Ein Sturmgeschütz ist ein vollständig gepanzertes Kettenfahrzeug ohne drehbaren Turm, dessen Kanone starr im gepanzerten Aufbau der Wanne eingebaut ist. Die Bauart wurde ab 1936 im Auftrag des Heereswaffenamts entwickelt und diente ursprünglich der unmittelbaren Feuerunterstützung der Infanterie im Gefecht.
Sturmgeschütz im Detail
Namensgebend ist die sogenannte Kasemattbauweise: Statt eines drehbaren Turms trägt das Fahrzeug einen niedrigen, stark gepanzerten Aufbau, in den die Kanone fest eingebaut ist. Seitlich lässt sich das Rohr kaum bewegen, Kurskorrekturen laufen über die Lenkung des gesamten Fahrzeugs. Im Gegenzug erlaubt der Verzicht auf Turmring und Turmdrehkranz eine niedrigere Silhouette, ein geringeres Gewicht und eine einfachere, schnellere Fertigung als bei einem turmbestückten Kampfpanzer.
Den Entwicklungsauftrag erteilte das Heereswaffenamt Mitte der 1930er-Jahre an Daimler-Benz und Krupp. Als Fahrgestell diente das des Panzerkampfwagens III. Die Wehrmacht setzte Sturmgeschütze in großer Zahl an allen Fronten des von ihr geführten Angriffskriegs ein, einschließlich des Vernichtungskriegs im Osten. Ursprünglich der Artillerie zugeordnet und für die Infanterieunterstützung gedacht, verschob sich die Rolle im weiteren Kriegsverlauf zunehmend in Richtung Panzerabwehr, ohne dass sich die Bezeichnung änderte.
Davon zu unterscheiden ist der Jagdpanzer. Beide Fahrzeugarten teilen die turmlose Bauweise, ihr Ursprung unterscheidet sich aber: Das Sturmgeschütz kam aus der Artillerie und war für die Feuerunterstützung im Verband entworfen, der Jagdpanzer aus der Panzerabwehr und entstand meist durch den Umbau vorhandener Fahrgestelle. Mit fortschreitendem Krieg verwischte die Grenze, weil Sturmgeschütze zunehmend dieselben Kanonen wie Jagdpanzer erhielten.
Als eigenständige Gattung endete das Sturmgeschütz mit dem Kriegsende 1945. Die Sturmartillerie als Truppengattung wurde mit der Wehrmacht aufgelöst. Nachkriegsstreitkräfte bauten die turmlose Bauweise in einzelnen Jagdpanzer-Konstruktionen noch einige Jahre fort, richteten ihre Panzerkonzepte aber zunehmend auf den Kampfpanzer mit rundum schwenkbarem Turm aus. Ein Fahrzeug, das seine Kanone nur durch Wenden des gesamten Rumpfs ausrichten kann, ist in beweglichen Gefechtssituationen im Nachteil gegenüber einem Turmfahrzeug. Mit der späteren Verbreitung lenkbarer Panzerabwehrwaffen verlor das starre Konzept endgültig seine Berechtigung, und die Kategorie Sturmgeschütz als eigene Fahrzeuggattung verschwand aus den Streitkräften.
Bedeutung beim Panzerfahren
Wer ein turmloses Fahrzeug fährt, bemerkt den Unterschied zu einem Kampfpanzer sofort in der Lenkung. Jede Kursänderung der Kanone bedeutet eine Kursänderung des ganzen Fahrzeugs, weil kein Turm zum seitlichen Ausgleich vorhanden ist. Am Fahrzeug selbst zeigt sich die Kasemattbauweise am flachen, geschlossenen Aufbau ohne erkennbaren Turmspalt und ohne Turmdrehkranz zwischen Wanne und Aufbau.
Verwandte Begriffe
- Turmdrehkranz: der Ring, den ein Sturmgeschütz gerade nicht besitzt.
- Turmschwenkwerk: der Antrieb, den turmbestückte Kampfpanzer anstelle der starren Kasematte nutzen.
- Turmkorb: die Besatzungsplattform im Turm eines Kampfpanzers.
- Kanonenrichtantrieb: steuert bei Turmfahrzeugen die Ausrichtung der Kanone.
- Höhenrichtbereich: der Bereich, in dem sich das Rohr trotz starrer Lafette in der Höhe noch bewegen lässt.
Weitere Begriffe rund um Panzertechnik im Lexikon.
Historischer Kontext und Einordnung des Fahrzeugtyps, auch anhand eines aktuellen Fundstücks: Deutsches Panzermuseum Munster über den Bodenfund eines Sturmgeschütz III.