Der VT-55 ist ein Bergepanzer auf dem Fahrgestell des Kampfpanzers T-55, gebaut zwischen 1969 und 1983 in der Tschechoslowakei. Hersteller war Turčianske strojárne n.p. im slowakischen Martin. Statt Turm und Kanone trägt das Fahrzeug Kran, Seilwinde und Räumschild. Seine Aufgabe ist die Bergung liegengebliebener oder beschädigter Panzer und deren Reparatur im Feld, nicht der Gefechtseinsatz. Mit einem Gefechtsgewicht von 35 Tonnen und einer Besatzung von drei Personen zählt der VT-55 zu den klassischen Instandsetzungsfahrzeugen des Warschauer Pakts. Er gehört damit nicht zu den Kampfpanzern, sondern zur Gruppe der Pionier- und Bergefahrzeuge, die beschädigte Technik erst wieder einsatzbereit machen. Mit 7,12 Metern Länge und 3,275 Metern Breite bewegt sich der VT-55 im Rahmen der Abmessungen, die das T-55-Fahrgestell vorgibt.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Bergepanzer |
| Herkunftsland | Tschechoslowakei |
| Hersteller | Turčianske strojárne n.p., Martin |
| Bauzeit | 1969 bis 1983 |
| Stückzahl | keine Angabe |
| Gefechtsgewicht | 35 t |
| Länge | 7,12 m |
| Breite | 3,275 m |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | V-55A, Zwölfzylinder-V-Dieselmotor |
| Leistung | 580 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | keine Angabe |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | keine Angabe |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Entwicklungsgeschichte
Panzertruppen des Warschauer Pakts benötigten ab den 1960er Jahren ein eigenes Fahrzeug, das liegengebliebene oder beschädigte Kampfpanzer aus dem Gelände bergen und vor Ort reparieren konnte. Die Vorgängermodelle BTS-1 und BTS-2, beide auf älteren Fahrgestellen der T-54-Familie aufgebaut, stießen bei den schwereren Kampfpanzern zunehmend an ihre Zuggrenzen und boten wenig Werkstattausrüstung.
Die tschechoslowakische Rüstungsindustrie entwickelte daraufhin ein Bergefahrzeug auf Basis des serienmäßigen T-55-Fahrgestells. Das sicherte Bauteilgleichheit mit dem bereits eingeführten Kampfpanzer und vereinfachte Ausbildung und Ersatzteilversorgung. Gefertigt wurde das Fahrzeug bei Turčianske strojárne n.p. in Martin, einem der zentralen Rüstungsbetriebe der Slowakei. Die Serienfertigung lief von 1969 bis 1983.
Die Entscheidung, Panzerung und Bewaffnung zugunsten von Bergegerät vollständig zu streichen, folgte der Arbeitsteilung innerhalb des Warschauer Pakts, in der einzelne Mitgliedstaaten Fertigungskapazitäten für bestimmte Fahrzeuggattungen aufbauten und die Ergebnisse an die Bündnispartner lieferten. Mit dem Wachstum der T-54- und T-55-Flotten in mehreren Armeen stieg zugleich der Bedarf an Bergekapazität, die proportional zur Zahl der Kampfpanzer mitwachsen musste, um Ausfälle im Übungs- und Ernstfall auffangen zu können.
Technisch ersetzte der VT-55 Turm und Kanone durch einen Kran, eine Seilwinde mit hoher Zugkraft und ein Räumschild, das zugleich als Erdanker beim Winden dient und als Schild beim Freischaufeln eingegrabener Fahrzeuge. Diese Ausstattung machte aus dem Kampfpanzer-Fahrgestell ein mobiles Werkstattfahrzeug, das direkt im Gefechtsraum eingesetzt werden konnte, statt beschädigte Panzer erst in rückwärtige Werkstätten schleppen zu müssen.
Die Fahrzeuge gingen an die tschechoslowakische Armee selbst sowie an weitere Streitkräfte des Warschauer Pakts und in den Export. Genaue Aufteilungszahlen nach Empfängerstaat sind nicht durch unabhängige Quellen belegt und werden hier deshalb nicht genannt.
Technik im Detail
Das Fahrgestell des VT-55 stammt vom Kampfpanzer T-55 und läuft auf demselben Kettenlaufwerk mit Laufrollen, Treibrad und Gleisketten sowie Drehstabfederung. Eine eigene Seite zum Kampfpanzer T-55 behandelt dieses Fahrgestell im Detail. Werte von dort lassen sich aber nicht direkt übertragen: Kran, Winde und Räumschild verändern Gewicht und Schwerpunkt des VT-55 gegenüber dem Kampfpanzer, weshalb beide Fahrzeuge hier bewusst getrennt mit eigenen Datenblättern geführt werden.
