
Der Leopard 2A6 ist ein deutscher Kampfpanzer, der zwischen 2001 und 2005 aus vorhandenen Fahrzeugen der Typen Leopard 2A4 und Leopard 2A5 umgerüstet wurde. Hersteller ist Krauss-Maffei Wegmann. Kennzeichen der Version ist die 120-mm-Glattrohrkanone L55, die den kürzeren Kanonentyp L44 der Vorgängerausführungen ablöste und dem Fahrzeug ein höheres Gewicht gibt als den älteren Baustufen. Insgesamt entstanden 225 Fahrzeuge dieser Version. Die Besatzung besteht aus vier Personen. Weitere Ausführungen der Baureihe sind in der Übersicht aller Kampfpanzer aufgeführt.
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Kampfpanzer |
| Herkunftsland | Deutschland |
| Hersteller | Krauss-Maffei Wegmann |
| Bauzeit | 2001 bis 2005 |
| Stückzahl | 225 |
| Gefechtsgewicht | keine Angabe |
| Länge | 10,97 m |
| Breite | 3,76 m |
| Höhe | 3,00 m |
| Motor | MTU MB 873 Ka-501 |
| Leistung | 1.500 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 68 km/h |
| Reichweite | keine Angabe |
| Besatzung | 4 |
| Hauptbewaffnung | 120-mm-Glattrohrkanone L55 |
| Panzerung | keine Angabe |
| Watfähigkeit | keine Angabe |
Zum Gefechtsgewicht liegen keine übereinstimmenden Werte vor. Eine Quelle nennt 60,1 Tonnen, eine andere 62,3 Tonnen. Ein Grund für die Abweichung ist in den Quellen nicht dokumentiert, deshalb steht in der Tabelle keine Angabe statt einer der beiden Zahlen.
Entwicklungsgeschichte
Die Bundeswehr rüstete den Leopard 2A6 im Rahmen eines Programms zur Kampfwertsteigerung um, intern als KWS-I bezeichnet. Ausgangspunkt waren 160 Fahrzeuge der Version Leopard 2A5 und 65 Fahrzeuge der älteren Version Leopard 2A4, zusammen 225 Panzer. An beiden Baustufen wurde die vorhandene 120-mm-Kanone vom Typ L44 durch die längere Ausführung L55 ersetzt.
Der Wechsel auf die L55 war die zentrale Anforderung des Umrüstprogramms. Nach Angaben der Bundeswehr sollte die Kampfpanzerflotte auf einen technischen Stand gebracht werden, der mit international eingeführten Nachfolgegenerationen mithalten konnte, ohne ein vollständig neues Fahrzeug zu entwickeln. Die Umrüstung bestehender Wannen und Türme galt als wirtschaftlichere Lösung gegenüber einer Neubeschaffung.
Die Beschaffung lief in einem überschaubaren Zeitraum von 2001 bis 2005 und betraf ausschließlich Fahrzeuge, die bereits bei der Truppe im Einsatz waren. Der Leopard 2A6 löste damit keine neue Fahrzeuggeneration aus, sondern war eine Zwischenstufe zwischen dem Leopard 2A5 und dem späteren Leopard 2A7.
Zum Gefechtsgewicht des Leopard 2A6 finden sich in der Literatur zwei unterschiedliche Werte, 60,1 und 62,3 Tonnen. Beide Zahlen stammen aus fachlich einschlägigen Quellen, ohne dass erkennbar wäre, ob unterschiedliche Ausstattungsstände, Messverfahren oder Rundungen die Ursache sind. Die Seite nennt deshalb beide Werte, statt sich für einen zu entscheiden.
Technik im Detail
Der Leopard 2A6 fährt auf einem Kettenlaufwerk mit Drehstabfederung. Bei dieser Bauart übernehmen tordierte Stahlstäbe im Wanneninneren die Funktion der Federung, die bei Radfahrzeugen üblicherweise Blattfedern oder Schraubenfedern erledigen. Die Laufrollen an der Außenseite der Wanne tragen das Fahrzeuggewicht und führen die Kette, angetrieben wird sie über das Treibrad am Heck. Die Gleiskette selbst verteilt das Gewicht auf eine große Aufstandsfläche und ermöglicht dem Fahrzeug den Betrieb auf weichem und unebenem Untergrund.
Angetrieben wird der Leopard 2A6 von einem MTU MB 873 Ka-501 mit 1.500 PS. Der Motor gehört zur Bauart der Vielstoffmotoren, die mit unterschiedlichen Kraftstoffqualitäten zurechtkommen, ein Merkmal, das für den militärischen Betrieb unter wechselnden Versorgungsbedingungen entwickelt wurde.
Namensgebend für die Version ist die 120-mm-Glattrohrkanone L55. Die Zahl 55 bezeichnet die Rohrlänge in Kaliberlängen und liegt damit über den 44 Kaliberlängen der Vorgängerkanone L44. Das längere Rohr war die einzige technische Kernänderung gegenüber dem Leopard 2A5, alle übrigen Baugruppen blieben weitgehend unverändert.
Zur Panzerung des Leopard 2A6 liegt nur eine Quelle vor. Sie beschreibt eine Verbundpanzerung der dritten Generation, auch als Kompositpanzerung bezeichnet. Da eine zweite unabhängige Quelle für diese Angabe fehlt, steht sie nicht im Datenblatt, sondern nur hier mit dieser Einschränkung.
Varianten
Der Leopard 2A6 selbst ist bereits das Ergebnis einer Umrüstung: 160 Fahrzeuge kamen aus dem Bestand der Version Leopard 2A5, 65 weitere aus dem Bestand des Leopard 2A4. Nach der Umrüstung auf die L55-Kanone waren alle 225 Fahrzeuge äußerlich und technisch als Leopard 2A6 eingestuft, unabhängig vom jeweiligen Ausgangsmodell.
