Panzerkampfwagen VIII Maus

Der Panzerkampfwagen VIII Maus (Projektname Porsche Typ 205) war ein überschwerer Panzer der deutschen Wehrmacht aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Er blieb ein Versuchsprogramm: Fertiggestellt wurden zwei Fahrzeuge, ein Serieneinsatz fand nie statt. Das Fahrgestell stammte von Porsche, den Turm baute Krupp. Mit einem Gefechtsgewicht von deutlich über 180 Tonnen war er der schwerste realisierte Panzer seiner Zeit. Selbst fahren lässt sich der Maus heute nirgends, weder als Original noch als Nachbau.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Überschwerer Panzer (Prototyp)
Herkunftsland Deutsches Reich
Hersteller Porsche (Fahrgestell), Krupp (Turm)
Bauzeit keine Angabe (siehe Entwicklungsgeschichte)
Stückzahl 2 fertiggestellte Versuchsfahrzeuge (kein Serienfahrzeug)
Gefechtsgewicht keine Angabe (siehe Entwicklungsgeschichte)
Länge keine Angabe
Breite keine Angabe
Höhe keine Angabe
Motor Daimler-Benz MB 509, Ottomotor V12 (erstes Fahrzeug); Daimler-Benz MB 517, Dieselmotor V12 (zweites Fahrzeug)
Leistung keine Angabe (siehe Entwicklungsgeschichte)
Höchstgeschwindigkeit 20 km/h
Reichweite keine Angabe
Besatzung 6
Hauptbewaffnung 12,8-cm-KwK 44 L/55
Panzerung Wanne vorn 200 mm, Wannenseiten 180 mm, Turmfront 220 mm, Turmseiten 200 mm (gewalzte Stahlplatten)
Watfähigkeit keine Angabe (siehe Technik im Detail)

Mehrere Werte fehlen in der Tabelle, weil die Quellen sich widersprechen. Das betrifft Bauzeit, Gefechtsgewicht, Länge, Breite, Höhe, Leistung und Reichweite. Die Streuung wird unten benannt, statt eine der Zahlen auszuwählen.

Entwicklungsgeschichte

Das Programm entstand 1942 als Reaktion auf die als überlegen wahrgenommene sowjetische Panzerentwicklung. Ziel war ein Fahrzeug, das durch Panzerung und Bewaffnung technische Überlegenheit herstellen sollte, unabhängig von den Kosten. In der NS-Propaganda der Zeit wurde ein solches Vorhaben in die Kategorie der sogenannten Wunderwaffen eingeordnet, eine Zuschreibung, die den tatsächlichen militärischen Nutzen des Fahrzeugs nicht widerspiegelte.

Porsche entwickelte das Fahrgestell, Krupp den Turm und die Panzerplatten. Im Mai 1943 stand ein hölzernes Turmmodell auf dem fertigen Fahrgestell. Die geplante Bewaffnung änderte sich während der Entwicklung mehrfach; eine Quelle nennt eine ursprünglich vorgesehene Kombination aus 15-cm- und 7,5-cm-Kanone, bevor die Wahl auf die 12,8-cm-KwK 44 fiel.

Ende 1943 kam das Vorhaben faktisch zum Stillstand. Ein alliierter Bombenangriff auf das Krupp-Werk zerstörte im selben Jahr Fertigungsunterlagen, zugleich fehlten Werkstoffe und Kapazitäten für eine Serie. Die geplante Serienfertigung wurde gestrichen, übrig blieb der Auftrag für zwei Versuchsfahrzeuge. Krupp gehörte zu den deutschen Rüstungskonzernen, die im Zweiten Weltkrieg in großem Umfang Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge einsetzten; das ist für den Konzern insgesamt historisch dokumentiert. Ob und in welchem Umfang das auch für die Maus-Fertigung im Einzelnen galt, lässt sich aus den hier verwendeten Quellen nicht belegen.

Zur Bauzeit selbst gehen die Angaben auseinander, je nachdem ob Entwurfsbeginn, Fertigungsbeginn oder Fertigstellung gemeint ist: Eine Quelle nennt den Zeitraum 1942 bis 1944, eine andere den Fertigungsbeginn 1943, eine dritte 1944 als Jahr, in dem beide Fahrzeuge fertiggestellt wurden. Diese Angaben schließen sich nicht aus, sie beschreiben unterschiedliche Phasen desselben Vorhabens.

