Der Richtschütze ist die Besatzungsposition im Turm eines Kampfpanzers, die von ihrem Sitz aus Turmdrehung und Rohrhöhe über eigene Bedienelemente steuert. Er sitzt unmittelbar neben dem Kommandanten und arbeitet mit ihm sowie, sofern die Besatzung einen eigenen Ladeschützen vorsieht, mit diesem als eingespieltes Team im engen Turminnenraum.
Richtschütze im Detail
Der Arbeitsplatz liegt im Turm, in den meisten Konstruktionen auf der dem Ladeschützen gegenüberliegenden Seite und unmittelbar neben dem Kommandanten. Vor dem Richtschützen befindet sich die Optik, üblicherweise eine Kombination aus Haupt- und Nebensichtgerät, über die er den Bereich vor dem Fahrzeug einsieht, ohne selbst durch eine Luke schauen zu müssen. Zur Bedienung dient ein doppelter Griff, mit dem sich der Turm schwenken und das Rohr in der Höhe verstellen lässt. Beim Leopard 2 beschreibt die Bundeswehr diesen Griff als „joystickartigen Richtgriff“ mit Auslöser am Griff selbst.
Rechts und links des Sitzes sind Schaltkästen, Kabelstränge und Munitionsbehälter untergebracht, sodass für Armbewegungen wenig freier Raum bleibt. Der Sitz ist meist höhenverstellbar: Bei geschlossener Luke fährt er tief im Turm, bei geöffneter Luke lässt er sich anheben. Kommandant und Richtschütze sitzen im selben Turmabschnitt und sind über die Bordsprechanlage ständig verbunden, was kurze Ansagen ohne Blickkontakt erlaubt, weil beide in unterschiedliche Optiken schauen. Der Ladeschütze, wo vorhanden, sitzt gegenüber; sein Arbeitsbereich überschneidet sich räumlich mit dem des Richtschützen, sodass abgestimmte Handgriffe nötig sind, um sich beim Nachladen nicht gegenseitig zu behindern. In manchen Streitkräften ist der Richtschütze zusätzlich dafür ausgebildet, den Kommandanten bei dessen Ausfall zu vertreten.
Bedeutung beim Panzerfahren
Auf Erlebnisgeländen ist der Platz des Richtschützen nicht besetzt. Die dort eingesetzten Fahrzeuge sind entmilitarisiert: Kanone, Feuerleitanlage und Zieloptik sind ausgebaut oder dauerhaft funktionsunfähig gemacht. Wer bei einer Fahrt mit in den Turm darf, sitzt in der Regel auf dem Kommandantenplatz und blickt durch die geöffnete Luke nach draußen. Der eigentliche Richtschützensitz mit seinen Bedienelementen bleibt dabei ungenutzt oder ist komplett ausgebaut.
Die Enge des Turms lässt sich trotzdem nachvollziehen, sobald man selbst hineinsteigt: Beinfreiheit und Bewegungsraum sind im demilitarisierten Fahrzeug unverändert knapp, weil sich am Rohbau des Turms nichts geändert hat. Wer verstehen will, wie drei Menschen dort dauerhaft zusammenarbeiten, spürt es eher am eigenen Körper als an einer Erklärung.
Verwandte Begriffe
Die Position des Richtschützen hängt eng mit der Turmmechanik und dem Munitionsablauf zusammen:
- Kommandantenkuppel: Aussichts- und Bedienplatz des Kommandanten, direkt neben dem Richtschützen.
- Turmkorb: Die drehende Plattform, auf der Sitz und Bedienelemente des Richtschützen befestigt sind.
- Turmschwenkwerk: Der Antrieb, den der Richtschütze über seinen Griff steuert.
- Kanonenrichtantrieb: Die Mechanik zur Höhenverstellung des Rohrs.
- Ladeautomat: Ersetzt in manchen Fahrzeugen den Ladeschützen und verändert damit die Turmbesetzung.
Eine Übersicht aller Begriffe steht im Panzer-Lexikon.