
Der Challenger 2 ist ein britischer Kampfpanzer, der zwischen 1993 und 2002 bei Vickers Defence Systems gebaut wurde. Er ist bis heute der Hauptkampfpanzer der britischen Armee. Die technische Besonderheit steckt im Geschütz: Mit der 120-mm-Zugrohrkanone L30A1 fährt er eine gezogene Kanone, während fast alle anderen aktuellen Kampfpanzer auf eine Glattrohrkanone setzen. Der Challenger 2 zählt damit zu den letzten Serien-Kampfpanzern mit einem klassisch gezogenen Rohr.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Kampfpanzer |
| Herkunftsland | Vereinigtes Königreich |
| Hersteller | Vickers Defence Systems |
| Bauzeit | 1993 bis 2002 |
| Stückzahl | keine Angabe |
| Gefechtsgewicht | 62,5 t |
| Länge | keine Angabe |
| Breite | keine Angabe |
| Höhe | 2,49 m |
| Motor | Perkins CV12 |
| Leistung | 1.200 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | keine Angabe |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 4 |
| Hauptbewaffnung | 120-mm-Zugrohrkanone L30A1 |
| Panzerung | Chobham-Verbundpanzerung, Bauartbezeichnung Dorchester (2. Generation) |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Entwicklungsgeschichte
Der Challenger 2 löste in der britischen Armee ein Vorgängermodell ab. Hier gehen die Quellen auseinander: Ein Teil nennt den Challenger 1 als direkten Vorgänger, ein anderer Teil den älteren Chieftain. Beide Fahrzeuge stammen aus derselben britischen Entwicklungslinie, weshalb sich die Angaben nicht restlos trennen lassen.
Hersteller war Vickers Defence Systems, das Vorgängerkonstruktionen des Challenger 1 grundlegend überarbeitete. Das Verteidigungsministerium erteilte den Bauauftrag in zwei getrennten Tranchen, zunächst zu Beginn der 1990er Jahre, danach eine zweite Bestellung 1994. Die Fertigung begann 1993. Die britische Armee nahm den Challenger 2 1998 in Dienst, die letzten Fahrzeuge wurden 2002 ausgeliefert.
Neben Großbritannien orderte auch der Oman den Challenger 2. Das Land bestellte 1993 zunächst 18 Fahrzeuge und legte 1997 eine zweite Bestellung über 20 weitere Panzer nach. Die Lieferungen an den Oman waren bis 2001 abgeschlossen, womit der Challenger 2 bislang der einzige Exporterfolg des Typs außerhalb Großbritanniens blieb.
Konstruktiv baute der Challenger 2 auf dem Fahrgestell seines Vorgängers auf, erhielt aber ein neues Turmdesign, eine überarbeitete Wanne und ein digitalisiertes Feuerleitsystem. Rund 150 Bauteile des Vorgängers wurden laut Herstellerangaben neu entwickelt, was den Challenger 2 technisch deutlich vom älteren Modell unterscheidet, auch wenn die äußere Silhouette ähnlich blieb.
Technik im Detail
Auffälligstes Merkmal ist die Hauptbewaffnung. Die 120-mm-Zugrohrkanone L30A1 arbeitet mit gezogenem Lauf, also mit spiralförmigen Feldern im Rohrinnere. Fast alle anderen westlichen Kampfpanzer, etwa die Modelle mit Rheinmetall-Kanonen, setzen dagegen auf die glatte Bohrung der Glattrohrkanone. Der Grund für die britische Sonderlösung lag ursprünglich in der besseren Eignung gezogener Rohre für bestimmte Munitionsarten. Bei einer geplanten Kampfwertsteigerung des Fahrzeugs, die unter der Bezeichnung Challenger 3 läuft, wechselt die britische Armee auf ein neues 120-mm-Glattrohrgeschütz. Der Challenger 2 bleibt damit einer der letzten Kampfpanzer seiner Generation, die noch mit gezogenem Rohr ausgeliefert wurden.
Angetrieben wird das Fahrzeug von einem Perkins CV12, der mit 1.200 PS auf ein hydromechanisches Getriebe wirkt. Zur Höchstgeschwindigkeit gibt es keine einheitliche Angabe: Quellen nennen Werte zwischen 56 und 70 Kilometern pro Stunde auf der Straße. Auch bei der Reichweite weichen die Angaben voneinander ab, hier reicht die Spanne von 450 bis 550 Kilometern. Beide Streuungen lassen sich nicht eindeutig auf unterschiedliche Messbedingungen zurückführen, sie stehen einfach nebeneinander in der Literatur.
Das Laufwerk nutzt ein Kettenlaufwerk mit sechs Laufrollen je Seite, gefedert über eine Drehstabfederung. Das Treibrad sitzt am Fahrzeugheck und zieht die Gleiskette über die Laufrollen. Die Panzerung besteht aus einer Chobham-Verbundpanzerung mit der Bauartbezeichnung Dorchester, ausgeführt in zweiter Generation. Eine Verbundpanzerung kombiniert mehrere Materialschichten statt eines einzelnen Stahlblocks. Zu Länge und Breite liegt nur je eine Quelle vor, sie nennt 8,3 Meter Länge und 3,5 Meter Breite. Ebenfalls nur einfach belegt ist die Watfähigkeit mit 1,07 Metern ohne Vorbereitung.
Varianten
Aus dem Challenger-2-Fahrgestell entstand eine kleine Familie von Spezialfahrzeugen und einer Exportversion:
- Challenger 2E: Version für den Export, ausgestattet mit einem anderen Dieselmotor als das britische Serienfahrzeug. Eine Quelle nennt Erprobungen unter anderem in Griechenland, Katar und Saudi-Arabien.
