
Der BMP-1 ist ein Schützenpanzer aus sowjetischer Entwicklung und gilt als das erste in Serie gebaute Infanteriekampffahrzeug seiner Art. Er kombinierte erstmals Truppentransport, Schwimmfähigkeit und eine eigene Bewaffnung in einem Fahrzeug und wurde ab Ende der 1960er-Jahre zum Vorbild für vergleichbare Konstruktionen in Ost und West. In der Nationalen Volksarmee der DDR bildete er über Jahrzehnte das Rückgrat der motorisierten Schützentruppen. In Deutschland lässt sich ein BMP-1 heute an mehreren Standorten selbst fahren, darunter in Steinhöfel.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Schützenpanzer |
| Herkunftsland | Sowjetunion |
| Hersteller | Kurganmaschinenbauwerk (Kurganmashzavod) |
| Bauzeit | 1966 bis 1983 |
| Stückzahl | über 20.000 (nur sowjetische Serienfertigung aller Baulose, ohne Lizenzproduktion im Ausland) |
| Gefechtsgewicht | 13,5 t |
| Länge | 6,73 m |
| Breite | 2,94 m |
| Höhe | 2,07 m |
| Motor | UTD-20 (Sechszylinder-V-Dieselmotor) |
| Leistung | 300 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 65 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 3 |
| Hauptbewaffnung | 73-mm-Glattrohrkanone 2A28 „Grom“ |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Zu Reichweite und Panzerung liegen keine belastbaren Einzelwerte vor, weil sich die verfügbaren Quellen widersprechen. Die Angaben zur Reichweite schwanken zwischen rund 500 und 600 Kilometern, wobei ein Teil der Quellen zusätzlich zwischen Straße und Gelände unterscheidet und dort niedrigere Werte um 400 Kilometer nennt. Bei der Panzerung reicht die Spanne von wenigen Millimetern bis über 30 Millimeter, vermutlich weil die Quellen unterschiedliche Stellen der Wanne oder unterschiedliche Ausführungen meinen. Beide Werte werden deshalb bewusst nicht als feste Zahl im Datenblatt geführt.
Entwicklungsgeschichte
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die sowjetische Armee zunächst auf offene Mannschaftstransportwagen wie den BTR-50. Diese Fahrzeuge zeigten im Truppengebrauch deutliche Schwächen: Die Besatzung musste sie über Dachluken verlassen, ein Schutz gegen atomare, biologische oder chemische Gefahren fehlte weitgehend, und eine eigene Bewaffnung zur Feuerunterstützung während des Absitzens gab es nicht. Ende der 1950er-Jahre schrieb die sowjetische Führung deshalb ein neues Lastenheft für ein Infanteriekampffahrzeug aus.
Mehrere Konstruktionsbüros bewarben sich um den Auftrag. Durchsetzen konnte sich das Büro unter Leitung von Isakow im Werk Tscheljabinsk mit einem Entwurf, der intern als Objekt 765 geführt wurde. Nach Erprobung und Überarbeitung liefen 1966 die ersten Prototypen vom Band, 1967 zeigte die sowjetische Führung das Fahrzeug erstmals öffentlich bei einer Parade. Ab 1969 begann die reguläre Truppenausstattung unter der Bezeichnung BMP-1.
Der entscheidende konzeptionelle Sprung gegenüber dem BTR-50 lag darin, dass die mitgeführte Infanterie während der Fahrt aus dem Innenraum heraus schießen konnte, ohne abzusitzen. Damit war der BMP-1 nicht mehr nur ein Transportmittel, sondern ein eigenständiges Kampffahrzeug mit Turmbewaffnung. Dieses Konzept setzte in den folgenden Jahrzehnten weltweit den Maßstab für die Gattung der Schützenpanzer.
Die Nationale Volksarmee der DDR erhielt das Fahrzeug ab 1969, zunächst in kleiner Stückzahl direkt aus sowjetischer Fertigung, danach überwiegend aus tschechoslowakischer Lizenzproduktion unter der internen Bezeichnung BMP-1 SP2. Insgesamt verfügte die NVA über rund 1.100 Fahrzeuge dieses Typs.
Technik im Detail
Angetrieben wird der BMP-1 von einem UTD-20, einem Sechszylinder-V-Dieselmotor mit 300 PS. Bei einem Gefechtsgewicht von 13,5 Tonnen ergibt sich daraus ein für ein Kettenfahrzeug seiner Zeit hohes Leistungsgewicht, das die Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h auf der Straße ermöglicht.
