Der MT-LB ist ein gepanzerter, vollamphibischer Mehrzwecktransporter aus sowjetischer Produktion. Entwickelt wurde er im Charkower Traktorenwerk, um Truppen und Fracht über Straße und offenes Gelände gleichermaßen zu bringen, ohne dass Brücken oder Fähren nötig sind: Das Fahrzeug schwimmt aus eigener Kraft. In Deutschland gehört der MT-LB bei privaten Anbietern für Panzerfahren zu den am häufigsten eingesetzten Kettenfahrzeugen, weil er robust, in großer Stückzahl verfügbar und vergleichsweise einfach zu fahren ist. Beschrieben wird hier die Grundausführung als unbewaffneter oder leichtbewaffneter Transporter. Für die zahlreichen Sonderaufbauten auf demselben Fahrgestell, etwa als Sanitätsfahrzeug, Bergefahrzeug oder Trägerfahrzeug für Flugabwehrraketen, gelten die Werte auf dieser Seite nicht in vollem Umfang.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Gepanzerter amphibischer Mehrzwecktransporter |
| Herkunftsland | Sowjetunion |
| Hersteller | Charkower Traktorenwerk (Kharkiv Tractor Plant) |
| Bauzeit | keine Angabe |
| Stückzahl | über 55.000 (alle Varianten und Exportproduktion zusammen) |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | keine Angabe |
| Motor | JaMZ-238, V8-Dieselmotor |
| Leistung | 240 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 61 km/h |
| Reichweite | 500 km |
| Besatzung | 2 |
| Hauptbewaffnung | 7,62-mm-Maschinengewehr PKT (Typangabe) |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | entfällt, Fahrzeug ist vollamphibisch |
Bauzeit, Gefechtsgewicht, Länge, Breite, Höhe und Panzerung fehlen in der Tabelle, weil sich zu jedem dieser Felder aus den Quellen keine einheitliche Zahl ergibt. Die Streuung wird in den folgenden Abschnitten benannt, statt eine der widersprüchlichen Zahlen auszuwählen.
Entwicklungsgeschichte
Der MT-LB entstand als Ablösung für ältere Artillerie-Zugmaschinen wie die AT-P-Serie, die auf dem Fahrgestell der Selbstfahrlafette ASU-57 aufbaute. Gesucht war ein Fahrzeug, das mehrere Aufgaben zugleich übernehmen konnte: Schlepper für Artillerie, Transporter für Mannschaften und Fracht, geländegängig und amphibisch. Entwickelt und gebaut wurde der MT-LB im Charkower Traktorenwerk, das bereits Erfahrung mit Kettenfahrzeugen für zivile und militärische Zwecke besaß.
Zum genauen Zeitpunkt der Serienfertigung widersprechen sich die verfügbaren Quellen deutlich. Eine tschechische Fachquelle nennt Entwicklungsarbeiten ab 1964 und einen Serienstart bereits 1966 im Charkower Werk. Das aktuelle Datenblatt der tschechischen Streitkräfte gibt dagegen die 1960er-Jahre allgemein als Entwicklungszeitraum an, mit Serienfertigung ab etwa 1970. Deutschsprachige Nachschlagewerke wiederum verorten den Produktionsbeginn erst in die frühen 1970er-Jahre. Ein eindeutiges Datum lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht rekonstruieren, sicher ist nur, dass die Fertigung im Charkower Werk über Jahrzehnte anhielt und mehrere zehntausend Fahrzeuge hervorbrachte.
Ein wesentlicher Kostenvorteil der Konstruktion lag darin, dass der MT-LB zahlreiche Bauteile mit dem leichten Schwimmpanzer PT-76 teilte. Das senkte die Fertigungskosten und vereinfachte die Ersatzteilversorgung bei Streitkräften, die beide Fahrzeugtypen gleichzeitig einsetzten. Die Beschaffung erfolgte zentral über die sowjetische Rüstungsindustrie und richtete sich an die eigenen motorisierten Schützen- und Artillerieverbände ebenso wie an Exportkunden im gesamten Warschauer Pakt und darüber hinaus.
Technik im Detail
Der MT-LB fährt mit einem JaMZ-238, einem V8-Dieselmotor mit 240 PS. Damit erreicht das Fahrzeug laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 61 km/h auf der Straße, bei einer angegebenen Reichweite von 500 Kilometern.
Das Kettenlaufwerk überträgt die Motorkraft über ein Treibrad auf die Gleiskette. Die Laufrollen sind über eine Drehstabfederung aufgehängt, die Bodenwellen ausgleicht und dem Fahrzeug auch abseits befestigter Wege eine für seine Klasse zügige Fahrt erlaubt. Die breite Aufstandsfläche der Ketten verteilt das Fahrzeuggewicht auf eine große Fläche und senkt so den Bodendruck, ein Vorteil auf weichem Untergrund wie Schnee, Sumpf oder Ackerland.
