Kettenlaufwerk

Das Kettenlaufwerk ist das Fahrwerk von Kettenfahrzeugen. Es besteht aus einer umlaufenden Gliederkette, gefederten Laufrollen, einem antreibenden Treibrad und einem spannenden Leitrad und überträgt Antriebskraft, Lenkkräfte und Fahrzeuggewicht auf den Untergrund. Gegenüber einem Radfahrwerk verteilt es die Last auf eine größere Aufstandsfläche und senkt dadurch den spezifischen Bodendruck.

Kettenlaufwerk im Detail

Die Gleiskette besteht aus einzelnen Kettengliedern, die über Bolzen beweglich miteinander verbunden sind. Bei der offenen Bauart liegen die Bolzen frei, bei der geschlossenen Bauart sind sie gegen Schmutz und Verschleiß abgedichtet (Nassbolzenkette). Auf der Straße lassen sich viele Ketten mit aufgesetzten Gummipolstern fahren, im Gelände kommen die blanken Stahlglieder mit Grip-Erhöhung zum Einsatz.

Die Laufrollen tragen das Fahrzeuggewicht und rollen auf dem unteren, tragenden Trum der Kette ab. Sie sind meist einzeln oder paarweise über eine Drehstabfederung am Wannenboden aufgehängt, damit Bodenwellen ausgeglichen werden, ohne dass die Wanne selbst die Bewegung mitmacht. Das obere, entlastete Kettentrum wird bei vielen Fahrzeugen zusätzlich über Stützrollen geführt, damit es nicht durchhängt.

Der Antrieb erfolgt über das Treibrad. Sein Zahnkranz greift in die Kettenglieder und zieht die Kette um das Laufwerk herum, ähnlich einer Fahrradkette, nur dass hier die Kette selbst zum rollenden Untergrund wird. Am gegenüberliegenden Ende sitzt das Leitrad. Es hat in der Regel keinen Bodenkontakt und hält über einen Kettenspanner die nötige Vorspannung, damit die Kette weder abspringt noch unnötig verschleißt.

Gelenkt wird ein Kettenfahrzeug nicht über die Räder, sondern über die Kette selbst: Läuft eine Seite langsamer oder gegenläufig zur anderen, dreht das Fahrzeug in diese Richtung, im Extremfall auf der Stelle.

Bedeutung beim Panzerfahren

Wer selbst hinter dem Lenkhebel oder Lenkrad eines Kettenfahrzeugs sitzt, merkt das Kettenlaufwerk zuerst akustisch. Die Kettenglieder schlagen beim Abrollen hörbar gegen Laufrollen und Untergrund, deutlich lauter als jedes Radfahrzeug. Über unebenen Boden überträgt sich dieses Schlagen als Vibration bis in den Fahrersitz.

Wer Laufwerke verschiedener Generationen nebeneinander sehen will, findet sie im Deutschen Panzermuseum Munster.

Beim Lenken zeigt sich der Unterschied zum Auto am deutlichsten. Ein Kettenfahrzeug dreht sich, weil eine Kette schneller läuft als die andere, nicht weil Räder einschlagen. Vor dem Losfahren gehört der Blick auf die Kettenspannung zur Routine: zu locker, und die Kette kann von den Laufrollen abspringen, zu stramm, und der Verschleiß steigt. Auf der Strecke zeigt sich der Vorteil des Laufwerks an Stellen, an denen ein Radfahrzeug durchdrehen würde: Der geringe Bodendruck trägt das Fahrzeug auch über weichem oder unebenem Grund, ohne dass die Kette wegrutscht.

Verwandte Begriffe

Fahrzeuge mit diesem Merkmal