Das Kettenlaufwerk läuft über eine Drehstabfederung, die Bodenunebenheiten ausgleicht und dem Fahrzeug seine für die Fahrzeugklasse hohe Geländegängigkeit verleiht. Die Laufrollen führen die Gleisketten, angetrieben über das Treibrad. Diese Bauweise war zum Zeitpunkt der Einführung bei sowjetischen Kettenfahrzeugen üblich und erlaubte einen vergleichsweise einfachen Aufbau bei hoher Zuverlässigkeit im Feld.
Konstruktiv fällt die niedrige Silhouette auf, die das Fahrzeug für den Gegner schwerer erfassbar machen sollte. Anders als spätere Konstruktionen mit Verbundpanzerung setzte der BMP-1 auf eine einfache Wanne aus Stahl und Leichtmetall. Diese Bauweise hält das Gewicht niedrig und trägt zur Schwimmfähigkeit bei: Der BMP-1 kann Gewässer ohne zusätzliche Vorbereitung schwimmend überqueren, angetrieben allein durch die Bewegung der Ketten.
Bewaffnet ist das Fahrzeug mit der 73-mm-Glattrohrkanone 2A28 „Grom“ im Turm. Sie ist als reine Typangabe zu verstehen, Aussagen zu Munitionswirkung oder Zielverfahren sind auf dieser Seite bewusst ausgespart.
Varianten
Der BMP-1 wurde über seine lange Bauzeit mehrfach angepasst und in mehreren Staaten des Warschauer Pakts in Lizenz gefertigt:
- BMP-1 (Grundversion): ursprüngliche sowjetische Serienausführung ab 1966
- BMP-1 SP2: in der Tschechoslowakei in Lizenz gefertigte Ausführung, unter anderem für die NVA
- BMP-1P: nachträgliche Kampfwertsteigerung der sowjetischen Armee mit überarbeiteter Panzerabwehrbewaffnung
Daneben entstanden in weiteren Staaten des Warschauer Pakts eigene Lizenzfertigungen mit angepassten Bezeichnungen, deren genaue technische Abweichungen von der sowjetischen Grundversion sich in den verfügbaren Quellen nicht einheitlich beziffern lassen. Als Vorgänger des BMP-1 nennt eine Quelle den BTR-50, einen offenen Mannschaftstransportwagen ohne eigene Turmbewaffnung. Nachfolger in der sowjetischen und späteren russischen Armee wurde der BMP-2.
Einsatz und Verbreitung
Der BMP-1 wurde in der Sowjetarmee zur Standardausrüstung der motorisierten Schützentruppen und in großer Stückzahl an verbündete Streitkräfte des Warschauer Pakts sowie an Staaten außerhalb des Bündnisses weitergegeben. Die Nationale Volksarmee der DDR führte das Fahrzeug ab 1969 ein und setzte es bis zum Ende ihres Bestehens 1990 als zentrales Schützenpanzermodell ein, mit rund 1.100 Fahrzeugen im Bestand.
Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr die vorhandenen NVA-Bestände. Ein Teil der Fahrzeuge wurde als BMP-1A1 Ost modernisiert und für einige Jahre bei den in den neuen Bundesländern stationierten Verbänden weitergenutzt, bevor die Bundeswehr sie vollständig aus dem aktiven Dienst nahm. Nach Angabe einer Quelle gingen einzelne Fahrzeuge anschließend an weitere Streitkräfte, darunter Finnland und Schweden, gesichert belegt ist dieser Verbleib jedoch nicht.
Als Fahrzeug der NVA war der BMP-1 kein Kampfmodell mit eigener Gefechtsgeschichte im Sinne militärischer Erfolge, sondern Teil der ständigen Bereitschaftstruppen im Kalten Krieg. Die sachliche Einordnung dieser Zeit gehört zur Geschichte des Fahrzeugs, ohne dass daraus eine Erzählung militärischer Leistung wird.
Verbleib heute
Erhaltene Fahrzeuge stehen heute in mehreren deutschen Museen, darunter im Deutschen Panzermuseum Munster, das eine als BMP-1A1 Ost umgebaute Ausführung aus ehemaligen NVA-Beständen zeigt. International bleibt der BMP-1 in zahlreichen Streitkräften Teil des aktiven oder teilaktiven Bestands, oft in modernisierten Ausführungen.
