
Der Leopard 2A4 ist die Ausführung des deutschen Kampfpanzers Leopard 2, die zwischen 1985 und 1992 in den Baulosen 5 bis 8 neu gebaut wurde. Hersteller war Krauss-Maffei. Weil frühere Baulose (Bauzustände A0 bis A3) im selben Zeitraum auf den A4-Standard nachgerüstet wurden, war der A4 Anfang der 1990er Jahre der einheitliche Stand der gesamten Bundeswehr-Flotte. Kennzeichnend sind die 120-mm-Glattrohrkanone L44 und ein Gefechtsgewicht von gut 55 Tonnen. In Deutschland steht der Leopard 2A4 aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung, weiter unten finden Sie eine Alternative aus derselben Fahrzeugfamilie.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Kampfpanzer |
| Herkunftsland | Deutschland |
| Hersteller | Krauss-Maffei |
| Bauzeit | 1985 bis 1992 |
| Stückzahl | 695 |
| Gefechtsgewicht | 55,15 t |
| Länge | 9,67 m |
| Breite | 3,70 m |
| Höhe | 2,79 m |
| Motor | MTU MB 873 Ka-501 |
| Leistung | 1.500 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | keine Angabe |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 4 |
| Hauptbewaffnung | 120-mm-Glattrohrkanone L44 |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | 1,2 m |
Zu Höchstgeschwindigkeit und Reichweite liegen widersprüchliche Angaben vor, deshalb stehen beide Felder hier als keine Angabe. Einzelheiten dazu im folgenden Abschnitt.
Entwicklungsgeschichte
Der Leopard 2 geht auf ein deutsch-amerikanisches Kooperationsvorhaben aus den 1960er Jahren zurück, das einen gemeinsamen Kampfpanzer hervorbringen sollte. Das Vorhaben scheiterte 1970 an Kosten und technischen Differenzen zwischen beiden Partnern. Die Bundesrepublik führte die Entwicklung danach in eigener Regie fort, mit Krauss-Maffei als Generalunternehmer. 1978 zeigte Krauss-Maffei der Öffentlichkeit erstmals den fertigen Leopard 2.
Die Serienfertigung für die Bundeswehr lief anschließend, wie die Übersicht der Leopard-Versionen bei bundeswehr.de darstellt, in acht Baulosen von Oktober 1979 bis März 1992 und erreichte insgesamt 2.125 Kampfpanzer Leopard 2 aller Ausführungen. Auf die Baulose 5 bis 8 entfielen davon 695 Fahrzeuge, ausgeliefert von Dezember 1985 bis zum 19. März 1992. Diese 695 sind die A4, die von Anfang an im neuen Bauzustand vom Band liefen, nicht die Gesamtzahl aller Leopard 2. Parallel dazu rüstete die Bundeswehr die älteren Baulose 1 bis 4, ursprünglich in den Bauzuständen A0 bis A3 ausgeliefert, technisch auf denselben A4-Standard nach. Am Ende dieses Prozesses fuhr die Truppe eine weitgehend einheitliche Flotte, obwohl die Fahrzeuge aus unterschiedlichen Baujahren stammten.
Der Anlass für die Kampfwertsteigerung war die fortlaufende Bedrohungsanalyse während des Kalten Krieges. Feuerleitrechner, Optik und weitere Systeme wurden über die Bauzustände hinweg verbessert, ohne dass die Grundkonstruktion des Fahrzeugs verändert wurde. Der A4 blieb bis zur Einführung des Nachfolgers Leopard 2A5 der Referenzstandard der deutschen Panzertruppe.
Technik im Detail
Der Leopard 2A4 wird von einem MTU MB 873 Ka-501 mit 1.500 PS angetrieben, einem Vielstoffmotor, der neben Diesel auch andere Kraftstoffe verarbeiten kann. Die Kraft geht über ein automatisches Getriebe an das Kettenlaufwerk. Jede Fahrzeugseite trägt mehrere Laufrollen, die das Fahrzeuggewicht auf die Gleisketten verteilen, angetrieben wird die Kette über das Treibrad am Heck.
Die Laufrollen sind einzeln über eine Drehstabfederung aufgehängt. Bei dieser Bauart übernimmt ein tordierter Stahlstab quer im Wannenboden die Federarbeit, was gegenüber älteren Blattfederkonstruktionen mehr Federweg und eine ruhigere Fahrt im Gelände erlaubt.
Hauptbewaffnung ist die Glattrohrkanone vom Typ L44 im Kaliber 120 Millimeter, hier als reine Typangabe ohne Aussage zur Wirkung. Der Turm sitzt auf einer Wanne mit Verbundpanzerung, bei der mehrere Materialschichten kombiniert werden. Zu den genauen Schutzwerten liegen keine belastbaren Angaben vor. Eine Quelle nennt für das sechste Baulos einen verstärkten Panzerschutz an Turm- und Wannenfront gegenüber den ersten Baulosen. Weil sich diese Bauartänderung nicht durch eine zweite unabhängige Quelle bestätigen lässt, wird sie hier als offene Angabe behandelt und nicht als gesicherte Tatsache dargestellt.
Die Kampfwertsteigerung vom A0- zum A4-Bauzustand betraf vor allem Feuerleitanlage und Zielausstattung, während Antrieb und Laufwerk über die gesamte Reihe im Kern unverändert blieben.
Varianten
Der A4 ist innerhalb der Leopard-2-Familie kein Exportmodell, sondern der Bauzustand, auf den die Bundeswehr ihre komplette Flotte aus den Baulosen 1 bis 8 zusammenführte. Zu unterscheiden sind zwei Gruppen:
- Baulose 5 bis 8: 695 Fahrzeuge, direkt im A4-Bauzustand neu gefertigt, Auslieferung Dezember 1985 bis 19. März 1992.
