AMX-30

AMX-30 Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: davric, Lizenz Public domain, via Wikimedia Commons

Der AMX-30 ist der französische Kampfpanzer der Nachkriegszeit, entstanden aus dem gescheiterten Versuch, gemeinsam mit der Bundesrepublik einen europäischen Standardpanzer zu bauen. Er löste den amerikanischen M47 Patton in der französischen Armee ab und blieb bis zur Einführung des Leclerc deren Hauptkampfpanzer. Parallel zum Kettenfahrzeug AMX-30 setzte Frankreich mit dem radbasierten AMX-10 RC auf ein eigenständiges Aufklärungsfahrzeug einer anderen Fahrzeugklasse. In Deutschland lässt sich der AMX-30 aktuell nicht selbst fahren, welche Alternative der Fahrzeugkatalog bietet, erklärt der Abschnitt weiter unten.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Kampfpanzer
Herkunftsland Frankreich
Hersteller Atelier de Construction d’Issy-les-Moulineaux (Entwurf), Serienfertigung Atelier de Construction de Roanne, später GIAT Industries
Bauzeit keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Stückzahl keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Gefechtsgewicht 36 t
Länge 6,59 m
Breite 3,10 m
Höhe keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Motor Hispano-Suiza HS-110, wassergekühlter Zwölfzylinder-Mehrstoffmotor
Leistung keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Höchstgeschwindigkeit keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Reichweite keine Angabe (Angaben widersprüchlich, siehe Text)
Besatzung 4
Hauptbewaffnung 105-mm-Kanone CN 105 F1 (gezogenes Rohr)
Panzerung Geschweißte Wanne, einteilig gegossener Turm aus gewalztem Stahl
Watfähigkeit keine Angabe (nur eine Quelle, siehe Text)

Die Werte in dieser Tabelle gelten für die Grundversion AMX-30 und AMX-30 B. Für den AMX-30 B2 mit seiner anderen Feuerleitanlage sind sie nicht ohne Weiteres übertragbar, siehe Abschnitt Varianten.

Entwicklungsgeschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren die westeuropäischen NATO-Partner überwiegend den amerikanischen M47 Patton. Ab 1956 verständigten sich Frankreich und die Bundesrepublik darauf, gemeinsam einen europäischen Standardpanzer zu entwickeln, später kam Italien hinzu. Ein Pflichtenheft entstand 1957, die endgültigen technischen Eckwerte wurden erst 1961 festgelegt, weil sich die Vorstellungen der beteiligten Länder zu Gewicht, Bewaffnung und Schutz unterschieden.

1963 zerbrach die Zusammenarbeit. Die Bundesrepublik führte ihr eigenes Projekt fort und benannte den daraus entstehenden Panzer laut Bundeswehr am 1. Oktober 1963 offiziell Leopard, Kraus-Maffei übernahm die Serienfertigung. Frankreich setzte parallel seine eigene Entwicklung fort, ohne die Bundesrepublik. Die Grundversion AMX-30 A erreichte im November 1965 die Serienreife, die überarbeitete Ausführung AMX-30 B folgte ab Juni 1966 und wurde zur eigentlichen Standardversion der französischen Armee.

Diese Vorgeschichte erklärt einen Teil der widersprüchlichen Angaben zur Bauzeit. Eine Quelle, die offizielle Historie des französischen Verteidigungsministeriums, nennt den Zeitraum 1966 bis 1982 und meint damit ausdrücklich nur die Grundversion AMX-30 und AMX-30 B, bis diese vom AMX-30 B2 im Truppendienst abgelöst wurde. Eine englischsprachige Wikipedia-Angabe nennt dagegen 1966 bis 1994 und rechnet damit die gesamte Produktion aller Varianten und Derivate mit ein. Beide Zahlen können richtig sein, sie beziehen sich nur auf unterschiedliche Fahrzeugkreise.

Als direkter Vorgänger gilt der amerikanische M47 Patton, den der AMX-30 in der französischen Armee vollständig ersetzte. Als Nachfolger folgte ab den 1990er-Jahren der Leclerc, eine vollständige Neuentwicklung mit anderer Turmkonstruktion und Antrieb.

