Glattrohrkanone

Eine Glattrohrkanone ist ein Geschützrohr ohne Züge und Felder. Anders als beim gezogenen Rohr erhält das Geschoss darin keinen Drall, sondern wird durch ein Flügelleitwerk auf der Flugbahn stabilisiert. Seit den 1970er Jahren ist die Glattrohrkanone die Standardbewaffnung moderner Kampfpanzer.

Glattrohrkanone im Detail

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren praktisch alle Rohrwaffen Glattrohrkanonen, danach setzte sich für lange Zeit das gezogene Rohr durch, weil der Drall die Flugstabilität von Vollgeschossen deutlich verbesserte. Mit modernen Treibladungen kehrte sich dieser Vorteil um. 1955 stellte die Sowjetunion mit der T-12 die erste moderne Glattrohrkanone der Nachkriegszeit in Dienst, im Kampfpanzer T-62 kam Ende der 1950er-Jahre die U-5TS hinzu. Rheinmetall nahm die Entwicklung einer eigenen Glattrohrkanone 1965 unter der Leitung von Raimund Germershausen in Angriff, nachdem die Bundeswehr bezweifelte, dass das gezogene 105-mm-Rohr des Kampfpanzers L7 gegen die neuen sowjetischen Kampfpanzer T-64 und T-72 mit Verbundpanzerung noch ausreicht. Aus dieser zehnjährigen Entwicklung ging die 120-mm-Glattrohrkanone Rh-120 hervor, zunächst als Hauptbewaffnung des Leopard 2, später auch lizenziert im amerikanischen M1 Abrams. Das erste Rohr, die Ausführung L/44, misst 5,28 Meter.

Der technische Unterschied zum gezogenen Rohr liegt in der Kraftübertragung. Beim gezogenen Rohr presst sich das Geschoss gegen die Züge, um den Drall zu erzeugen. Das kostet Treibladungsenergie und erzeugt zusätzlichen Reibverschleiß, der bei den hohen Gasdrücken moderner Kanonen die Rohrlebensdauer stark verkürzt. Beim Glattrohr entfällt diese Reibung, weil das Geschoss von einem Treibspiegel geführt wird, der sich nach dem Verlassen der Mündung vom eigentlichen Flügelgeschoss löst. Die gesamte Energie der Treibladung wirkt so auf die Beschleunigung des Geschosses, das Rohr lässt sich zudem einfacher fertigen und reinigen. Der Nachteil: Ohne Drall braucht das Geschoss ein eigenes Stabilisierungssystem, konstruktiv ein Flügelleitwerk am Geschossheck, das erst im Flug aufklappt oder von Anfang an fest steht.

Bedeutung beim Panzerfahren

Beim Fahren selbst merken Sie von der Rohrbauart wenig, sie betrifft die Bewaffnung, nicht das Fahrwerk. Sichtbar wird sie am Rohr: Ein glattes Rohr hat außen keine Verstärkungsringe für Züge, meist erkennen Sie es an der charakteristischen Wärmeschutzhülle, die das Rohr ummantelt, um ungleichmäßige Erwärmung und dadurch bedingten Verzug zu verhindern. Bei Besichtigungen historischer Kampfpanzer auf dem Übungsgelände lässt sich der Unterschied zum gezogenen Rohr älterer Baureihen oft direkt am Mündungsbereich ablesen, ein glattes Rohr zeigt innen keine spiralförmigen Rillen.

Verwandte Begriffe

  • Gezogenes Rohr: das Gegenstück, bei dem Züge und Felder dem Geschoss den Drall geben.
  • Rohrbremse: fängt den Rückstoß beim Schuss ab.
  • Mündungsbremse: leitet Gase am Rohrende ab und reduziert den Rückstoßimpuls.
  • Rohrrücklauf: die Rückwärtsbewegung des Rohrs beim Schuss, die von Rohrbremse und Vorholer aufgefangen wird.
  • Ladeautomat: führt bei manchen Kampfpanzern die Munition automatisch ins Rohr ein.

Externe Quelle zur Rohrtechnik: Rheinmetall, Großkaliberwaffen und Munition.