Der Tiger II war ein schwerer Panzer der deutschen Wehrmacht, gebaut von Henschel & Sohn in Kassel. Die offizielle Bezeichnung lautete Panzerkampfwagen VI Tiger II, Ausführung B (Sd.Kfz. 182). In vielen Quellen und im allgemeinen Sprachgebrauch findet sich auch die Bezeichnung „Königstiger“; dieser Text verwendet durchgehend die sachliche Typenbezeichnung Tiger II. Das Fahrzeug löste den Tiger I ab und verband dessen 88-mm-Kanone mit einer stärker geneigten Panzerung nach dem Vorbild des Panther. Es kam ab Sommer 1944 an der West- und der Ostfront zum Einsatz, in der Schlussphase des von Nazi-Deutschland geführten Angriffs- und Vernichtungskriegs. Erhaltene Exemplare stehen heute als Museumsstücke, unter anderem in Bovington und Saumur. Selbst fahren lässt sich der Tiger II in Deutschland nicht.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schwerer Panzer |
| Herkunftsland | Deutsches Reich |
| Hersteller | Henschel & Sohn (Kassel) |
| Leistung | 700 PS |
| Besatzung | 5 |
| Hauptbewaffnung | 88-mm-Kanone KwK 43 L/71 |
Zu Bauzeit, Stückzahl, Gefechtsgewicht, Länge, Breite, Höhe, Motor, Höchstgeschwindigkeit, Reichweite, Panzerung und Watfähigkeit nennen Bundesarchiv, Tank Museum und Wikipedia spürbar unterschiedliche Zahlen, ohne dass sich eine der drei Quellen als eindeutig maßgeblich auszeichnen lässt. Die Abweichungen benennt der Text unten dort, wo sie relevant sind.
Alle übernommenen Werte beziehen sich zudem auf die Serienausführung mit dem sogenannten Serienturm (auch Henschel-Turm genannt, mit gerader Frontplatte), wie sie ab Sommer 1944 gefertigt wurde und auch in den erhaltenen Museumsfahrzeugen in Bovington und Saumur verbaut ist. Die ersten rund 50 gebauten Fahrzeuge trugen noch den sogenannten Porsche-Turm mit gewölbter Frontplatte und einem davon abweichenden Gefechtsgewicht. Werte, die sich ausdrücklich auf diese frühe Ausführung beziehen, wurden hier nicht übernommen.
Entwicklungsgeschichte
Der Tiger II ging aus der Anforderung des Heereswaffenamts nach einem Nachfolger für den Tiger I hervor, dessen Panzerung nach Einschätzung der damaligen Wehrmachtsführung nicht mehr dem Stand der Technik entsprach. Bei der Entwicklung standen sich Entwürfe von Henschel und von Porsche gegenüber. Für die Serienfertigung setzte sich das Fahrgestell von Henschel durch. Ein von Porsche bereits gefertigter Turmentwurf wurde zunächst weiterverwendet, bis der eigens für die Henschel-Wanne entwickelte Serienturm zur Verfügung stand, daher die beiden Turmversionen der ersten Baumonate.
Wann genau die Serienfertigung begann, wird in den Quellen unterschiedlich datiert. Das Tank Museum nennt Januar 1944, Wikipedia bereits Dezember 1943. Beide Angaben stimmen darin überein, dass die Produktion im März 1945 endete, mit dem Zusammenbruch der deutschen Rüstungsindustrie in den letzten Kriegsmonaten.
Hersteller war Henschel & Sohn in Kassel, ein Unternehmen, das bereits den Tiger I gefertigt hatte. Die Fertigung fiel in eine Phase zunehmender Rohstoffknappheit und alliierter Luftangriffe auf die deutsche Rüstungsindustrie, was Produktionszahlen und Qualität der Fahrzeuge beeinflusste. Tiger-II-Einheiten wurden nicht in reguläre Panzerdivisionen eingegliedert, sondern in eigenständigen schweren Panzer-Abteilungen zusammengefasst, die dem Heer beziehungsweise der Waffen-SS auf Armee- oder Korpsebene unterstellt waren.
