
Der Gepard 1A2 ist die letzte Kampfwertsteigerung, die der deutsche Flugabwehrkanonenpanzer Gepard vor seiner Ausserdienststellung erhielt. Im Rahmen einer Nutzungsdauerverlaengerung brachte die Bundeswehr 147 Fahrzeuge auf einen neuen elektronischen Stand, ohne Fahrgestell oder Bewaffnung zu veraendern. Grundlage blieb das bewaehrte Fahrgestell des Kampfpanzers Leopard 1, kombiniert mit dem drehbaren Turm mit zwei 35-mm-Maschinenkanonen, der den Gepard von reinen Kampfpanzern unterscheidet. Eine ausfuehrliche Beschreibung der Grundversion mit Entwicklungsgeschichte und Technik finden Sie auf der Seite zum Flugabwehrkanonenpanzer Gepard. Fahrbar ist der 1A2 in Deutschland derzeit nicht.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Flugabwehrkanonenpanzer |
| Herkunftsland | Deutschland |
| Hersteller | Krauss-Maffei Wegmann |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | 147 |
| Gefechtsgewicht | 47,5 t |
| Länge | 7,68 m |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | 3,29 m |
| Motor | MTU MB 838 CaM-500 |
| Leistung | keine Angabe |
| Höchstgeschwindigkeit | 65 km/h |
| Reichweite | 550 km |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | Zwei 35-mm-Maschinenkanonen Oerlikon-KDA L/90 (Kaliber 35 x 228 mm) |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Bauzeit, Leistung und Breite fehlen in dieser Tabelle bewusst, weil sich die Quellen widersprechen. Die Einzelheiten dazu stehen in den Abschnitten Entwicklungsgeschichte und Technik im Detail. Panzerung ist nur einfach belegt und steht deshalb ebenfalls nicht als gesicherter Wert im Datenblatt, ebenso wenig die Watfähigkeit, zu der keine der geprüften Quellen eine Angabe macht.
Entwicklungsgeschichte
Der Gepard stand seit 1976 im Dienst der Bundeswehr. Bis in die 1990er-Jahre hinein galt die vorhandene Feuerleit- und Rechentechnik zunehmend als veraltet. Ursprünglich plante die Bundeswehr dafür ein umfassenderes Nachfolgeprojekt namens Gepard 2. Eine Quelle nennt als Grund für den späteren Kurswechsel, dass dieses teurere Kampfwertsteigerungsprojekt eingestellt wurde, bevor es zur Serienreife kam. An seine Stelle trat die schlankere Lösung einer reinen Nutzungsdauerverlängerung: Anstelle eines technischen Neuentwurfs erhielten 147 vorhandene Fahrzeuge ein Elektronikpaket, das die Betriebsdauer verlängern sollte, ohne das Fahrzeugkonzept grundlegend zu ändern.
Zum genauen Zeitraum dieser Umrüstung gehen die Angaben auseinander. Eine Quelle nennt die Jahre 1996 bis 2000, eine andere die Jahre 1997 bis 2000. Unabhängig vom exakten Beginn endete die Umrüstung der gesamten Stückzahl von 147 Fahrzeugen im Jahr 2000, danach führte die Bundeswehr ihre verbliebene Gepard-Flotte durchgängig im Standard 1A2.
Ausführende Firma war Krauss-Maffei Wegmann, hervorgegangen aus dem ursprünglichen Hersteller Krauss-Maffei. Eine Kampfwertsteigerung bezeichnet allgemein den nachträglichen Umbau eines im Einsatz befindlichen Waffensystems, bei dem Fahrgestell und Grundkonstruktion erhalten bleiben und vor allem Sensorik, Rechentechnik oder Bewaffnung erneuert werden. Beim Gepard 1A2 betraf das ausschließlich die Elektronik, während Fahrgestell, Turm und Kanonen unverändert aus der Grundversion stammten.
Technik im Detail
Fahrgestell und Laufwerk des 1A2 entsprechen unverändert der Grundversion. Das Kettenlaufwerk stützt sich auf mehrere Laufrollen je Seite, aufgehängt an einer Drehstabfederung, die Bodenunebenheiten durch Verdrehung von Torsionsstäben ausgleicht. Der Antrieb der Gleiskette erfolgt über ein vorn liegendes Treibrad, wie beim gesamten Leopard-1-Fahrgestell, auf dem der Gepard aufbaut.
