
Die Bezeichnung BMP-1 SP2 stammt aus der Bestandsführung der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. Sie steht für die aus tschechoslowakischer Lizenzproduktion gelieferte Hauptserie des sowjetischen Schützenpanzers BMP-1, abgegrenzt von einer kleineren sowjetischen Vorserie, die die NVA als SP1 führte. Ohne diese Einordnung bleibt die Bezeichnung rätselhaft: Es handelt sich weder um eine sowjetische Werksbezeichnung noch um eine tschechoslowakische Exportbezeichnung, sondern um eine rein interne Kennung der NVA-Logistik. Insgesamt führte die NVA 958 dieser Fahrzeuge, einschließlich Führungsfahrzeuge. Technisch beruht die SP2 auf derselben Grundkonstruktion wie die auf diesem Portal eigenständig beschriebene BMP-1-Grundversion, hat aber eine eigene Fertigungs- und Bestandsgeschichte.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schützenpanzer |
| Herkunftsland | Tschechoslowakei (Lizenzfertigung des sowjetischen BMP-1 für die NVA) |
| Hersteller | tschechoslowakische Rüstungsindustrie (Lizenzproduktion) |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | 958 (NVA-Bestand aus tschechoslowakischer Lizenzproduktion, einschließlich Führungsfahrzeuge) |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | 6,74 m |
| Breite | 2,94 m |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | UTD-20 (Sechszylinder-V-Dieselmotor) |
| Leistung | 300 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | keine Angabe |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | 73-mm-Glattrohrkanone 2A28 (Typangabe) |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Bauzeit, Gefechtsgewicht, Höhe, Höchstgeschwindigkeit, Reichweite, Panzerung und Watfähigkeit stehen hier bewusst als keine Angabe, nicht weil dazu nichts bekannt wäre, sondern weil sich variantenspezifisch keine tragfähige Einzelzahl ermitteln ließ, siehe die folgenden Abschnitte. Insbesondere die häufig zitierte Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h bezieht sich in den verfügbaren Quellen auf die sowjetische BMP-1-Grundversion und lässt sich nicht belastbar auf die tschechoslowakische Lizenzausführung SP2 übertragen. Bei der Höhe schwanken die Angaben zwischen 2,01 und 2,068 Metern, beim Gefechtsgewicht zwischen 13,0 und 13,3 Tonnen, je nachdem welcher Quelle gefolgt wird.
Entwicklungsgeschichte
Die NVA rüstete ihre motorisierten Schützenverbände ab den späten 1960er-Jahren mit einem gepanzerten, kettenbeweglichen Schützenpanzer aus, der mit den eigenen Kampfpanzerverbänden mithalten konnte. Vorbild und technische Grundlage war der sowjetische BMP-1, seinerzeit der erste in großer Stückzahl gefertigte Schützenpanzer seiner Art.
Zunächst erhielt die NVA zwischen 1968 und 1971 eine kleinere sowjetische Erprobungs- und Vorserie, die in der eigenen Bestandsführung als BMP-1 SP1 lief. Den Hauptbestand lieferte anschließend eine verbesserte Fertigungsserie, die auf die sowjetische Werksbezeichnung Ob’jekt 765 Sp2 zurückgeht und in der NVA-Logistik zur BMP-1 SP2 wurde. Ab diesem Punkt übernahm die tschechoslowakische Rüstungsindustrie die Lizenzfertigung für die NVA-Lieferungen.
Zum genauen Beginn dieser Lizenzlieferungen schwanken die Angaben in den verfügbaren Quellen. Eine Quelle nennt bereits 1969 als Startpunkt, eine andere den Zeitraum 1972 bis 1986 für Lizenzproduktion und Import der gesamten Stückzahl von 958 Fahrzeugen, eine dritte führt 1969 bis 1973 als Baujahresspanne der zugrunde liegenden sowjetischen Fertigungsserie an. Die Differenz erklärt sich vermutlich daraus, dass die Quellen teils den Beginn der sowjetischen Serienfertigung, teils den tatsächlichen Auslieferungszeitraum an die NVA meinen. Einen einheitlichen Beleg für ein einzelnes Jahr gibt es nicht.
Tschechische Quellen zur Lizenzfertigung, die dort unter der Bezeichnung BVP-1 lief, benennen als produzierende Werke unter anderem ZTS Martin, ZTS Dubnica und ZTS Detva. Diese Quellen bestätigen die Lizenzproduktion und die beteiligten Werke, erwähnen die NVA-interne Bezeichnung SP2 jedoch nicht und nennen auch keinen Export an die DDR namentlich. Das ist konsistent, denn SP2 war eine reine Bestandsführungs- und Erkennungsbezeichnung der NVA-Logistik, keine tschechoslowakische Exportbezeichnung.
Technik im Detail
Angetrieben wird die BMP-1 SP2 von einem UTD-20, einem Sechszylinder-V-Dieselmotor mit 300 PS. Der Motor sitzt vorn rechts in der Wanne, versetzt neben dem Fahrerplatz, eine für sowjetische Schützenpanzerkonstruktionen typische Anordnung, die im Fahrzeugheck Platz für die Absitzgruppe freihält.