Technik im Detail
Der Antrieb bestand aus einem Maybach-Motor der Baureihe HL 230, einem wassergekühlten V12-Ottomotor. Bei der genauen Modellbezeichnung weichen die Quellen voneinander ab: Tank Museum und Wikipedia nennen HL 230 P30, das Bundesarchiv HL 230 P 45. Ein Vielstoffmotor, der wie bei manchen späteren Militärfahrzeugen auch andere Kraftstoffarten als Benzin verarbeiten kann, kam beim Tiger II nicht zum Einsatz, der Ottomotor lief ausschließlich mit Vergaserkraftstoff.
Das Laufwerk lief auf einem Kettenlaufwerk mit großen, versetzt angeordneten Laufrollen. Jede Laufrolle war einzeln über eine Drehstabfederung aufgehängt, die Bodenunebenheiten abfederte und ohne die Wartungsanfälligkeit von Blattfedern auskam. Der Antrieb der Gleiskette erfolgte über ein hinten liegendes Treibrad, eine bei deutschen Panzern der Zeit übliche Anordnung.
Wanne und Turm waren aus geschweißtem Stahl gefertigt, mit rundum geneigten Flächen nach dem Vorbild des Panther. Eine Verbundpanzerung aus mehreren unterschiedlichen Werkstoffschichten, wie sie erst Jahrzehnte später bei westlichen Kampfpanzern eingeführt wurde, besaß der Tiger II nicht. Die Panzerung bestand durchgehend aus gewalztem, homogenem Stahl. Eine Quelle beschreibt die Bauart als der des Panther ähnlich, jedoch ohne dessen teilweise senkrechte Flächen; eine Angabe zum Schutzwert liegt nicht vor.
Die Hauptbewaffnung, eine 88-mm-Kanone KwK 43 L/71, war eine gezogene Rohrwaffe. Eine Glattrohrkanone ohne Züge, wie sie erst mit Kampfpanzern der Nachkriegszeit zum Standard wurde, kam beim Tiger II nicht zum Einsatz. Eine Quelle nennt für die Watfähigkeit einen Wert von 1,6 Metern.
Varianten
Eine Quelle nennt als Ableitung des Tiger II den Jagdtiger, einen Panzerjäger auf verlängertem Tiger-II-Fahrgestell mit einer 12,8-cm-Kanone.
Zu einer umfassenden Kampfwertsteigerung des Tiger II selbst kam es nicht mehr. Die kurze Produktionszeit von gut einem Jahr und die sich rasch verschlechternde Kriegslage ließen dafür keinen Raum. Änderungen während der Fertigung blieben auf Detailanpassungen und den bereits beschriebenen Wechsel vom Porsche-Turm zum Serienturm beschränkt. Die Bezeichnung Sd.Kfz. 182 (Sonderkraftfahrzeug 182) ordnete das Fahrzeug in das Nummernsystem der Wehrmacht für Sonderfahrzeuge ein, unter dem auch der Tiger I als Sd.Kfz. 181 geführt wurde. Exportversionen entstanden nicht, das Kriegsende im Mai 1945 unterbrach die Fertigung vollständig.
Einsatz und Verbreitung
Der Tiger II kam ab dem Sommer 1944 an mehreren Fronten zum Einsatz. Das Tank Museum dokumentiert einen ersten Kampfeinsatz während der Kämpfe in der Normandie im Sommer 1944, das Bundesarchiv belegt anhand von Fotomaterial einen Einsatz in Budapest im Oktober 1944 und damit an der Ostfront. In den letzten Kriegsmonaten wurde das Fahrzeug auch bei der Verteidigung des Reichsgebiets eingesetzt.
Dieser Einsatz fällt in die Schlussphase des von Nazi-Deutschland geführten Angriffs- und Vernichtungskriegs, der insbesondere an der Ostfront mit systematischen Verbrechen an der Zivilbevölkerung, an Kriegsgefangenen und an der jüdischen Bevölkerung einherging. Der Tiger II war Teil der militärischen Ausrüstung, mit der dieser Krieg bis zur bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 fortgesetzt wurde.
Organisatorisch waren Tiger-II-Fahrzeuge nicht regulären Panzerdivisionen zugeteilt, sondern eigenständigen schweren Panzer-Abteilungen des Heeres und der Waffen-SS, die der Führung auf Armee- oder Korpsebene unterstanden.