- Titan: Brückenlegepanzer auf dem Challenger-2-Fahrgestell, für den schnellen Bau von Übergängen über Gräben und Gewässer.
- Trojan: Pionierpanzer auf demselben Fahrgestell, ausgelegt auf das Räumen von Hindernissen und das Anlegen von Fahrspuren.
- CRARRV: Bergepanzer für die Instandsetzungstruppe, gebaut zum Bergen und Abschleppen liegengebliebener oder beschädigter Kettenfahrzeuge.
Keine dieser Varianten wurde als eigenständiger Kampfpanzer neu entwickelt. Alle vier nutzen das Fahrgestell und den Antrieb des Challenger 2 und unterscheiden sich nur im Aufbau.
Einsatz und Verbreitung
Hauptnutzer des Challenger 2 ist die britische Armee. Zur genauen Stückzahl gibt es unterschiedliche Angaben: Eine Quelle beziffert die Gesamtproduktion auf 386 Fahrzeuge, eine andere auf 446. Der Unterschied lässt sich aus den verfügbaren Angaben nicht auflösen, weshalb das Datenblatt hier keine Zahl nennt.
Der Oman ist der einzige Exportkunde. Mit den 38 an den Oman gelieferten Fahrzeugen kam der Challenger 2 außerhalb Großbritanniens nur in einem weiteren Streitkräfteverband zum Einsatz.
Die britische Armee verlegte den Challenger 2 unter anderem nach Bosnien und in den Kosovo sowie während des Irak-Konflikts ab 2003 in den Nahen Osten. Diese Einsätze werden hier rein als Stationierungsgeschichte genannt, ohne Bewertung des Einsatzverlaufs. Der Panzer ist seit seiner Einführung 1998 durchgehend im aktiven Bestand der britischen Streitkräfte geblieben.
Verbleib heute
Der Challenger 2 steht weiterhin im aktiven Dienst der britischen Armee und der omanischen Streitkräfte. Für die britische Flotte läuft ein Modernisierungsprogramm unter der Bezeichnung Challenger 3: Rheinmetall BAE Systems Land erhielt 2021 den Auftrag, 148 Fahrzeuge im Rahmen einer Kampfwertsteigerung umzurüsten, unter anderem mit einem neuen Glattrohrgeschütz und digitalisierter Vernetzung. Der Challenger 2 wird dadurch schrittweise abgelöst, bleibt aber bis zum Abschluss des Programms im Truppendienst.
Museal dokumentiert ist der Challenger 2 unter anderem im Museum der Queen’s Royal Hussars in Warwick, das die Geschichte des Regiments und seiner Fahrzeuge zeigt.
Kann man einen Challenger 2 selbst fahren?
Nein, dieses Modell steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als britischer Kampfpanzer mit vergleichbarer Fahrzeuggröße und Herkunft bietet sich der Blick auf den Chieftain an, den unmittelbaren Vorläufer aus derselben Entwicklungslinie. Ob und wo dieses oder ein anderes Modell in Deutschland gefahren werden kann, zeigt die Fahrzeugübersicht mit allen erfassten Standorten.
Verwandte Fahrzeuge
Der Chieftain ist das britische Vorgängermodell und technisch am engsten mit dem Challenger 2 verwandt. Einen vollständigen Überblick über alle erfassten Kampfpanzer und Kettenfahrzeuge bietet die Fahrzeugdatenbank.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Challenger 2?
Das Gefechtsgewicht liegt bei 62,5 Tonnen. Damit gehört der Challenger 2 zu den schwersten in Serie gebauten Kampfpanzern seiner Generation, deutlich über dem Gewicht vieler kontinentaleuropäischer Modelle.
Wie schnell fährt ein Challenger 2?
Dazu gibt es keine einheitliche Angabe. Je nach Quelle werden Höchstgeschwindigkeiten zwischen 56 und 70 Kilometern pro Stunde auf befestigter Straße genannt. Ein gesicherter Einzelwert lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie viele Challenger 2 wurden gebaut?
Auch hier schwanken die Angaben, zwischen 386 und 446 Fahrzeugen. Beide Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen, die sich nicht in Übereinstimmung bringen lassen.
Kann man einen Challenger 2 in Deutschland fahren?
Nein. Der Challenger 2 steht in Deutschland derzeit nicht als Fahrerlebnis zur Verfügung. Vergleichbar in Herkunft und Baujahrzehnt ist der Chieftain, dessen Fahrzeugseite ebenfalls Auskunft über die Verfügbarkeit gibt.
Was ist die Besonderheit der Kanone?
Der Challenger 2 trägt mit der 120-mm-L30A1 eine gezogene Kanone statt der bei modernen Kampfpanzern üblichen Glattrohrkanone. Er gehört damit zu den letzten Serienmodellen seiner Generation mit klassisch gezogenem Rohr.
Wer hat den Challenger 2 hergestellt?
Gebaut wurde er von Vickers Defence Systems. Das Unternehmen entwickelte den Panzer als grundlegend überarbeitete Weiterentwicklung der vorangegangenen britischen Kampfpanzerlinie.
Wo steht ein Challenger 2 heute?
Aktive Fahrzeuge stehen bei der britischen Armee und den Streitkräften des Oman im Dienst. Museal ist der Typ unter anderem im Museum der Queen’s Royal Hussars in Warwick dokumentiert.