Das Kettenlaufwerk läuft je Seite über mehrere Laufrollen, die über eine Drehstabfederung am Wannenboden aufgehängt sind. Quer im Wanneninneren liegende Drehstäbe federn Bodenunebenheiten durch Verdrehung ab, ohne wie eine Blattfeder schnell zu ermüden. Den Vortrieb der Gleiskette übernimmt ein vorn liegendes Treibrad je Seite, was dem Antriebsstrang kurze Wege vom vorn sitzenden Motor erlaubt.
Äußerlich lässt sich die SP2 von der kleinen sowjetischen Vorserie SP1 anhand mehrerer Merkmale unterscheiden, die ein militärhistorisches Bestimmungsbuch zur NVA-Fahrzeugtechnik dokumentiert: Der SP2 fehlen die auf den hinteren Kettenabdeckungen montierten Kisten der Entfernungsmessausrüstung, an den Hecktüren sitzen zusätzliche Verladekeile, und der Spritzschutz an der Wanne ist gegenüber der Vorserie verändert. Gegenüber der SP1 verbesserte die SP2-Serie zudem, laut einer weiteren Quelle zum BMP-1, die Waffenstabilisierung, führte eine halbautomatische Lenkung für die Panzerabwehrrakete ein und erhielt ein überarbeitetes ABC-Schutzsystem.
Hauptbewaffnung ist eine 73-mm-Glattrohrkanone vom Typ 2A28, hier ausschließlich als Typangabe geführt, ohne Angaben zu Munitionswirkung oder Zielverfahren. Die Glattrohrkanone unterscheidet sich von gezogenen Rohren durch den Verzicht auf Züge im Lauf. Zur Panzerung der SP2 liegen keine variantenspezifisch gesicherten Werte vor, weshalb das Datenblatt hier keine Angabe zeigt statt einer nur für die Grundversion belegten, aber nicht übertragbaren Zahl.
Varianten
Innerhalb der NVA-Bestandsführung bildete die SP2 die Hauptserie der eingeführten BMP-1-Fahrzeuge, ergänzt um Führungsfahrzeuge mit zusätzlicher Funkausstattung, die in der Gesamtstückzahl von 958 Fahrzeugen enthalten sind. Eine eigenständige, über die gegenüber der SP1 bereits vorhandene Kampfwertsteigerung hinausgehende weitere Aufwertung dieser NVA-Serie lässt sich anhand der geprüften Quellen nicht belegen.
Vorgänger innerhalb der NVA-Bestandsführung war die kleinere sowjetische Vorserie BMP-1 SP1, die die NVA zwischen 1968 und 1971 erhielt, bevor die tschechoslowakische Lizenzfertigung anlief. Eine Quelle nennt diese Abfolge, ein unabhängiger zweiter Beleg für die genaue SP1-Stückzahl liegt nicht vor. Als Nachfolger im sowjetischen Fertigungsprogramm gilt der BMP-2, ebenfalls nur mit einer Quelle belegt.
Von der SP2 selbst sind keine weiteren NVA-eigenen Bauserien oder Exportversionen dokumentiert. Die allgemeine BMP-1-Fertigungslinie kannte darüber hinaus weitere Kampfwertsteigerungen und Exportvarianten. Diese betreffen jedoch die sowjetische Grundversion und werden auf der eigenen BMP-1-Seite dieses Portals behandelt, nicht auf dieser Seite zur NVA-spezifischen SP2.
Einsatz und Verbreitung
Die BMP-1 SP2 diente ausschließlich in der Nationalen Volksarmee der DDR, eingegliedert in die motorisierten Schützenverbände neben den bereits vorhandenen SP1-Fahrzeugen. Mit 958 Fahrzeugen bildete sie über rund zwei Jahrzehnte einen zentralen Teil der gepanzerten NVA-Ausrüstung. Innerhalb der NVA war sie das Standardfahrzeug der motorisierten Schützenkompanien, eingesetzt in Übungen und Manövern des Warschauer Pakts auf dem Gebiet der DDR. Zu Kampfeinsätzen der NVA selbst kam es während ihres Bestehens nicht.
Mit der Auflösung der NVA im Zuge der deutschen Wiedervereinigung 1990 endete der eigenständige Bestand. Eine Quelle zur NVA-Fahrzeuggeschichte hält fest, dass die Fahrzeuge anschließend in den Bestand der Bundeswehr übergingen. Über die weitere Verwendung durch die Bundeswehr, etwa Verbleib in aktiven Verbänden, Verkauf oder Verschrottung, liegen in den geprüften Quellen keine belastbaren Detailangaben vor.
Die sowjetische Grundversion BMP-1, aus der die SP2 in Lizenz hervorging, stand und steht bei zahlreichen weiteren Streitkräften weltweit im Dienst, teils bis heute. Diese breitere Verbreitung sowie die Modernisierungsgeschichte der Grundversion sind Gegenstand der eigenständigen BMP-1-Seite dieses Portals. Historisch ordnet sich die SP2 als reguläres Ausrüstungsgerät der NVA ein, ohne dass aus den vorliegenden Quellen ein Bezug zu Kampfeinsätzen oder Kriegsverbrechen hervorgeht.