Wie viele Fahrzeuge insgesamt gefertigt wurden, wird unterschiedlich beziffert. Das Tank Museum nennt 492, das Musée des Blindes 489, Wikipedia führt teils 485, teils 489 an und verweist daneben auf vereinzelt genannte 492 Exemplare. Eine einheitliche, gesicherte Zahl lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht ableiten.
Verbleib heute
Ein erhaltenes Fahrzeug steht im Tank Museum im britischen Bovington. Nach Angaben des Museums war es zuvor der 1. Kompanie der SS-Panzer-Abteilung 101 zugeteilt und wurde Ende August 1944 in der Nähe von Aux Marais bei Beauvais, nördlich von Paris, zurückgelassen. Das Museum erhielt es demnach 2006 vom Royal Military College in Shrivenham. Eine laufende Restaurierungskampagne soll das Fahrzeug wieder in einen vorführfähigen Zustand versetzen.
Ein weiteres erhaltenes Exemplar mit dem hier beschriebenen Serienturm steht im Musée des Blindes in Saumur, Frankreich. Weitere Fahrzeuge und Fragmente befinden sich in Museen und Sammlungen in mehreren Ländern.
Kann man einen Tiger II selbst fahren?
Nein. Der Tiger II steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Die erhaltenen Exemplare sind Museumsstücke, teilweise wie in Bovington im Rahmen einer Restaurierungskampagne für Vorführungen vorgesehen, nicht für ein öffentliches Fahrangebot. Einen Überblick über die in Deutschland tatsächlich fahrbaren Panzermodelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Verwandte Fahrzeuge
- Tiger I (Panzerkampfwagen VI Ausf. E): direkter Vorgänger, von dem der Tiger II Kanone und Grundkonzept übernahm
- Jagdtiger: Panzerjäger auf verlängertem Tiger-II-Fahrgestell (nur einfach belegt)
- Panther: lieferte das Vorbild für die geneigte Panzerung des Tiger II
Einen Überblick über alle erfassten Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Tiger II?
Das Gefechtsgewicht wird unterschiedlich angegeben. Tank Museum und Musée des Blindes nennen 69,8 Tonnen, das Bundesarchiv 68 Tonnen, Wikipedia 69,7 Tonnen für den hier beschriebenen Serienturm und 68,5 Tonnen für den frühen Porsche-Turm. Eine einheitliche Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie schnell fährt ein Tiger II?
Auch hier weichen die Quellen stark voneinander ab: Das Tank Museum nennt 26 km/h, das Musée des Blindes 38,5 km/h, das Bundesarchiv 45 km/h auf der Straße, Wikipedia 38 km/h auf der Straße und 17 km/h im Gelände. Eine gesicherte Höchstgeschwindigkeit lässt sich aus diesen Angaben nicht bestimmen.
Wie viele Tiger II wurden gebaut?
Die Stückzahl wird je nach Quelle mit 485, 489 oder 492 Fahrzeugen angegeben. Übereinstimmend ist nur der Produktionszeitraum bis März 1945.
Welchen Motor hatte der Tiger II?
Verbaut war ein Maybach-Motor der Baureihe HL 230, ein wassergekühlter V12-Ottomotor. Tank Museum und Wikipedia nennen die Ausführung HL 230 P30, das Bundesarchiv HL 230 P 45.
Welche Kanone hatte der Tiger II?
Die Hauptbewaffnung war eine 88-mm-Kanone des Typs KwK 43 L/71, eine gezogene Rohrwaffe. Angaben zu Munitionswirkung oder Zielverfahren sind nicht Gegenstand dieser Seite.
Kann man einen Tiger II selbst fahren?
Nein. In Deutschland steht kein Tiger II zum Selbstfahren zur Verfügung. Erhaltene Fahrzeuge sind Museumsstücke, unter anderem in Bovington und Saumur. Eine Übersicht der tatsächlich fahrbaren Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Wo steht ein Tiger II heute?
Erhaltene Exemplare stehen unter anderem im Tank Museum in Bovington (Großbritannien) und im Musée des Blindes in Saumur (Frankreich). Weitere Fahrzeuge und Fragmente befinden sich in Sammlungen verschiedener Länder.