Technik im Detail

Angetrieben wird der AMX-30 von einem Hispano-Suiza HS-110, einem wassergekühlten Zwölfzylinder-Vielstoffmotor. Ein Vielstoffmotor verbrennt neben Diesel auch andere Kraftstoffe, was die Logistik im Feldbetrieb vereinfachen soll. Zur Motorleistung liegen drei unterschiedliche Angaben vor: 680 PS laut deutscher Wikipedia, 710 PS ausdrücklich für den AMX-30 B laut französischer Wikipedia-Infobox, und 720 PS laut einer technischen Datenblattsammlung. Die Spanne von 40 PS zwischen den Angaben lässt sich nicht eindeutig auf eine Ursache zurückführen, teilweise deutet die explizite Nennung „B“ aber wieder auf einen Versionsunterschied hin.

Bei der Höchstgeschwindigkeit trägt eine Quelle zur Klärung bei: Sie unterscheidet ausdrücklich zwischen Straße mit 60 km/h und Gelände mit 50 km/h, während eine zweite Quelle einen einzelnen Wert von 65 km/h ohne weitere Angabe zum Untergrund nennt. Vermutlich handelt es sich bei den 65 km/h ebenfalls um einen Straßenwert, sicher sagen lässt sich das aus den vorliegenden Quellen aber nicht.

Das Kettenlaufwerk läuft auf mehreren Laufrollen je Seite, die einzeln über eine Drehstabfederung mit der Wanne verbunden sind. Das Treibrad sitzt hinten und zieht die Gleiskette. Zur Watfähigkeit nennt eine einzelne Quelle 1,3 Meter ohne Vorbereitung, mit vollständiger Abdichtung und Schnorchel soll der Wert laut derselben Quelle bis auf 4 Meter steigen. Weil es sich um eine Einzelquelle handelt, steht dieser Wert nicht als gesicherte Angabe im Datenblatt.

Die Hauptbewaffnung ist eine 105-mm-Kanone des Typs CN 105 F1 mit gezogenem Rohr, keine Glattrohrkanone, wie sie bei späteren westlichen Kampfpanzern üblich wurde. Wanne und Turm bestehen aus gewalztem, homogenem Stahl, geschweißt beziehungsweise einteilig gegossen. Eine geschichtete Verbundpanzerung, wie sie erst spätere Konstruktionen erhielten, verbaute die Grundversion nicht.

Varianten

Aus dem AMX-30-Fahrgestell entstand über die Bauzeit eine breite Fahrzeugfamilie:

  • AMX-30 B2: ab 1982 eingeführte Kampfwertsteigerung mit neuer Feuerleitanlage und Laser-Entfernungsmesser. Wegen der abweichenden Feuerleitanlage sind die technischen Werte dieser Seite nicht ohne Weiteres auf den B2 übertragbar.
  • AMX-30 B2 Brennus: Weiterentwicklung des B2 mit zusätzlicher reaktiver Panzerung.
  • AMX-30 D: Bergepanzer-Ausführung.
  • AMX-30 EBG: Pionierpanzer.
  • AMX-30 AVLB: Brückenlegepanzer.
  • AMX-30 Schulfahrzeug: Ausführung ohne Turm für die Fahrausbildung.
  • AMX-30 Roland und AMX-30 Shahine: Flugabwehr-Raketenträger auf dem AMX-30-Fahrgestell.
  • AMX-30 DCA: Flugabwehr-Ausführung mit Kanonenbewaffnung.

Lizenzfertigung und Export gingen unter anderem nach Spanien, das den AMX-30 als AMX-30 E in Lizenz baute, sowie nach Griechenland, Saudi-Arabien, Katar, Zypern und Venezuela.

Einsatz und Verbreitung

Auch bei der Stückzahl weichen die Angaben stark voneinander ab, je nachdem, was mitgezählt wird. Die höchste gefundene Zahl, 3.571 Fahrzeuge, bezieht sich laut französischer Wikipedia auf die gesamte Produktion einschließlich aller Varianten und Derivate. Eine technische Datenblattsammlung nennt für den Stand 1982 rund 2.000 Fahrzeuge, je zur Hälfte für die französische Armee und den Export, ohne klar zu benennen, ob nur die Grundversion gemeint ist. Eine dritte Quelle beziffert allein die an die französische Armee gelieferten Kampfpanzer-Versionen, einschließlich später zu B2 umgerüsteter Fahrzeuge, auf 1.355 Stück. Die drei Zahlen beantworten also unterschiedliche Fragen: Gesamtproduktion aller Fahrzeugtypen gegenüber reinen Lieferungen an die eigene Armee.

Der AMX-30 war über Jahrzehnte das Rückgrat der französischen Panzertruppe. Nach Angaben des Panzermuseums in Saumur war der Golfkrieg 1991 der größte Auslandseinsatz des AMX-30 B2 in der französischen Militärgeschichte.