Der Rumpf ist wasserdicht geschweißt und macht den MT-LB vollamphibisch: Er schwimmt ohne vorbereitende Maßnahmen wie das Anbringen von Schwimmkörpern, die andere Fahrzeuge benötigen. Der Vortrieb im Wasser erfolgt über die Ketten selbst, nicht über einen gesonderten Wasserstrahlantrieb. Deshalb entfällt für den MT-LB auch die sonst bei Datenblättern übliche Angabe einer Watfähigkeit in Metern. Diese Kennzahl beschreibt, wie tief ein nicht schwimmfähiges Fahrzeug durch ein Gewässer waten kann, bevor Wasser eindringt. Für ein vollamphibisches Fahrzeug ist sie gegenstandslos.
Die geschweißte Stahlwanne bietet Besatzung und Mitfahrern Schutz vor Beschuss aus leichten Handfeuerwaffen und vor Splittern, mehr nicht. Zur genauen Panzerungsstärke schwanken die Angaben je nach Quelle erheblich: von 3 bis 10 Millimeter Stahl über 7 bis 14 Millimeter je nach Bereich bis zu einheitlich bis zu 14 Millimeter. Ein Teil der Differenz erklärt sich vermutlich dadurch, dass manche Quellen nur die dünnste Stelle nennen, andere die Spanne über verschiedene Wannenbereiche.
Varianten
Auf dem MT-LB-Fahrgestell entstand über die Jahrzehnte eine große Zahl an Sonderausführungen. Die wichtigsten:
- MT-LBu: eine vergrößerte Version mit stärkerem Motor. Quellen bezeichnen sie ausdrücklich als Weiterentwicklung des MT-LB, nicht als dessen Nachfolger, weil beide Baureihen über Jahre parallel produziert und genutzt wurden. Deshalb steht der MT-LBu nicht im Datenblatt dieser Seite.
- MT-LB(San): Sanitätsfahrzeug zum Abtransport Verwundeter.
- MTP-LB: Bergefahrzeug für die technische Instandsetzung im Feld.
- MT-LB(Pi): Version mit Pioniergerätesatz für Sperr- und Räumarbeiten.
- 9K35 Strela-10: Flugabwehrraketensystem auf MT-LB-Fahrgestell.
- 2S1 Gwosdika: Selbstfahrlafette auf einem mit dem MT-LB verwandten Fahrgestell.
Die auf dieser Seite genannten technischen Werte gelten für die unbewaffnete oder leichtbewaffnete Grundausführung als Transporter. Bei den Sonderaufbauten weichen Gewicht, Bewaffnung und teils auch die Abmessungen davon ab, je nachdem, welches Zusatzgerät verbaut wurde.
Einsatz und Verbreitung
Die sowjetischen Streitkräfte setzten den MT-LB in motorisierten Schützen- und Artillerieverbänden ein, vor allem als Schlepper für Feldgeschütze und als geschützten Mannschaftstransporter abseits befestigter Straßen. Über den Export gelangte das Fahrzeug in nahezu alle Staaten des Warschauer Pakts und in zahlreiche mit der Sowjetunion verbündete Streitkräfte außerhalb Europas.
Auch die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR führte den MT-LB, wie Fachseiten zur DDR-Wehrtechnik dokumentieren. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 übernahm die Bundeswehr zunächst das gesamte Materialerbe der NVA, bevor der überwiegende Teil der Fahrzeuge sowjetischer Bauart im Zuge der Angleichung an NATO-Standards ausgemustert wurde.
Die Gesamtstückzahl von über 55.000 Fahrzeugen, die für den MT-LB genannt wird, umfasst alle Varianten und die gesamte Exportproduktion zusammen, nicht allein die unbewaffnete Transporterversion dieser Seite. Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Baureihen liegt in den geprüften Quellen nicht vor.
Bis heute zählt der MT-LB in mehreren Streitkräften zur aktiven Ausrüstung. Die tschechischen Streitkräfte etwa führen ihn nach eigenen Angaben weiterhin in ihrer Übersicht gepanzerter Fahrzeuge. Auch im postsowjetischen Raum, darunter Russland und die Ukraine, ist das Fahrzeug weiterhin im Bestand.
Verbleib heute
Museale Standorte in Deutschland, an denen dauerhaft ein MT-LB ausgestellt ist, lassen sich aus den geprüften Quellen nicht mit ausreichender Sicherheit belegen. Einzelne Fahrzeuge tauchen in privaten Sammlungen ehemaliger NVA-Technik sowie bei Museen im ehemaligen Ostblock auf.
