Type 10

Type 10 Gesamtansicht seitlich, ohne Wappen oder Truppenkennzeichen im Bild
Foto: MIKI Yoshihito, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der Type 10 ist der aktuelle Kampfpanzer der japanischen Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte, gebaut von Mitsubishi Heavy Industries seit 2010. Er löst den älteren Typ 74 ab und ergänzt den schwereren Typ 90, der wegen seines Gewichts nur auf der Insel Hokkaido eingesetzt werden konnte. Kennzeichnend ist ein dreistufiges modulares Panzerungskonzept, mit dem sich Schutz und Gewicht je nach Einsatzlage anpassen lassen. In Deutschland steht der Type 10 nicht zum Selbstfahren zur Verfügung.

Technische Daten

Merkmal Wert
Typ Kampfpanzer
Herkunftsland Japan
Hersteller Mitsubishi Heavy Industries
Bauzeit 2010 bis heute
Stückzahl keine Angabe
Gefechtsgewicht 44 t (Grundausstattung) bis 48 t (mit voller modularer Zusatzpanzerung)
Länge keine Angabe
Breite 3,24 m
Höhe 2,3 m
Motor Mitsubishi-V8-Dieselmotor, wassergekühlt, Viertakt
Leistung 1200 PS
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Reichweite keine Angabe
Besatzung 3
Hauptbewaffnung 120-mm-Glattrohrkanone L44
Panzerung Modulare Verbundpanzerung aus Keramikkomposit und hochfestem Stahl
Watfähigkeit keine Angabe

Entwicklungsgeschichte

Der Type 10 entstand als Reaktion auf zwei Probleme der japanischen Panzerflotte. Der Typ 74 war technisch veraltet, und der Typ 90 war zwar leistungsfähig, aber so schwer, dass er wegen der Tragfähigkeit vieler Straßen und Brücken außerhalb Hokkaidos kaum verlegt werden konnte. Mitsubishi Heavy Industries entwickelte deshalb unter der internen Bezeichnung TK-X ein Fahrzeug, das im gesamten japanischen Inselgebiet einsetzbar sein sollte, bei geringerem Gewicht und niedrigeren Kosten je Stück als der Typ 90.

Die Serienfertigung begann 2010, seither läuft die Produktion durch. Der Name Type 10 folgt der in Japan üblichen Zählung nach dem Einführungsjahr. Anders als seine Vorgänger wurde das Fahrzeug von Beginn an auf Vernetzung ausgelegt: Ein digitales Führungs- und Informationssystem verbindet einzelne Fahrzeuge und Verbände miteinander und tauscht Lage- und Zieldaten in Echtzeit aus. Dieser Netzwerkgedanke bestimmte die gesamte Auslegung stärker als bei früheren japanischen Konstruktionen.

Zentral für das Beschaffungskonzept ist die modulare Panzerung. Statt eines starren Schutzniveaus liefert Mitsubishi Heavy Industries das Fahrzeug mit einer Grundpanzerung aus, die je nach Auftrag um zusätzliche Module ergänzt werden kann. Das erlaubt der japanischen Armee, zwischen einer leichteren, beweglicheren Konfiguration und einer besser geschützten, schwereren Konfiguration zu wählen, ohne ein zweites Fahrzeugmuster zu benötigen. Diese Flexibilität war das erklärte Ziel der Entwicklung und unterscheidet den Type 10 von den beiden Vorgängermodellen.

Technik im Detail

Der Type 10 läuft auf einem Kettenlaufwerk: Die Gleiskette wird über ein Treibrad angetrieben und über mehrere Laufrollen geführt. Ungewöhnlich ist die Federung. Anders als viele Kampfpanzer mit klassischer Drehstabfederung setzt der Type 10 auf ein hydropneumatisches, aktives Federungssystem. Damit lässt sich die Wanne insgesamt anheben oder absenken und nach vorn, hinten oder zur Seite neigen. Das dient der Geländeanpassung, verbessert die Stabilität beim Schießen aus dem Stand und dämpft den Rückstoß beim Feuern ab.