Angetrieben wird der VT-55 von einem V-55A, einem Zwölfzylinder-V-Dieselmotor mit 580 PS. Die Seilwinde ist über eine Zapfwelle an den Antriebsstrang gekoppelt und kann dadurch mit hoher Zugkraft arbeiten, ohne einen eigenen Motor zu benötigen. Der Kran dient zum Ausbau schwerer Baugruppen wie Triebwerken direkt im Feld, das Räumschild zum Freilegen eingegrabener oder im Schlamm feststeckender Fahrzeuge und als Abstützung beim Windenbetrieb. Alle drei Arbeitsgeräte sind so ausgelegt, dass die Besatzung von drei Personen sie ohne zusätzliche Ausrüstung vor Ort bedienen kann.
Bei Höchstgeschwindigkeit, Höhe, Reichweite und Watfähigkeit weichen die verfügbaren Quellen deutlich voneinander ab, weshalb diese Felder im Datenblatt als keine Angabe geführt werden. Zur Höchstgeschwindigkeit finden sich Werte zwischen 35 und 60 km/h, zur Höhe zwischen 2,25 und 2,84 Metern, zur Reichweite zwischen rund 100 und 650 Kilometern und zur Watfähigkeit zwischen 1,4 und 5 Metern. Ein Teil der Abweichung dürfte an unterschiedlichen Messbedingungen liegen, etwa Straße gegen Gelände. Eine Quelle bringt die höheren Werte zudem mit dem Räumschild BTU-55 in Verbindung, das nur an der als ŽS-55A beziehungsweise in der NVA als T-55T bezeichneten Pionierversion verbaut war und Höhe sowie Gewicht gegenüber der Grundversion verändert.
Varianten
Aus dem VT-55 wurden zwei Varianten mit erweiterter Ausstattung abgeleitet. Der ŽS-55A ist ein Pionierpanzer, der zusätzliche Räumausrüstung für den Erdbau und die Trassenräumung mitführt. Der JVBT-55A ist ein Kranpanzer mit verstärktem Hebewerk für den Ausbau ganzer Triebwerksblöcke. Beide Varianten teilen sich das Fahrgestell und den Antrieb mit der Grundversion, unterscheiden sich aber im Aufbau der Arbeitsgeräte und damit auch im Haupteinsatzzweck innerhalb der Instandsetzungs- und Pioniertruppen.
In der Nationalen Volksarmee der DDR wurde dasselbe Fahrzeug unter der Bezeichnung T-55T geführt. Nach Quellenlage handelt es sich dabei um dieselbe Konstruktion wie den VT-55A, teils in der um das BTU-55-Räumschild ergänzten Ausführung. Die abweichenden Maßangaben, die in NVA-nahen Quellen zu diesem Fahrzeug kursieren, gehen vermutlich auf diese Zusatzausrüstung zurück. Auch bei anderen Streitkräften des Warschauer Pakts wurden für baugleiche oder nur leicht abgewandelte Fahrzeuge eigene nationale Bezeichnungen vergeben, was die Literatur bis heute uneinheitlich macht und beim Vergleich von Datenblättern verschiedener Quellen zu beachten ist.
Einsatz und Verbreitung
Der VT-55 stand bei der tschechoslowakischen Armee sowie bei mehreren Streitkräften des Warschauer Pakts im Dienst. In der Nationalen Volksarmee der DDR lief das Fahrzeug unter der Bezeichnung T-55T bis zum Ende der NVA 1990 in den Panzerregimentern und wurde dort zur Bergung und Feldreparatur der eigenen T-55- und T-72-Bestände eingesetzt. Die technische Nähe zum Kampfpanzer T-55 erleichterte dabei sowohl die Ausbildung der Besatzungen als auch die Versorgung mit Ersatzteilen innerhalb derselben Einheiten. Eine Quelle nennt eine Gesamtstückzahl von 1820 gebauten Fahrzeugen, eine zweite unabhängige Bestätigung dieser Zahl liegt nicht vor.
Zu den Aufgaben im Frieden zählte neben der Werkstattarbeit im Standortbereich auch die Unterstützung bei Manövern des Warschauer Pakts, bei denen größere Verbände über weite Strecken verlegt wurden und technische Ausfälle einkalkuliert waren. Das Verteidigungsministerium der Tschechischen Republik führt den VT-55A bis heute in seiner technischen Übersicht der Landstreitkräfte, ein Hinweis darauf, dass Nachfolgeeinheiten der ehemaligen ČSLA das Fahrzeug über das Ende des Warschauer Pakts hinaus im Bestand hielten.
Nach dem Ende des Warschauer Pakts übernahmen mehrere Nachfolgestaaten die vorhandenen Bestände. Ein Teil der Fahrzeuge aus NVA-Beständen wurde nach der deutschen Wiedervereinigung zunächst weitergenutzt, unter anderem im zivilen Katastrophenschutz, bevor die Fahrzeuge endgültig ausgemustert wurden.