Zur Motorleistung nennt eine Quelle 829 PS, eine andere 830 PS. Bei einer derart geringen Differenz handelt es sich vermutlich lediglich um eine Rundungsdifferenz zwischen den Angaben, nicht um unterschiedliche Motorversionen. Der verbaute Vielstoffmotor MTU MB 838 CaM-500 blieb durch die Nutzungsdauerverlängerung unverändert, da sich der Umbau auf die Elektronik beschränkte.
Bei der Breite reicht die Spanne der Quellen von 3,27 bis 3,71 Metern, ein Unterschied von deutlich mehr als 40 Zentimetern. Dieser Abstand ist zu groß, um ihn allein mit einer Messungenauigkeit zu erklären. Naheliegender ist, dass eine Angabe das Fahrzeug in der Grundkonfiguration misst und die andere mit angebauter oder ausgeklappter Zusatzausrüstung.
Kern der Nutzungsdauerverlängerung war ein neuer digitaler Waffenrechner. Eine Quelle nennt als Entwicklerin EADS und beziffert die verbaute Prozessortechnik mit 32-Bit-Rechenkernen, ein deutlicher Sprung gegenüber der ausschließlich analogen Technik der Grundversion. Ergänzt wurde die Ausstattung laut derselben Quelle um neue Datenfunkgeräte des Typs SEM 93 sowie um eine Anbindung an das Heeresflugabwehr-Aufklärungs- und Gefechtsführungssystem, wodurch einzelne Fahrzeuge Informationen mit anderen Einheiten der Luftverteidigung austauschen konnten. Ein GPS-Empfänger des Typs PLGR 95 kam für die Positionsbestimmung hinzu. Für den Einsatz in heißen Klimazonen rüstete die Bundeswehr eine zusätzliche 10-kW-Klimaanlage nach, ausgelegt für Außentemperaturen bis 46 Grad Celsius.
Varianten
Vorgängerstand des 1A2 war laut einer Quelle die Version Gepard B2L/1A1, der letzte Bauzustand vor der Nutzungsdauerverlängerung. Alle 147 auf 1A2 umgerüsteten Fahrzeuge stammten aus diesem Bestand.
Parallel zur Bundeswehr führten auch die Niederlande eine eigene Nutzungsdauerverlängerung durch. Laut einer Quelle betraf das 60 baugleiche Fahrzeuge, die dort unter der Bezeichnung PRTL liefen. Details zu den frühen Baustufen des Gepard, den Prototypen und der ursprünglichen Serienversion finden sich auf der Seite zur Grundversion.
Einen direkten Nachfolger erhielt der Gepard 1A2 innerhalb der Bundeswehr nicht. Laut einer Quelle endete der Betrieb 2010 mit der Außerdienststellung, ohne dass unmittelbar ein Ersatzsystem in gleicher Rolle folgte. Einen Überblick über weitere in Deutschland erfasste Fahrzeugtypen bietet die Fahrzeugdatenbank von panzerfahren.de.
Einsatz und Verbreitung
Die 147 auf den Stand 1A2 gebrachten Fahrzeuge blieben nach der Umrüstung bis zur Außerdienststellung 2010 im Bestand der Heeresflugabwehrtruppe der Bundeswehr. Die Nutzungsdauerverlängerung reichte damit aus, den Betrieb um rund ein Jahrzehnt über den ursprünglich geplanten Zeitrahmen hinaus zu verlängern. Aufgabe der Einheiten blieb der Schutz von Kampftruppen im Verband, unverändert gegenüber der Grundversion.
Parallel zur Bundeswehr betrieben die Niederlande ab ihrer eigenen Umrüstung 60 baugleiche Fahrzeuge unter der Bezeichnung PRTL. Beide Programme liefen zeitlich und technisch weitgehend unabhängig voneinander, teilten aber das gemeinsame Ziel, die vorhandene Flotte ohne kostspieligen Neubau länger nutzbar zu machen.
Nicht alle ursprünglich beschafften Gepard-Fahrzeuge der Bundeswehr erhielten die Nutzungsdauerverlängerung. Die genaue Ausgangsstückzahl und die frühere Nutzungsgeschichte vor der Umrüstung sind auf der Seite zur Grundversion beschrieben.