In Deutschland lässt sich die Technik des Fahrzeugs unabhängig vom musealen Kontext auch selbst erfahren: An mehreren Standorten steht ein BMP-1 zum Selbstfahren bereit, in Steinhöfel, Landsberg, Bad Langensalza und Gotha.
Wo kann ich einen BMP-1 selbst fahren?
| Standort | Bundesland | Selbst fahren | Mitfahren | Preisspanne |
|---|---|---|---|---|
| Steinhöfel | Brandenburg | keine Angabe | keine Angabe | keine Angabe |
| Landsberg | Sachsen-Anhalt | keine Angabe | keine Angabe | keine Angabe |
| Bad Langensalza | Thüringen | keine Angabe | keine Angabe | keine Angabe |
| Gotha | Thüringen | keine Angabe | keine Angabe | keine Angabe |
Zwei Standorte fehlen in dieser Tabelle bewusst. In Benneckenstein führt der Betreiber die NVA-Ausführung BMP-1 SP2, nicht die sowjetische Grundversion. In Knüllwald steht überhaupt kein BMP, der Betreiber nennt dort ein anderes Kettenfahrzeug.
Genaue Preise, Altersgrenzen und Buchungsbedingungen nennen die jeweiligen Standortseiten, da sie sich je Betreiber und Saison unterscheiden. Am Steuer macht sich zuerst das Gewicht von 13,5 Tonnen bemerkbar, das über die Lenkbremsen und nicht über ein Lenkrad gesteuert wird. Die Drehstabfederung gleicht Unebenheiten spürbar aus, sodass sich das Fahrzeug trotz seiner Masse vergleichsweise ruhig lenken lässt.
Verwandte Fahrzeuge
Der BMP-1 gehört zur Gattung der Schützenpanzer sowjetischer Herkunft aus der Zeit des Kalten Krieges. Sein Nachfolger in der sowjetischen Armee war der BMP-2, sein Vorgänger nach Angabe einer Quelle der offene Mannschaftstransportwagen BTR-50. Für beide Fahrzeuge gibt es hier derzeit keine eigenen Seiten. Einen Überblick über alle erfassten Modelle bietet die Fahrzeugübersicht.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein BMP-1?
Das Gefechtsgewicht liegt bei 13,5 Tonnen. Damit zählt der BMP-1 zu den leichteren Schützenpanzern seiner Generation, was zusammen mit dem 300-PS-Motor für ein günstiges Leistungsgewicht sorgt.
Wie schnell fährt ein BMP-1?
Die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße beträgt 65 km/h. Ermöglicht wird das durch den UTD-20-Dieselmotor mit 300 PS bei einem vergleichsweise geringen Gefechtsgewicht von 13,5 Tonnen.
Wie viele BMP-1 wurden gebaut?
Allein in sowjetischer Serienfertigung entstanden über 20.000 Fahrzeuge aller Baulose, ohne Lizenzproduktion im Ausland mitzurechnen. Die Nationale Volksarmee der DDR verfügte über rund 1.100 Exemplare.
Kann man einen BMP-1 selbst fahren?
Ja. In Deutschland steht der BMP-1 an mehreren Standorten zum Selbstfahren bereit, unter anderem in Steinhöfel und Gotha. Details zu Ablauf und Konditionen nennen die jeweiligen Standortseiten.
Welchen Motor hat der BMP-1?
Verbaut ist ein UTD-20, ein Sechszylinder-V-Dieselmotor mit 300 PS. Er treibt das 13,5 Tonnen schwere Fahrzeug auf eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h.
Wo steht ein BMP-1 heute?
Erhaltene Fahrzeuge stehen unter anderem im Deutschen Panzermuseum Munster, dort in der Ausführung BMP-1A1 Ost aus ehemaligen NVA-Beständen. International sind zahlreiche Streitkräfte weiterhin mit dem Typ ausgerüstet.
Wer setzte den BMP-1 ein?
Neben der Sowjetarmee führte auch die Nationale Volksarmee der DDR den BMP-1 ab 1969 als zentrales Schützenpanzermodell. Nach 1990 übernahm die Bundeswehr die Bestände zeitweise, bevor sie den Typ aus dem aktiven Dienst nahm.