Verbleib heute
Erhaltene Exemplare des VT-55 beziehungsweise T-55T stehen heute in mehreren deutschen Museen und Sammlungen mit Schwerpunkt auf DDR- und NVA-Technik. Dokumentiert sind unter anderem ein Fahrzeug im Museum für Zivil- und Wehrtechnik sowie ein Bergepanzer im Technik-Museum Pütnitz, der nach der Wiedervereinigung im zivilen Katastrophenschutz diente, bevor er musealisiert wurde. Weitere Fahrzeuge sind bei Ausstellungen zur NVA-Militärtechnik zu sehen, etwa bei Treffen historischer Militärfahrzeuge, wie sie auch in der Tschechischen Republik regelmäßig stattfinden. Die gezeigten Exemplare sind überwiegend statische Ausstellungsstücke, keine fahrbereiten Museumsfahrzeuge. Eine vollständige, laufend gepflegte Liste aller Standorte liegt nicht vor.
Kann man einen VT-55 selbst fahren?
Nein, dieser Bergepanzer steht in Deutschland nach aktuellem Stand nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Anders als bei Kampfpanzern ist die kommerzielle Fahrerfahrung mit Bergefahrzeugen bislang die Ausnahme, weil Kran und Winde statt Kampfwert im Vordergrund stehen und entsprechende Anbieter fehlen. Wer ein Kettenfahrzeug aus dem T-55-Umfeld selbst fahren möchte, findet eine Übersicht aktuell fahrbarer Modelle im Fahrzeugkatalog.
Verwandte Fahrzeuge
Technisch und historisch eng verwandt sind der Kampfpanzer T-55, dessen Fahrgestell der VT-55 nutzt, sowie die beiden Vorgängermodelle BTS-1 und BTS-2. Innerhalb der eigenen Baureihe zählen der Pionierpanzer ŽS-55A und der Kranpanzer JVBT-55A dazu, ebenso das unter NVA-Bezeichnung geführte Schwesterfahrzeug T-55T.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein VT-55?
Das Gefechtsgewicht liegt bei 35 Tonnen. Das ist deutlich weniger als beim Kampfpanzer T-55, dessen Fahrgestell der VT-55 nutzt, weil Turm und Kanone entfallen und stattdessen die leichtere Berge- und Kranausrüstung verbaut ist. Länge und Breite bleiben mit 7,12 und 3,275 Metern nah an denen des Kampfpanzers.
Wie schnell fährt ein VT-55?
Dazu liegt keine gesicherte Angabe vor. Die Quellen nennen Werte zwischen 35 und 60 km/h, je nach Untergrund, Ausführung und ob Straße oder Gelände gemeint ist. Eine einzelne verlässliche Höchstgeschwindigkeit lässt sich aus diesen widersprüchlichen Angaben nicht ableiten, weshalb das Datenblatt hier keine Angabe zeigt.
Wie viele VT-55 wurden gebaut?
Eine Quelle nennt 1820 gebaute Fahrzeuge über die gesamte Bauzeit von 1969 bis 1983 bei Turčianske strojárne in Martin. Eine zweite, unabhängige Quelle für diese Zahl liegt nicht vor, weshalb sie hier nur mit Zuschreibung und nicht als gesicherter Wert genannt wird.
Kann man einen VT-55 selbst fahren?
Nein. In Deutschland gibt es aktuell kein Angebot, mit dem Interessierte selbst einen VT-55 fahren können. Anders als bei Kampfpanzern fehlt für Bergefahrzeuge bislang eine kommerzielle Fahrerfahrung, weil Kran und Winde statt Fahrspaß im Vordergrund stehen. Der Fahrzeugkatalog listet Modelle, die derzeit tatsächlich fahrbar sind.
Wo steht ein VT-55 heute?
Erhaltene Fahrzeuge stehen unter anderem im Museum für Zivil- und Wehrtechnik und im Technik-Museum Pütnitz, letzteres mit einem Fahrzeug, das nach der Wiedervereinigung im Katastrophenschutz diente. Weitere Exemplare sind bei Ausstellungen zur NVA-Technik zu sehen, eine vollständige Liste aller Standorte gibt es nicht.
Was unterscheidet den VT-55 vom T-55T der NVA?
Beide Bezeichnungen stehen für dasselbe Grundfahrzeug. T-55T war die Bezeichnung der Nationalen Volksarmee für das aus der Tschechoslowakei stammende Fahrzeug, teils in einer um das Räumschild BTU-55 ergänzten Ausführung. Diese Zusatzausrüstung erklärt vermutlich einen Teil der abweichenden Maßangaben zu Höhe, Geschwindigkeit, Reichweite und Watfähigkeit, die in NVA-nahen Quellen kursieren.