Im Export fand der AMX-30 breite Verwendung: Spanien fertigte ihn in Lizenz, weitere Streitkräfte in Griechenland, Saudi-Arabien, Katar, Zypern und Venezuela setzten ihn ein. Wie lange die einzelnen Staaten den Typ im aktiven Bestand hielten, geben die vorliegenden Quellen nicht einheitlich an.

Verbleib heute

In Frankreich selbst ist der AMX-30 als Kampfpanzer ausgemustert, seine Nachfolge trat der Leclerc an. Fahrgestelle des AMX-30 blieben laut dem französischen Verteidigungsministerium in modifizierten Sonderfahrzeugen wie Bergepanzern oder Flugabwehrträgern noch länger im Dienst als die reine Kampfpanzerversion. Aktuelle Bestandszahlen in den einzelnen Exportstaaten sind nicht einheitlich bekannt.

Ein AMX-30 B2 gehört zur Dauerausstellung des Panzermuseums in Saumur, das mit einer der umfangreichsten Sammlungen gepanzerter Fahrzeuge Europas zu den zentralen Anlaufstellen für die Geschichte des französischen Kampfpanzerbaus zählt.

Kann man einen AMX-30 selbst fahren?

Nein, der AMX-30 steht in Deutschland aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Am ehesten vergleichbar ist der Leopard 1, der aus demselben gescheiterten deutsch-französischen Panzerprojekt der 1950er- und 1960er-Jahre hervorging und zur gleichen Fahrzeuggeneration zählt. Eine Übersicht aller fahrbaren Modelle und Standorte bietet der Fahrzeugkatalog von panzerfahren.de.

Verwandte Fahrzeuge

Der direkte Vorgänger des AMX-30 in der französischen Armee war der amerikanische M47 Patton, der Nachfolger ist der Leclerc. Zeitlich parallel, aber technisch ein eigenständiges Fahrzeug einer anderen Klasse, stand der radbasierte Aufklärungspanzer AMX-10 RC im Dienst der französischen Streitkräfte. Einen Überblick über weitere Kampfpanzer und Kettenfahrzeuge bietet der Fahrzeugkatalog.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein AMX-30?

Das Gefechtsgewicht des AMX-30 liegt bei 36 Tonnen. Damit zählt er zu den vergleichsweise leichten Kampfpanzern seiner Generation, was auf die französische Entwurfsphilosophie zurückgeht, bei der Beweglichkeit gegenüber zusätzlichem Gewicht durch Panzerung Vorrang hatte.

Wie schnell fährt ein AMX-30?

Zur Höchstgeschwindigkeit widersprechen sich die Quellen: Eine nennt 65 km/h ohne weitere Angabe, eine andere unterscheidet zwischen 60 km/h auf der Straße und 50 km/h im Gelände. Eine gesicherte Einzelangabe lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie viele AMX-30 wurden gebaut?

Eine einheitliche Zahl gibt es nicht. Je nach Quelle reicht die Spanne von 1.355 nur an die französische Armee gelieferten Kampfpanzern bis zu 3.571 Fahrzeugen bei Einrechnung aller Varianten und Exportversionen. Die Zahlen beantworten unterschiedliche Fragen und lassen sich nicht direkt vergleichen.

Kann man einen AMX-30 selbst fahren?

Nein. In Deutschland steht aktuell kein AMX-30 zum Selbstfahren zur Verfügung. Am ehesten vergleichbar ist der Leopard 1 aus derselben Panzergeneration. Eine Übersicht der tatsächlich fahrbaren Fahrzeuge und Standorte finden Sie im Fahrzeugkatalog.

Wo steht ein AMX-30 in Deutschland oder Europa?

In Deutschland ist kein AMX-30 öffentlich zugänglich bekannt. In Frankreich zeigt das Panzermuseum in Saumur einen AMX-30 B2 in seiner Dauerausstellung.

Was unterscheidet den AMX-30 B2 vom AMX-30?

Der AMX-30 B2 erhielt ab 1982 eine neue Feuerleitanlage mit Laser-Entfernungsmesser. Die technischen Werte dieser Seite gelten für die Grundversion AMX-30 und AMX-30 B, nicht für den B2 mit seiner abweichenden Feuerleitanlage.

Wer ist der Nachfolger des AMX-30?

Nachfolger in der französischen Armee ist der Leclerc, eine vollständige Neuentwicklung. Der AMX-30 selbst löste zuvor den amerikanischen M47 Patton als Hauptkampfpanzer Frankreichs ab.