Technik im Detail

Der Maus wurde diesel-elektrisch angetrieben: Der Verbrennungsmotor trieb einen Generator an, dessen Strom zwei Elektromotoren versorgte, die das Fahrzeug über Planetengetriebe bewegten. Diese Bauweise war bei Porsche-Konstruktionen der Zeit üblich und erlaubte eine feinere Kraftübertragung als ein rein mechanisches Getriebe bei dieser Fahrzeugmasse.

Das Kettenlaufwerk je Seite bestand aus mehreren gummigefederten Laufrollen in Bogie-Paaren mit Drehstabfederung, allerdings in einer für die Zeit ungewöhnlichen Anordnung: Die Drehstäbe lagen längs im Bogie selbst statt quer durch die Wanne. Das Treibrad saß am Heck, die breite Gleiskette war für das hohe Fahrzeuggewicht ausgelegt. An den Laufrollen traten Probleme mit der Gummierung auf, die im Testbetrieb durch eine überarbeitete Bohrung der Rollen behoben werden sollten.

Weil kaum eine Brücke ein 188 Tonnen schweres Fahrzeug tragen konnte, war der Maus auf Unterwasserfahrt statt auf Brücken angewiesen. Eine Quelle nennt für die Watfähigkeit einen Wert von 2 Metern ohne Zusatzausrüstung; mit Schnorchelausrüstung soll dieselbe Quelle zufolge eine Tauchtiefe von bis zu 8 Metern möglich gewesen sein. Beide Angaben sind nur einfach belegt und deshalb nicht im Datenblatt aufgeführt.

Die Panzerung bestand aus gewalzten Stahlplatten, nicht aus einer späteren Verbundpanzerung mit mehreren Materiallagen. Die Motoren waren jeweils auf einen Kraftstoff ausgelegt, anders als bei einem heutigen Vielstoffmotor. Auch die Hauptwaffe, die 12,8-cm-KwK 44 L/55, war ein gezogenes Rohr und keine Glattrohrkanone, wie sie erst spätere Kampfpanzergenerationen verwendeten.

Varianten

Fertiggestellt wurden zwei Versuchsfahrzeuge: 205/1 (V1) und 205/2 (V2). Beide unterschieden sich technisch. 205/1 erhielt zunächst einen Turmnachbau ohne Bewaffnung und den Ottomotor MB 509. 205/2 bekam den vollständigen Turm und den Dieselmotor MB 517. Eine Quelle, das Magazin des österreichischen Bundesheeres, nennt zusätzlich teilweise fertiggestellte Fahrzeuge mit den Bezeichnungen 205/3 bis 205/7, die nie abgeschlossen wurden.

Eine Kampfwertsteigerung, wie sie bei in Serie gefertigten Panzern über die Einsatzjahre üblich wurde, gab es beim Maus nicht mehr. Das Programm endete vor Erreichen der Serienreife, eine spätere Version existierte nicht.

Wo Werte aus den Quellen erkennbar für V1 und V2 getrennt vorliegen, ist das in dieser Seite jeweils vermerkt, etwa bei Motor und Leistung.

Einsatz und Verbreitung

Der Maus kam über den Erprobungsstatus nicht hinaus. Beide Fahrzeuge wurden auf dem Truppenübungsplatz Kummersdorf getestet, ein Fronteinsatz fand nicht statt. Im April 1945 sprengten deutsche Kräfte beide Fahrzeuge, um sie vor der Einnahme durch die Rote Armee unbrauchbar zu machen.

Sowjetische Truppen fanden die Wracks vor und bargen sie. Weil keines der beiden Fahrzeuge vollständig war, setzten die sowjetischen Stellen den Turm von 205/2 auf die Wanne von 205/1. Diese Kombination wurde zur Auswertung in die Sowjetunion gebracht. Ein militärischer Nutzen ergab sich daraus nicht, die Bergung diente der technischen Analyse.