Verbleib heute
Zum heutigen Verbleib einzelner SP2-Fahrzeuge liegen in den geprüften Quellen keine flächendeckenden Angaben vor. Bekannt ist die Übergabe des Bestands an die Bundeswehr nach der Auflösung der NVA 1990, weitere Details zu Musealisierung, Verkauf oder Verschrottung einzelner Fahrzeuge lassen sich daraus nicht ableiten.
Erhaltene Exemplare der BMP-1-Familie, einschließlich einzelner NVA-Fahrzeuge, finden sich vereinzelt in militärhistorischen Sammlungen in Deutschland und den Nachfolgestaaten des Warschauer Pakts. Eine gesicherte Zuordnung, ob es sich bei einem konkreten Museumsstück um eine SP1- oder SP2-Ausführung handelt, ist anhand der geprüften Quellen nicht möglich. Wer sich für den Verbleib der Grundversion und ihrer weltweiten Nutzerstaaten interessiert, findet dazu ausführlichere Angaben auf der BMP-1-Seite dieses Portals.
Kann man einen BMP-1 SP2 selbst fahren?
Ja. Der Betreiber in Benneckenstein im Harz führt die NVA-Lizenzausführung BMP-1 SP2 in seiner Fahrzeugliste. Ob Selbstfahren oder Mitfahren angeboten wird und zu welchen Konditionen, klärt der Betreiber. An anderen Standorten steht die sowjetische Grundversion BMP-1, mit der die SP2 Antrieb, Fahrwerk, Motor und Hauptbewaffnung teilt. Die Unterschiede liegen vor allem in Fertigungsherkunft und einzelnen Ausstattungsdetails, nicht im grundsätzlichen Fahrverhalten. Einen Überblick über die fahrbaren Modelle liefert die Fahrzeugübersicht.
Verwandte Fahrzeuge
Weitere Schützenpanzer und Kettenfahrzeuge aus der NVA- und Warschauer-Pakt-Ausrüstung, darunter die sowjetische BMP-1-Grundversion und der Nachfolger BMP-2, finden sich in der Fahrzeugübersicht des Portals.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Bezeichnung BMP-1 SP2?
SP2 ist eine NVA-interne Bestandsbezeichnung, keine sowjetische Werksbezeichnung. Sie steht für die aus tschechoslowakischer Lizenzproduktion gelieferte Hauptserie des BMP-1, in Abgrenzung zur kleineren sowjetischen Vorserie SP1. Die Bezeichnung geht auf die sowjetische Fertigungsserien-Kennung Ob’jekt 765 Sp2 zurück.
Wie viele BMP-1 SP2 wurden gebaut?
Die NVA führte 958 Fahrzeuge dieser Ausführung im Bestand, geliefert aus tschechoslowakischer Lizenzproduktion und einschließlich Führungsfahrzeuge. Eine eigenständige sowjetische oder tschechoslowakische Exportzählung für ausschließlich diese NVA-Bezeichnung liegt in den Quellen nicht vor.
Wie schnell fährt eine BMP-1 SP2?
Für die SP2 lässt sich keine gesicherte, variantenspezifische Höchstgeschwindigkeit belegen. Die verbreitete Angabe von 65 km/h bezieht sich auf die sowjetische Grundversion BMP-1 und wird hier bewusst nicht übernommen, weil sie sich nicht zuverlässig auf die Lizenzausführung übertragen lässt.
Wie schwer ist eine BMP-1 SP2?
Ein einheitliches Gefechtsgewicht lässt sich nicht belegen. Die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen 13,0 und 13,3 Tonnen, weshalb das Datenblatt hier keine Angabe zeigt statt einer scheinbar exakten Zahl.
Wodurch unterscheidet sich die SP2 äußerlich von der SP1?
Erkennungsmerkmale sind das Fehlen der Entfernungsmesskisten auf den hinteren Kettenabdeckungen, zusätzliche Verladekeile an den Hecktüren und ein veränderter Spritzschutz an der Wanne. Technisch kamen bei der SP2 zudem eine verbesserte Waffenstabilisierung und ein überarbeitetes ABC-Schutzsystem hinzu.
Kann man eine BMP-1 SP2 selbst fahren?
Ja, in Benneckenstein im Harz führt der Betreiber diese NVA-Ausführung. An anderen Standorten steht die technisch eng verwandte sowjetische Grundversion BMP-1, mit der die SP2 Antrieb und Fahrwerk teilt. Details liefert die Fahrzeugübersicht.
Wo steht eine BMP-1 SP2 heute?
Zu einzelnen erhaltenen Fahrzeugen liegen keine flächendeckenden Angaben vor. Bekannt ist die Übergabe des NVA-Bestands an die Bundeswehr nach 1990. Zum Verbleib der weiter verbreiteten BMP-1-Grundversion informiert die eigenständige BMP-1-Seite dieses Portals ausführlicher.