Verbleib heute
Nach der Außerdienststellung 2010 verblieb ein Teil der auf 1A2 gebrachten Fahrzeuge zunächst in industrienahen Beständen. Ab Frühjahr 2022 lieferte Deutschland im Rahmen der Ukraine-Hilfe wiederhergestellte Gepard-Systeme aus ehemaligen Bundeswehr-Beständen. Zwei unabhängige Quellen beziffern den bisherigen Lieferumfang auf mindestens 55 Systeme. Da zum Zeitpunkt der Außerdienststellung ausschließlich die per Nutzungsdauerverlängerung modernisierten 147 Fahrzeuge im Bestand der Bundeswehr verblieben waren, handelt es sich bei den für die Ukraine reaktivierten Fahrzeugen vermutlich um diesen Bautyp, auch wenn die Quellen dazu keine ausdrückliche Zuordnung treffen.
Die Bundeswehr selbst betreibt seit der Außerdienststellung 2010 keine eigenen Gepard-Fahrzeuge mehr. Der Hersteller KNDS führt das System weiterhin in seinem Produktportfolio.
Kann man einen Gepard 1A2 selbst fahren?
Nein, ein Gepard 1A2 steht in Deutschland derzeit an keinem verzeichneten Standort zum Selbstfahren zur Verfügung. Das gilt für den gesamten Fahrzeugtyp: Auch die Grundversion des Gepard ist bei keinem deutschen Fahranbieter im Programm, da ein Flugabwehrsystem mit eigener Turm- und Sensortechnik einen deutlich größeren Wartungs- und Ausbildungsaufwand bedeutet als ein reiner Kampfpanzer. Einen Überblick über tatsächlich fahrbare Modelle bietet die Fahrzeugdatenbank.
Verwandte Fahrzeuge
- Gepard: Grundversion vor der Nutzungsdauerverlängerung, gleiches Fahrgestell und gleiche Bewaffnung, ältere Elektronik
- Cheetah/PRTL (Niederlande): niederländische Parallelversion der Nutzungsdauerverlängerung, laut einer Quelle 60 baugleiche Fahrzeuge, derzeit ohne eigene Seite
Häufige Fragen
Was unterscheidet den Gepard 1A2 von der Grundversion?
Der 1A2 entstand durch eine Nutzungsdauerverlängerung, die 147 vorhandene Fahrzeuge auf einen neuen elektronischen Stand brachte. Fahrgestell, Turm und Bewaffnung blieben unverändert. Eine Quelle nennt als Kern des Umbaus einen neuen digitalen Waffenrechner sowie neue Datenfunkgeräte.
Wie viele Fahrzeuge wurden auf den Stand 1A2 gebracht?
147 Fahrzeuge der Bundeswehr erhielten die Nutzungsdauerverlängerung zum Gepard 1A2. Die Niederlande führten laut einer Quelle parallel eine eigene Umrüstung von 60 baugleichen Fahrzeugen durch, dort unter der Bezeichnung PRTL.
Wann wurde der Gepard 1A2 gebaut?
Die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen 1996 und 2000 sowie zwischen 1997 und 2000. Beide Quellen stimmen darin überein, dass die Umrüstung im Jahr 2000 abgeschlossen war.
Wie schwer ist ein Gepard 1A2?
Das Gefechtsgewicht liegt bei 47,5 Tonnen. Die Nutzungsdauerverlängerung veränderte im Wesentlichen die Elektronik und wirkte sich kaum auf das Gewicht des Fahrzeugs aus.
Wie schnell fährt ein Gepard 1A2?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 65 km/h, die Reichweite bei 550 Kilometern. Beide Werte stammen vom unverändert gebliebenen Fahrgestell der Grundversion.
Welche Bewaffnung hat der Gepard 1A2?
Der Gepard 1A2 trägt wie die Grundversion zwei 35-mm-Maschinenkanonen des Typs Oerlikon-KDA L/90 im Kaliber 35 x 228 mm. Angaben zu Feuerrate, Bekämpfungsreichweite oder Zielverfahren führt dieses Datenblatt bewusst nicht.
Kann man einen Gepard 1A2 selbst fahren?
Nein. Der Gepard 1A2 steht in Deutschland derzeit an keinem verzeichneten Standort zum Selbstfahren zur Verfügung, ebenso wenig wie die Grundversion. Einen Überblick über fahrbare Modelle bietet die Fahrzeugdatenbank.