Als Wehrmachtsprogramm reiht sich der Maus in die spätkriegszeitliche Rüstungspolitik ein, die auf einzelne technisch überlegene Großgeräte statt auf stückzahlstarke Serienproduktion setzte. Für den Kriegsverlauf hatte das Vorhaben keine Bedeutung, da kein Fahrzeug in den Truppendienst gelangte.

Verbleib heute

Das heute im Panzermuseum des Parks Patriot bei Kubinka ausgestellte Fahrzeug ist kein Originalexemplar. Es handelt sich um das nach 1945 von sowjetischer Seite zusammengesetzte Mischfahrzeug aus dem Turm von 205/2 und der Wanne von 205/1. Maßangaben, die von diesem Fahrzeug abgeleitet sind, beschreiben also nicht den Zustand eines einzelnen, original gebauten Maus, sondern die Kombination zweier unterschiedlicher Fahrzeuge. Das ist bei der Einordnung jeder Zahl zu diesem Modell zu berücksichtigen, die auf diese Quelle zurückgeht.

Ein weiteres museales Stück befindet sich im Tank Museum im britischen Bovington: ein Zielfernrohr aus dem Maus-Programm, das ursprünglich für die hölzerne Turmattrappe geliefert wurde. Weitere erhaltene Originalteile sind nach den hier ausgewerteten Quellen nicht dokumentiert.

Kann man einen Panzerkampfwagen VIII Maus selbst fahren?

Nein. Der Maus war ein Einzelstück-Prototyp und steht nirgends in Deutschland zum Selbstfahren zur Verfügung, auch nicht als Nachbau. Unter den tatsächlich fahrbaren Modellen gibt es keine technische Nachfolgeentwicklung des Maus, ein direkter Vergleichskandidat lässt sich deshalb nicht seriös benennen. Eine Übersicht aller aktuell fahrbaren Panzer bietet die Fahrzeugdatenbank.

Verwandte Fahrzeuge

Weitere überschwere und historische Entwicklungen aus derselben Epoche werden in der Fahrzeugdatenbank laufend ergänzt.

Häufige Fragen

Wie schwer ist der Panzerkampfwagen VIII Maus?

Die Angaben zum Gefechtsgewicht schwanken je nach Quelle zwischen 187 und 189 Tonnen. Ein Grund für die Differenz liegt darin, dass die beiden gebauten Fahrzeuge 205/1 und 205/2 leicht unterschiedlich schwer waren. Eine feste Zahl für das Datenblatt lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie schnell fährt der Maus?

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h. Das ist für einen Panzer niedrig, folgt aber aus dem sehr hohen Gefechtsgewicht von deutlich über 180 Tonnen bei begrenzter Motorleistung.

Wie viele Maus-Panzer wurden gebaut?

Fertiggestellt wurden zwei Versuchsfahrzeuge, 205/1 und 205/2. Eine Quelle nennt zusätzlich fünf weitere, nie abgeschlossene Fahrzeuge (205/3 bis 205/7). Eine Stückzahl im Sinn einer Serienfertigung gab es nicht, der Maus blieb Prototyp.

Kann man einen Maus selbst fahren?

Nein. Der Maus steht in Deutschland nirgends zum Selbstfahren zur Verfügung, weder als Original noch als Nachbau. Ein technisch vergleichbares, fahrbares Modell existiert nicht.

Wo steht ein Panzerkampfwagen VIII Maus heute?

Ein aus zwei Fahrzeugen zusammengesetztes Exemplar steht im Panzermuseum des Parks Patriot bei Kubinka. Es ist kein Originalfahrzeug, sondern kombiniert Turm und Wanne der beiden 1945 gebauten Prototypen. Ein Zielfernrohr aus dem Programm liegt im Tank Museum in Bovington.

Warum wurde die Serienproduktion der Maus eingestellt?

Ein alliierter Bombenangriff auf das Krupp-Werk zerstörte 1943 Fertigungsunterlagen, zugleich fehlten Werkstoffe und Fertigungskapazität für eine Serie. Die geplante Serie wurde gestrichen, es blieb bei den zwei Versuchsfahrzeugen.

Wie stark war die Panzerung des Maus?

Die Wanne war vorn 200 mm und seitlich 180 mm dick, der Turm vorn 220 mm und seitlich 200 mm. Verbaut wurden gewalzte Stahlplatten, keine mehrlagige Verbundpanzerung.