Aktiv im militärischen Bestand ist der MT-LB weiterhin bei mehreren Streitkräften des ehemaligen Warschauer Pakts und in Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Für die deutschen Streitkräfte spielt er seit der Ausmusterung der NVA-Bestände keine Rolle mehr. In Deutschland begegnet das Fahrzeug heute vor allem bei privaten Anbietern, die historische Kettenfahrzeuge für Fahrerlebnisse einsetzen.
Kann man einen MT-LB selbst fahren?
Ja, grundsätzlich schon. Der MT-LB gehört bei privaten Anbietern für Panzerfahren in Deutschland zu den am häufigsten eingesetzten Kettenfahrzeugen, weil er robust ist, in ausreichender Stückzahl zur Verfügung steht und sich vergleichsweise leicht bedienen lässt.
Aktuell liegt aber noch kein geprüfter Standort mit verbindlichen Buchungsangaben zu diesem konkreten Fahrzeug vor. Das Verzeichnis wird laufend um neue Standorte und Betreiber ergänzt. Einen Überblick über die bereits erfassten Fahrzeuge und wo sie stehen, bietet die Fahrzeugübersicht.
Verwandte Fahrzeuge
Als technischer Vorgänger gilt die AT-P-Serie, eine Artillerie-Zugmaschine auf dem Fahrgestell der Selbstfahrlafette ASU-57. Als Weiterentwicklung, nicht als Nachfolger, gilt der größere MT-LBu mit stärkerem Motor. Verwandte Sonderausführungen auf demselben Fahrgestell sind unter anderem das Flugabwehrsystem 9K35 Strela-10 und die Selbstfahrlafette 2S1 Gwosdika. Eine vollständige Übersicht aller erfassten Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein MT-LB?
Beim Gefechtsgewicht schwanken die Quellen. Ein deutschsprachiges Nachschlagewerk und ein technisches Fachportal nennen 11,9 Tonnen, eine tschechische Militärquelle unterscheidet zwischen einem Kampfgewicht von 9,7 Tonnen und einem höheren Einsatzgewicht. Eine einheitliche, gesicherte Zahl lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten.
Wie schnell fährt ein MT-LB?
Auf der Straße erreicht der MT-LB laut Datenblatt eine Höchstgeschwindigkeit von 61 km/h. Damit liegt er im für gepanzerte Kettenfahrzeuge üblichen Bereich. Im Wasser, wo sich das Fahrzeug ohne zusätzlichen Antrieb allein über die eigenen Ketten fortbewegt, liegt die erreichbare Geschwindigkeit deutlich niedriger als an Land.
Wie viele MT-LB wurden gebaut?
Die Gesamtproduktion wird mit über 55.000 Fahrzeugen angegeben. Diese Zahl umfasst alle Varianten und die komplette Exportproduktion zusammen, nicht allein die unbewaffnete Transporterversion. Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Baureihen wie MT-LBu, MT-LB(San) oder MTP-LB liegt in den verfügbaren Quellen nicht vor.
Kann man einen MT-LB in Deutschland selbst fahren?
Der MT-LB gehört bei privaten Anbietern für Panzerfahren zu den häufig eingesetzten Fahrzeugen. Für panzerfahren.de liegt aktuell aber noch kein geprüfter Standort mit Buchungsangaben zu diesem konkreten Modell vor. Die Fahrzeugübersicht wird laufend ergänzt.
Ist der MT-LB amphibisch?
Ja, der MT-LB ist vollamphibisch. Der Rumpf ist wasserdicht geschweißt, der Vortrieb im Wasser erfolgt über die eigenen Ketten, ohne zusätzliche Vorbereitung wie das Anbringen von Schwimmkörpern. Deshalb gibt es für dieses Fahrzeug auch keine Watfähigkeit in Metern, wie sie bei nicht schwimmfähigen Fahrzeugen angegeben wird.
Welche Reichweite hat der MT-LB?
Das Datenblatt nennt eine Reichweite von 500 Kilometern bei einer Motorleistung von 240 PS aus dem V8-Dieselmotor JaMZ-238. Wie sich der Wert zwischen Straßen- und Geländefahrt unterscheidet, geben die verfügbaren Quellen nicht an.
Was unterscheidet den MT-LB vom MT-LBu?
Der MT-LBu ist eine vergrößerte Version mit stärkerem Motor. Quellen bezeichnen ihn ausdrücklich als Weiterentwicklung des MT-LB, nicht als dessen Nachfolger, weil beide Baureihen über Jahre parallel produziert und eingesetzt wurden. Der MT-LBu steht deshalb nicht im Datenblatt dieser Seite, die sich auf den MT-LB selbst beschränkt.