Ab 2004 folgte eine weitere Anpassung eines Teils der Flotte: 70 der 225 Fahrzeuge erhielten einen verstärkten Schutz gegen Minen an der Wannenunterseite und wurden als Leopard 2A6M bezeichnet. Diese Bezeichnung markiert eine eigene Unterversion mit abweichenden Werten, etwa bei Gewicht und Bodenfreiheit. Die auf dieser Seite genannten technischen Daten gelten für den Leopard 2A6 in seiner Grundausführung, nicht für den Leopard 2A6M. Wo Hersteller- oder Fachquellen beide Ausführungen unter derselben Modellbezeichnung vermischen, wurde die betroffene Angabe hier bewusst nicht übernommen.
Der Vorgänger Leopard 2A5 und der Nachfolger Leopard 2A7 markieren die Kampfwertsteigerungen davor und danach. Insgesamt reiht sich der Leopard 2A6 damit in eine Folge mehrerer Kampfwertsteigerungen der Leopard-2-Familie ein, die alle auf demselben Grundfahrzeug aufbauen.
Einsatz und Verbreitung
Hauptnutzer des Leopard 2A6 ist die Bundeswehr, bei der die 225 Fahrzeuge ab 2001 in die Truppe eingeführt wurden. Der Panzer ersetzte in den betroffenen Bataillonen die Vorgängerversion Leopard 2A5 beziehungsweise Leopard 2A4.
2023 gab die Bundeswehr 18 Fahrzeuge der Version Leopard 2A6 aus eigenen Beständen an die Ukraine ab. Die Bundesregierung hatte die Lieferung zunächst mit 14 Fahrzeugen angekündigt und die Zahl anschließend auf 18 erhöht. Die Übergabe erfolgte gemeinsam mit einem Ausbildungsprogramm für ukrainische Besatzungen sowie Ersatzteil- und Ausrüstungspaketen. Diese Abgabe reduzierte die Zahl der bei der Bundeswehr verbliebenen Leopard 2A6 gegenüber dem ursprünglichen Bestand von 225 Fahrzeugen.
Zu Exporten des Leopard 2A6 an andere Streitkräfte außerhalb dieser Lieferung liegen keine zwei unabhängigen Quellen mit übereinstimmenden Zahlen vor, deshalb gibt es dazu keine Angabe.
Verbleib heute
Der überwiegende Teil der ursprünglich 225 gebauten Fahrzeuge steht weiterhin bei der Bundeswehr im aktiven Dienst der Panzertruppe. Ein Teil der Flotte wurde 2023 an die Ukraine abgegeben, wie im Abschnitt zu Einsatz und Verbreitung beschrieben.
Zu Museumsexemplaren des Leopard 2A6 mit zwei unabhängig bestätigten Quellen liegen keine belastbaren Angaben vor, deshalb wird dazu kein konkreter Standort genannt.
Kann man einen Leopard 2A6 selbst fahren?
Nein, der Leopard 2A6 steht in Deutschland derzeit nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als nächstähnliches fahrbares Modell bietet sich der Leopard 1 an. Er stammt vom gleichen Grundhersteller aus deutscher Fertigung und ist innerhalb der Leopard-Reihe aktuell das einzige Modell, das in Deutschland für Selbstfahrten angeboten wird. Technisch handelt es sich um ein älteres und leichteres Fahrzeug, das Fahrprinzip mit Kettenlaufwerk und Drehstabfederung ist aber vergleichbar.
Verwandte Fahrzeuge
- Leopard 1, Ursprungsmodell der deutschen Nachkriegs-Kampfpanzerentwicklung
- Leopard 2A4, Ausgangsbasis eines Teils der 2A6-Umrüstung
- Leopard 2A7, Nachfolgeversion des Leopard 2A6
- Leopard 2A8, aktuelle Ausführung der Leopard-2-Baureihe
- Leopard 1A5, spätere Kampfwertsteigerung der Leopard-1-Reihe
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Leopard 2A6?
Dazu liegt keine gesicherte Zahl vor. Die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen 60,1 und 62,3 Tonnen. Ein Grund für die Abweichung lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht erkennen, deshalb nennt das Datenblatt keine Zahl.
Wie schnell fährt ein Leopard 2A6?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 68 km/h.
Wie viele Leopard 2A6 wurden gebaut?
Insgesamt entstanden 225 Fahrzeuge, umgerüstet aus 160 Leopard 2A5 und 65 Leopard 2A4.
Kann man einen Leopard 2A6 selbst fahren?
Nein, dieses Modell steht in Deutschland nicht zum Selbstfahren zur Verfügung. Als vergleichbares fahrbares Modell aus derselben Herstellerfamilie bietet sich der Leopard 1 an.
Was unterscheidet den Leopard 2A6 vom Leopard 2A5?
Der wesentliche Unterschied ist die 120-mm-Glattrohrkanone L55, die die kürzere L44-Kanone des Leopard 2A5 ersetzte. Die übrigen Baugruppen blieben bei der Umrüstung weitgehend unverändert.
Was ist der Unterschied zwischen Leopard 2A6 und Leopard 2A6M?
Der Leopard 2A6M ist eine Unterversion mit zusätzlichem Minenschutz an der Wannenunterseite, ab 2004 bei 70 der 225 Fahrzeuge eingeführt. Die Werte auf dieser Seite gelten für die Grundausführung Leopard 2A6, nicht für die 2A6M.
Wer stellte den Leopard 2A6 her?
Hersteller ist Krauss-Maffei Wegmann. Die Umrüstung der 225 Fahrzeuge erfolgte zwischen 2001 und 2005.