- Baulose 1 bis 4: ursprünglich in den Bauzuständen A0 bis A3 gebaut, anschließend technisch auf A4-Niveau nachgerüstet.
Nach diesem Nachrüstprogramm war der A4 bis zur Einführung des A5 der einzige Bauzustand im aktiven Bestand der deutschen Panzertruppe. International setzten mehrere Staaten eigene, teils abweichende Leopard-2-Baulinien ein, die als eigenständige Fahrzeuge geführt werden und nicht Teil der deutschen A4-Stückzahl sind. Innerhalb der deutschen Beschaffung markiert der A4 damit die letzte Stufe vor den grundlegend überarbeiteten Nachfolgeversionen A5 und A6, die unter anderem eine veränderte Turmform erhielten.
Einsatz und Verbreitung
Der Leopard 2A4 war ab Mitte der 1980er Jahre bis in die 1990er Jahre hinein der Standardkampfpanzer der Bundeswehr und bildete das Rückgrat der deutschen Panzerbrigaden im letzten Abschnitt des Kalten Krieges. Ein Fronteinsatz fand während dieser Zeit nicht statt.
Nach dem Ende des Kalten Krieges reduzierte die Bundeswehr ihre Panzerbestände deutlich und modernisierte den verbleibenden Teil der Flotte schrittweise zu den Nachfolgestandards A5 und A6. Ausgemusterte Leopard 2A4 aus Bundeswehrbeständen gingen in der Folge an mehrere NATO- und Partnerstaaten, darunter Polen, die Türkei und Chile, die die Fahrzeuge in ihre eigenen Streitkräfte übernahmen oder als Grundlage für eigene Kampfwertsteigerungen nutzten. Genaue Stückzahlen je Empfängerstaat lassen sich nicht durchgängig aus zwei unabhängigen Quellen belegen und werden hier deshalb nicht genannt.
Verbleib heute
In der aktiven Bundeswehr ist der A4-Bauzustand als eigenständige Version nicht mehr im Einsatz, die verbliebenen deutschen Fahrzeuge wurden auf neuere Standards umgerüstet. Einzelne Exemplare sind museal erhalten: Das Deutsche Panzermuseum Munster zeigt einen Leopard 2A4 als Teil seiner Sammlung zur Nachkriegsgeschichte der deutschen Panzertruppe.
In mehreren Staaten außerhalb Deutschlands stehen aus deutschen Beständen übernommene A4 dagegen bis heute im aktiven Dienst oder wurden dort zu eigenen Kampfwertsteigerungen weiterentwickelt.
Kann man einen Leopard 2A4 selbst fahren?
Nein, der Leopard 2A4 steht in Deutschland aktuell nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Auch der Leopard 1, der Vorgänger der gesamten Leopard-2-Baureihe, wird als Kampfpanzer nirgends zum Fahren angeboten. Aus dieser Entwicklungslinie findet sich auf zivilen Fahrgeländen lediglich ein Bergepanzer auf Leopard-1-Fahrgestell, der das Grundprinzip von Kettenlaufwerk und Drehstabfederung teilt, aber kein Kampfpanzer ist.
Verwandte Fahrzeuge
- Leopard 1: Vorgänger der Leopard-2-Baureihe, in Deutschland nicht als Kampfpanzer fahrbar.
- Leopard 1A5: kampfwertgesteigerte Ausführung des Leopard 1.
- Leopard 2A6: direkter Nachfolgestandard nach A4 und A5.
- Leopard 2A7: weiterentwickelte Version mit überarbeiteter Ausstattung.
- Leopard 2A8: aktuellster Bauzustand der Leopard-2-Reihe.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Leopard 2A4?
Das Gefechtsgewicht liegt bei 55,15 Tonnen. Das ist der Wert für den A4-Bauzustand, spätere Versionen wiegen durch zusätzliche Ausstattung teils mehr.
Wie schnell fährt ein Leopard 2A4?
Dazu liegen unterschiedliche Angaben vor. Eine Quelle nennt 72 km/h, eine andere 68 km/h. Ein einheitlicher, zweifach belegter Wert lässt sich daraus nicht bilden, deshalb führt das Datenblatt hier keine Zahl.
Wie viele Leopard 2A4 wurden gebaut?
695 Fahrzeuge aus den Baulosen 5 bis 8, gefertigt zwischen Dezember 1985 und dem 19. März 1992. Das ist nicht dieselbe Zahl wie die 2.125 Kampfpanzer Leopard 2 aller Ausführungen, die die Bundeswehr insgesamt beschafft hat.
Welche Reichweite hat ein Leopard 2A4?
Auch hier weichen die Quellen voneinander ab, mit Angaben zwischen 500 und 550 Kilometern. Ein gesicherter Einzelwert liegt nicht vor.
Kann man einen Leopard 2A4 in Deutschland fahren?
Nein. Auch der Leopard 1 aus derselben Fahrzeugfamilie steht als Kampfpanzer nicht zum Fahren bereit, siehe Abschnitt oben.
Wo steht heute ein Leopard 2A4?
Ein Exemplar befindet sich im Deutschen Panzermuseum Munster. Weitere Fahrzeuge stehen im aktiven Bestand von Staaten, die A4 aus deutschen Beständen übernommen haben.
Wann wurde der Leopard 2A4 gebaut?
Die Baulose 5 bis 8 mit den A4-Neubauten liefen von 1985 bis 1992. Frühere Fahrzeuge aus den Baulosen 1 bis 4 wurden im selben Zeitraum auf denselben Standard nachgerüstet.