Die Hauptbewaffnung ist eine 120-mm-Glattrohrkanone vom Typ L44. Mit einer Besatzung von nur drei Personen liegt der Type 10 unter der bei älteren Kampfpanzern üblichen Vierer-Besatzung, was auf eine automatisierte Munitionszuführung schließen lässt.

Angetrieben wird das Fahrzeug von einem Mitsubishi-V8-Dieselmotor mit 1200 PS, wassergekühlt und im Viertaktverfahren arbeitend. Eine Quelle nennt als genaue Typbezeichnung den Mitsubishi 8VA34WTK mit 22,6 Litern Hubraum in liegender 90-Grad-V8-Bauweise. Zur Reichweite gibt es keine übereinstimmende Angabe: Die Quellen nennen Werte zwischen 440 und 525 Kilometern, vermutlich je nachdem, ob der Angabe eine Straßenfahrt oder eine Geländefahrt zugrunde liegt.

Beim Schutzkonzept setzt der Type 10 auf modulare Verbundpanzerung aus keramischem Komposit und hochfestem Stahl. Das Prinzip ist dreistufig: Eine Quelle nennt für die reine Basiskonfiguration ohne jede Zusatzpanzerung ein Gewicht von rund 40 Tonnen. Das Datenblatt weist für die Grundausstattung, wie sie regulär ausgeliefert wird, 44 Tonnen aus, mit vollständig angebrachter modularer Zusatzpanzerung steigt das Gefechtsgewicht auf 48 Tonnen. Die Module lassen sich demontieren oder ergänzen, ohne dass Wanne oder Turm ausgetauscht werden müssen.

Varianten

Als eigenständige Baureihe abseits des Grundmodells ist bislang vor allem der Type 11 bekannt, ein Bergepanzer auf Basis des Type 10 für die technische Bergung liegengebliebener oder beschädigter Fahrzeuge.

Für 2024 berichtete die Fachpresse über Pläne zu einer Kampfwertsteigerung des Type 10. Diskutiert wurden dabei unter anderem ein aktives Schutzsystem gegen anfliegende Bedrohungen und eine zusätzliche 30-mm-Kanone als Sekundärbewaffnung. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung handelte es sich um geprüfte Vorschläge, nicht um eine bereits eingeführte Serienausführung.

Eine Exportversion existiert nicht. Japans Rüstungsexportrecht schränkt die Ausfuhr von Kampfpanzern stark ein, sodass die japanischen Streitkräfte bislang der einzige Nutzer des Type 10 sind.

Einsatz und Verbreitung

Der Type 10 steht ausschließlich im Dienst der japanischen Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte. Anders als der schwerere Typ 90, der wegen der Tragfähigkeit von Straßen und Brücken faktisch auf Hokkaido beschränkt blieb, ist der Type 10 im gesamten japanischen Inselgebiet verlegbar. Er löst den älteren Typ 74 schrittweise ab, während dieser aus dem aktiven Bestand ausscheidet.

Zur genauen Stückzahl gibt es keine übereinstimmende Angabe. Die Quellen schwanken zwischen 76 Fahrzeugen im aktiven Dienst, Stand Mai 2020, und 117 Fahrzeugen als kumulierter Beschaffungswert über die japanischen Haushaltsjahre 2010 bis 2022. Eine weitere Quelle nennt 110 gebaute Fahrzeuge insgesamt, von denen bis Anfang 2015 66 ausgeliefert waren. Die Differenzen erklären sich am ehesten dadurch, dass die Quellen unterschiedliche Stichtage zugrunde legen und teils zwischen bestellten, ausgelieferten und aktiv im Dienst befindlichen Fahrzeugen unterscheiden. Die Beschaffung läuft weiter, sodass jede Momentaufnahme mit der nächsten Haushaltsrunde veraltet. Eine Quelle beziffert die kumulierten Stückkosten für den genannten Zeitraum auf rund 11,3 Millionen US-Dollar je Fahrzeug.

