufklärungsfahrzeug für ABC-Gefahren
Dazu kommt eine grundlegende Kampfwertsteigerung der gesamten Familie unter der Bezeichnung Stryker A1. Sie bringt unter anderem den erwähnten Double-V-Hull-Rumpf, eine überarbeitete Elektronik und ein höheres zulässiges Gesamtgewicht mit sich. Die neun Grundvarianten bleiben dabei technisch verwandt, unterscheiden sich aber in Aufbau, Bewaffnung und Gewicht so stark, dass allgemeine Datenblattangaben zur Familie kaum belastbar sind, ein Grund für die vielen strittigen Werte in der Tabelle oben.
Einsatz und Verbreitung
Der Stryker ist bis heute in erster Linie ein Fahrzeug der US-Armee, die ihn seit 2003 durchgehend im Bestand hat. Erste Verbände erreichten den Irak im November 2003. Die 172. Stryker Brigade Combat Team verlegte 2005 nach Mosul im Norden des Landes, die Brigade wurde 2006 zusätzlich in Bagdad eingesetzt. Insgesamt kamen im Verlauf des Irakkriegs mehrere Stryker-Brigaden zum Einsatz, teils in mehreren Rotationen.
Ab 2009 folgten Verlegungen nach Afghanistan, darunter die 5. Stryker Brigade Combat Team im Februar 2009 und die 1. Brigade ab Mai 2011 in der Provinz Kandahar. Über beide Einsatzgebiete hinweg diente der Stryker vor allem dem schnellen Verlegen von Infanterie über größere Distanzen bei gleichzeitigem Grundschutz der Besatzung, wie es die US Army zum zwanzigsten Jahrestag der ersten Verlegung selbst rückblickend beschreibt.
Über die US-Armee hinaus ist der Stryker als eigenständiges Fahrzeug kaum verbreitet, anders als seine kanadische Basis LAV III, die in mehreren Ländern im Einsatz steht. Der Stryker bleibt damit im Kern ein US-amerikanisches Fahrzeugprogramm.
Verbleib heute
Der Stryker M1126 ist kein historisches Fahrzeug, sondern weiterhin aktiv im Dienst der US-Armee und wird laufend modernisiert. Produktion und Umrüstung auf die Stryker-A1-Konfiguration laufen bei General Dynamics Land Systems bis in die Gegenwart.
Ein Ausstellungsstück findet sich am Lewis Army Museum auf der Joint Base Lewis-McChord im Bundesstaat Washington, dem historischen Standort der ersten Stryker Brigade Combat Teams. Museal aufgearbeitet ist der Stryker damit bislang eine Ausnahme, die meisten Fahrzeuge stehen weiterhin im aktiven Bestand von Kampfverbänden.
Kann man einen Stryker M1126 selbst fahren?
Nein. Der Stryker M1126 steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als aktives US-Militärfahrzeug im Radkonzept unterscheidet er sich technisch deutlich von den kettenbetriebenen Fahrzeugen, die deutsche Anbieter im Programm haben, ein direkt vergleichbares 8×8-Radfahrzeug ist dort aktuell nicht gelistet. Eine Übersicht aller Fahrzeuge, die sich in Deutschland tatsächlich selbst fahren lassen, finden Sie in der Fahrzeugübersicht.
Verwandte Fahrzeuge
Der Stryker gehört zur weitverzweigten Familie der Radschützenpanzer, die auf dem Schweizer Mowag-Piranha-Konzept aufbaut. Zu dieser Verwandtschaft zählen der Piranha selbst als Ursprungskonstruktion sowie das kanadische Aufklärungsfahrzeug LAV-25, das auf einer früheren Piranha-Generation basiert als das für den Stryker verwendete LAV III. Einen Überblick über alle auf diesem Portal erfassten Fahrzeuge bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schnell fährt ein Stryker M1126?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h auf befestigter Straße. Erreicht wird dieser Wert durch den Caterpillar-C7-Dieselmotor mit 350 PS in Verbindung mit dem geringeren Rollwiderstand des Radfahrwerks gegenüber einem Kettenfahrzeug.
Wie schwer ist ein Stryker M1126?
Eine gesicherte Zahl gibt es nicht. Die Quellen nennen zwischen 16,47 und 19 Tonnen Gefechtsgewicht, teils vermutlich abhängig davon, ob ein leeres oder ein voll beladenes Fahrzeug gemeint ist. Im Datenblatt steht deshalb keine Angabe.
Welchen Motor hat der Stryker M1126?
Verbaut ist ein Caterpillar C7, ein Sechszylinder-Dieselmotor mit 350 PS. Er treibt alle acht Räder über Achsen und Verteilergetriebe an.
Wie viele Personen gehören zur Besatzung?
Die Fahrzeugbesatzung des M1126 besteht aus zwei Personen. Weitere Angaben zur Zahl mitgeführter Soldaten liegen nicht vor.
Kann man einen Stryker selbst fahren?
Nein, aktuell bietet kein deutscher Anbieter das Fahrzeug zum Selbstfahren an. Eine Übersicht der tatsächlich verfügbaren Fahrzeuge finden Sie in der Fahrzeugübersicht.
Welche Varianten gibt es vom Stryker?
Aus dem M1126 als Truppentransporter entstanden acht weitere Ausführungen von M1127 bis M1135, unter anderem für Aufklärung, Feuerunterstützung, Führung, Pionieraufgaben und Sanitätsversorgung. Alle teilen dasselbe Fahrgestell.
Auf welchem Fahrzeug basiert der Stryker?
Der Stryker basiert auf dem kanadischen LAV III, das GDLS Canada in London, Ontario, fertigt. Das LAV III wiederum geht auf den Schweizer Mowag Piranha zurück, ein Achtrad-Konzept, das seit den 1970er-Jahren in vielen Ländern weiterentwickelt wurde.