Verbleib heute

Der Type 10 befindet sich weiterhin in aktiver Fertigung und im aktiven Dienst der japanischen Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte. Als historisches Sammlerstück oder Museumsexponat taucht er bislang nicht auf, dafür ist die Baureihe zu jung und zu aktiv im Truppendienst. Berichten zufolge bildet die auf Hokkaido stationierte Panzerdivision einen Schwerpunkt der Ausstattung, daneben sind Fahrzeuge auch bei anderen Verbänden im übrigen Japan im Einsatz. Eine belastbare, vollständige Liste aller Standorte liegt nicht vor.

Kann man einen Type 10 selbst fahren?

Nein, der Type 10 steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Das Fahrzeug wird ausschließlich von den japanischen Streitkräften genutzt und befindet sich in keinem europäischen Fahrzeugbestand. Wer stattdessen einen modernen Kampfpanzer mit vergleichbarer Glattrohrkanone und aktuellem Schutzkonzept selbst fahren möchte, findet eine Übersicht der in Deutschland fahrbaren Modelle auf der Panzer-Übersichtsseite.

Verwandte Fahrzeuge

Der Type 10 löst den Typ 74 ab und ergänzt den schwereren Typ 90 im japanischen Bestand. Eine vollständige Übersicht aller in der Datenbank geführten Kampfpanzer finden Sie auf der Panzer-Übersichtsseite.

Häufige Fragen

Wie schwer ist ein Type 10?

Das Gewicht hängt von der Panzerungskonfiguration ab. In der Grundausstattung, wie sie regulär ausgeliefert wird, liegt das Gefechtsgewicht laut Datenblatt bei 44 Tonnen. Mit vollständig angebrachter modularer Zusatzpanzerung steigt es auf 48 Tonnen. Eine Quelle nennt für die reine Basiskonfiguration ohne jede Zusatzpanzerung zusätzlich einen Wert von rund 40 Tonnen.

Wie schnell fährt ein Type 10?

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 70 Kilometern pro Stunde. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem Mitsubishi-V8-Dieselmotor mit 1200 PS.

Wie viele Type 10 wurden gebaut?

Dazu gibt es keine übereinstimmende Angabe. Je nach Quelle und Stichtag schwanken die Zahlen zwischen 76 Fahrzeugen im aktiven Dienst und 117 Fahrzeugen als kumuliertem Beschaffungswert der Haushaltsjahre 2010 bis 2022. Eine weitere Quelle nennt 110 gebaute und 66 bis Anfang 2015 ausgelieferte Fahrzeuge. Die Beschaffung läuft weiter.

Welche Kanone hat der Type 10?

Die Hauptbewaffnung ist eine 120-mm-Glattrohrkanone vom Typ L44. Angaben zu Munitionswirkung oder Zielverfahren führt das Datenblatt bewusst nicht.

Kann man einen Type 10 in Deutschland fahren?

Nein. Der Type 10 steht ausschließlich im Dienst der japanischen Streitkräfte und befindet sich in keinem deutschen oder europäischen Fahrzeugbestand.

Wer stellt den Type 10 her?

Hersteller ist Mitsubishi Heavy Industries. Das Unternehmen baut den Type 10 seit 2010 für die japanischen Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte.

Wie lang ist ein Type 10?

Dazu gibt es keine übereinstimmende Angabe. Japanischsprachige Quellen und ein Herstellerverzeichnis nennen 9,42 Meter, eine englischsprachige Quelle nennt 9,485 Meter. Die Abweichung liegt im Bereich weniger Zentimeter und dürfte auf unterschiedliche Messgrundlagen zurückgehen.